Sozialismus von unten
Magazin für antikapitalistische
Debatte & Kritik

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Paul McGarr

Warum grün rot ist: Marxismus und Umweltzerstörung



Einführung

Die Beziehung zwischen den Menschen und unserer Umwelt ist heutzutage eine zentrale Frage für Millionen von Menschen in der ganzen Welt. Und das ist kein Wunder. Im Laufe des letzten Jahrzehnts zeichnete sich eine Umweltkatastrophe in einem Ausmaß ab, wie es sich frühere Generationen kaum vorstellen konnten.
Das schlimmste Problem ist die weltweite Erwärmung. Diese scheint bereits stattzufinden, und viele der ungewöhnlichen Wettererscheinungen des letzten Jahrzehnts könnten mit dem weltweiten Anstieg der Temperaturen zusammenhängen. Dabei liegt die Ursache des Problems eigentlich klar auf der Hand: Infolge der Aktivitäten von Menschen steigt der Ausstoß sogenannter Treibhausgase, in erster Linie Kohlendioxid. Wird dies nicht gestoppt und rückgängig gemacht, werden die Folgen katastrophal sein. Die zukünftige Existenz unserer Zivilisation wird ernsthaft bedroht. Sogar die Regierungen der Welt geben zu, wenigstens sagen sie so, dass Maßnahmen dringend nötig sind, um eine Katastrophe zu verhindern.
Von den Bedrohungen der Umwelt ist die weltweite Erwärmung die auffälligste und die mit dem größten Gefahrenpotenzial, sie ist keineswegs die einzige. Es gibt immer noch die furchtbare Gefahr der Atomwaffen, die die völlige Zerstörung des Planeten und seiner BewohnerInnen bewirken können. Man hat uns erzählt, dass diese Bedrohung mit dem Ende des kalten Krieges vorbei sei. Die Wahrheit ist, dass die Welt labiler geworden ist, mehr Staaten haben inzwischen Atomwaffen und mehr waren bereit, damit zu drohen. Die Gefahr, dass die Welt in einem atomaren Holocaust zerstört wird, ist so groß wie eh und je, wenn nicht sogar größer. Atomkraftwerke breiten sich nach wie vor in der Welt aus, so dass weitere Katastrophen wie diejenige von Tschernobyl in den 80er Jahren drohen.
In den 90er Jahren ist eine neue Umweltbedrohung entstanden, die genetisch veränderten Organismen (GVOs). Multinationale Konzerne und Regierungen feierten diese als einen Durchbruch, als sichere und bessere Methode die Welt zu ernähren. Millionen von Menschen glaubten ihnen nicht und diese Frage entwickelte sich zu einem politischen Kampf von wesentlicher Bedeutung.
Es gibt noch viele weitere Umweltfragen, die die Menschen auf der ganzen Welt betreffen. In Südostasien bedrohen Holzeinschlag und nicht kontrollierbare Waldbrände seltene Pflanzen- und Tierarten und verursachen giftigen Smog, der das Leben verkürzt und ganze Länder bedeckt. Die Städte der dritten Welt und ihre Menschen bekommen keine Luft vor lauter Giftschwaden von dem ständig zunehmenden Verkehr. In Großbritannien hat die durch das Verkehrschaos verursachte Verschmutzung zu einer Asthmaseuche bei Kindern geführt.
Weltweit kam in den Bevölkerungen eine Stimmung gegen den Kapitalismus auf, die die jetzige Jahrhundertwende prägt. Am deutlichsten kam dies in den großen Protesten gegen den Weltkapitalismus und seine Einrichtungen, die in Seattle, Washington und Millau stattfanden, zum Ausdruck. Die gleiche Stimmung kam in zahlreichen Meinungsumfragen zum Ausdruck und im Wahlerfolg linker oder antikapitalistischer Kräfte in vielen Ländern und hat sogar ihren Weg in die herrschenden Medien gefunden in einer Art und Weise, wie dies noch vor einem Jahrzehnt unvorstellbar gewesen wäre. Und - obgleich darüber weniger in den herrschenden Medien gesprochen wird - die gleiche Abscheu gegen das, was der Kapitalismus den Menschen antut, ist ein wesentlicher Bestandteil der wiederauflebenden Aufstandsbewegung der ArbeiterInnen und der Bevölkerung in einer ganzen Reihe von Ländern von Lateinamerika bis Afrika.
Es wäre ein ernster Fehler, Umweltfragen als die einzigen Sorgen anzusehen, die diese antikapitalistische Stimmung nähren. Auch sonst macht der Kapitalismus die Leute krank, angefangen mit Krieg oder Hunger, fetten Gehältern für die Reichen, Gier der Konzerne bis hin zu der neuen Mischung aus "Flexibilität" und "Exploitation" - treffend als "Flexploitation" bezeichnet -, die sich immer weiter ausbreitet. Aber zweifellos erhält der Zorn auf das soziale System, in dem wir leben müssen, am meisten Nahrung durch die Umweltbedrohung und durch Dinge wie weltweite Klimaerwärmung, Atomwaffen, GVOs usw. Noch vor zwanzig oder dreißig Jahren wurden zu Recht oder zu Unrecht "grüne" Themen und die Umwelt von vielen als "Randthemen" oder als das Feld von Randgruppen angesehen. Es gab Ausnahmen, wie zum Beispiel Proteste gegen Atomwaffen, aber im allgemeinen war die Umwelt ein "Nebenwiderspruch". Das änderte sich in den 80er und 90er Jahren, als die Parteien der "Grünen" in einigen Ländern - am auffälligsten in Deutschland und Frankreich - zu einer wichtigen Kraft wurden, die von den sich vertiefenden Umweltsorgen der Öffentlichkeit getragen wurde. In der letzten Zeit hat sich das noch verstärkt.
Themen wie weltweite Klimaerwärmung oder genetisch veränderte Lebensmittel sind nicht mehr auf kleine Gruppen oder auf Diskussionen von Fachleuten beschränkt, sondern finden sich inzwischen auf den Titelseiten. Sachkundige Debatten über solche Themen finden jetzt überall statt, in der offiziellen Politik, innerhalb der neuen Welle von Straßenprotesten und am Arbeitsplatz bis hin zu den Hochschulen und Wohnzimmern. Dies ging mit dem Wachstum einer ganzen Reihe von Bewegungen einher, die - jeweils auf ihre Art - diese Themen aufgegriffen haben. Bei vielen Fragen sind viele dieser Leute, einschließlich der Sozialisten, inzwischen einer Meinung.
Viele begreifen den Ernst der Lage und das Ausmaß der Umweltbedrohung. Viele begreifen auch die Schuld der großen Konzerne und der Regierungen, die die Probleme schaffen oder sie nicht richtig angehen. Ziel dieses Aufsatzes ist es, auf dieser Übereinstimmung aufzubauen, um dadurch tiefer in die Diskussion einzusteigen. Ich stelle in diesem Aufsatz eine bestimmte These auf, zu diesem Zweck konzentriere ich mich auf zwei Schlüsselthemen - weltweite Erwärmung und GVOs.
Der Kern der These ist schnell vorgebracht. Meine These ist, das die Wurzel all der Bedrohungen, der Bedrohung der Umwelt, der Zukunft unseres Planeten und der Leute, die auf ihm leben müssen, am Kapitalismus selbst liegt. Ich werde darlegen, dass die Umweltbedrohungen, vor denen wir stehen, nicht einfach nur eine Verirrung sind, die leicht innerhalb des Kapitalismus geheilt werden kann. Vielmehr ergeben sie sich aus der ungehinderten Logik eines alternden, krisenhaften Systems, das auf Konkurrenz um Profit beruht. Das Motto "Die Welt ist keine Ware" ist in vielen antikapitalistischen Protesten des letzten Jahres bekannt geworden. Es bringt treffend auf den Punkt, wie sehr die Leute das ablehnen, was der Kapitalismus aus der Welt und allem was auf ihr ist macht, von den Menschen bis zur Umwelt.
Ich werde auch darlegen, dass der Marxismus und eine sozialistische Opposition die beste Grundlage für ein Verständnis der Umweltbedrohungen abgibt. Ich werde darlegen, dass die Zerstörung der Umwelt zur Logik aller Klassengesellschaften gehört, unter dem Kapitalismus aber ein neues und schreckliches Ausmaß erreicht. Und ich werde ausführen, dass sozialistische Opposition der Schlüssel zu jener Politik und zu jenen Kämpfen ist, die die Krise lösen können. Kurz gesagt, das beste Grün ist Rot.

Globale Erwärmung

Die weltweite Erwärmung ist heutzutage die schrecklichste Umweltbedrohung der Welt.
Das Ausmaß der Bedrohung ist nahezu weltweit anerkannt. Das größte jemals offiziell über den Klimawandel in Großbritannien erstellte Gutachten, das im Juni 2000 veröffentlicht worden ist, kommt zu dem Schluss: "Menschlich herbeigeführter Klimawandel droht sehr erhebliche Temperatur- und Niederschlagsverschiebungen zu verursachen sowie Extremwerte bei Wetter und Meeresspiegel. ... Die Folgen für Umwelt und Gesellschaft sind möglicherweise katastrophal ... [die Welt] steht vor einer radikalen, völlig neuartigen Herausforderung. Starke und wirksame Maßnahmen sind sofort zu ergreifen." #1
Das IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change - etwa: gemeinsamer Ausschuss der Regierungen zum Klimawandel), eine amtliche Körperschaft, der ungefähr 2500 Wissenschaftler aus der ganzen Welt angehören, hat systematisch die Befunde untersucht und eine Reihe von Berichten erstellt. Sie kommt zu dem nüchternen Ergebnis: "Per Saldo sprechen die Befunde dafür, dass es einen erkennbaren menschlichen Einfluss auf das Weltklima gibt." #2
Sogar der Club der wohlhabenden Industrieländer, die OECD, hat eine Reihe von Berichten erstellt, die vor der Gefahr der weltweiten Erwärmung als der "höchsten Herausforderung", vor der die Menschheit stehe, warnen. #3 Führende Politiker der großen Industrieländer der Welt sind sich ebenfalls über die Gefahr und die Notwendigkeit raschen Handelns einig. Al Gore, bis 2000 Vizepräsident der Vereinigten Staaten, hat ein Buch über dieses Thema geschrieben. #4 Großbritanniens stellvertretender Premierminister John Prescott legt dar, dass "nicht mehr darüber geforscht wird, ob, sondern darüber, wann" die weltweite Erwärmung dramatische Wirkungen entfalten wird. #5
Solche Einigkeit hat dazu geführt, dass die Regierungen der Welt sich zweimal zu enorm wichtigtuerischen internationalen Konferenzen versammelt haben, auf welchen sie Taten versprachen, zuerst in Rio de Janeiro auf dem Weltgipfel 1992 und dann in Japan auf der Klimakonferenz in Kioto 1997. Weder diese Zusammenkünfte noch die Politiker, die vor dem Klimawandel warnen, haben die zur Abwendung des Unglücks notwendigen Maßnahmen hervorgebracht. Aber bevor wir uns dem zuwenden, lohnt es sich, Hintergrund und Ursachen der Gefahr der weltweiten Erwärmung zu besprechen.
Es liegen beeindruckende Hinweise dafür vor, dass die weltweite Erwärmung bereits im Gange ist. Die durchschnittlichen Temperaturen der Erdoberfläche haben sich im 20. Jahrhundert um etwas ein Grad Celsius erhöht und die Meeresspiegel sind wegen der Wärmeausdehnung der Weltozeane um 10 cm bis 25 cm gestiegen. Zehn der wärmsten Jahre, seit es eine Aufzeichnung gibt, waren während der letzten 15 Jahre und 1998 war das wärmste Jahr, seit vor über einem Jahrhundert verlässliche Aufzeichnungen begannen. Befunde aus dem Inneren von Eismassen und von Baumaltersringen und andere Daten deuten darauf hin, dass die 90er Jahre weltweit vielleicht das wärmste Jahrzehnt der letzten 600 Jahre waren. #6
Die meisten WissenschaftlerInnen sagen voraus, dass wenn nicht drastische Maßnahmen ergriffen werden, die weltweite Erwärmung sich bald beschleunigen wird. Einigen Berichten zufolge könnten sich bis zum jetzigen Jahrtausendwechsel die Durchschnittstemperaturen der Welt um zwei Grad Celsius im Vergleich zu dem Basisjahr 1850 erhöht haben. Andere gehen sogar von acht Grad Celsius aus. Und diese Zahlen sind globale Durchschnittswerte, hinter denen sich ungleich größere Veränderungen an bestimmten Orten verbergen. #7 Die angesehene "Union of Concerned Scientists" (Vereinigung Besorgter Wissenschaftler) kommt zu dem Schluss, dass "in allen Szenarien die erwartete Erwärmung wahrscheinlich größer sein wird als jemals anlässlich ähnlicher Ereignisse während der letzten 10 000 Jahre." #8
Niemand weiß genau, was die Folgen einer solchen Erwärmung sein werden. Das Klima der Erde ist ein komplexes System - quantitativ kleine Veränderungen können plötzliche dramatische unvorhersehbare Auswirkungen haben -; deshalb sind Wettervorhersagen notorisch unzuverlässig, sobald sie mehr als ein paar Tage umfassen. Das Klima ist ein Beispiel für jene Art von Systemen, die innerhalb der von Wissenschaftlern so genannten Chaostheorie untersucht werden. #9 Diese daher dem Klima innewohnende Unsicherheit bezüglich der möglichen Wirkungen einer weltweiten Erwärmung macht die Gefahr nur noch bedrohlicher. Ungeachtet dieser Ungewissheit sind sich aber die WissenschaftlerInnen über Art und Ausmaß der dramatischen Veränderungen infolge einer weltweiten Erwärmung einig. Die "Union of Concerned Scientists" bringt die Aussichten auf den Punkt:

Es besteht die ernste Gefahr, dass sich das Klima in einer Weise verändern wird, die ernsthaft unser Leben stört. Zu den schlimmsten Auswirkungen gehören: Anstieg des Meeresspiegels, mehr Hitzewellen und Trockenheiten; häufiger ungewöhnliche Wetterereignisse, die Überschwemmungen und Zerstörung von Eigentum hervorbringen; und Tropenkrankheiten, die sich auf Gebiete ausdehnen werden, wo sie vorher nicht bekannt waren. Wenn wir nicht handeln, dann wird die weltweite Erwärmung unsere Gesundheit bedrohen, sowie Städte, Landwirtschaft, Wälder, Feuchtgebiete und andere natürliche Lebensräume. #10

Die gesellschaftlichen Folgen solcher Veränderungen könnten katastrophal sein. Städte und ganze Länder von Holland bis Bangladesch liefen Gefahr durch den steigenden Meeresspiegel überschwemmt zu werden. Ganze Bevölkerungen wären mit dem Untergang bedroht, wenn Krankheitsgebiete sich verschieben und damit tödliche Krankheiten in Gebiete gelangen, wo sie bis dahin unbekannt waren. #11 Die Schädigung der Landwirtschaft kann zu riesigen Hungersnöten und zu sozialen Unruhen führen. Die weltweite Erwärmung könnte paradoxerweise die starke Abkühlung einiger Gebiete und keine Erwärmung bewirken, so z. B. in Großbritannien, wenn der Golfstrom, der Nordwesteuropa erwärmt, gestört wird. #12 Solche Veränderungen würden mit Sicherheit für die Menschheit sehr großes Leid bringen, sie könnten gewaltige wirtschaftliche und gesellschaftliche Umwälzungen, weltweite politische Spannungen und die Gefahr großer und zerstörerischer Kriege hervorrufen. Alle Wirkungen der Erderwärmung zusammen genommen könnten sogar den Fortbestand unserer Zivilisation in Frage stellen.
Viele Kommentatoren belegen die weltweite Erwärmung mit den außergewöhnlichen Vorfällen beim Wetter in den letzten Jahren - von den Stürmen und Überschwemmungen in Orissa in Indien bis zum Hurrikan Mitch in Mittelamerika, oder die großflächigen ungewöhnlichen Wetterbedingungen, die mit dem Wechsel der Strömungen im pazifischen Ozean zu "El Niño" 1997/1998 einhergingen. Ob diese Ereignisse die Folge einer weltweiten Erderwärmung sind oder nur Teil eines natürlichen Wechsels im Weltklima ist zur Zeit noch nicht zu sagen. Sicher ist aber, dass sie eine kleine Vorausschau auf das gewähren, was immer häufiger und schrecklicher geschehen wird, wenn nichts unternommen wird, um die weltweite Erderwärmung zu stoppen.
Wahrscheinlich wird sich das Weltklima auch in Zukunft auch ohne menschliches Zutun auf völlig natürliche Art bisweilen stärker verändern, dies hat es ja auch schon in der Vergangenheit getan. Diese Veränderungen werden dann hoffentlich nicht so rasch erfolgen wie die derzeit drohende Klimaveränderung. Was an den von Menschen hervorgerufenen Veränderungen im Unterschied zu den natürlichen Veränderungen so Angst macht, ist ihre - in geologischen Zeitabläufen betrachtet - hohe Geschwindigkeit. Wir können hoffen, dass, wenn in Zukunft ernstzunehmende natürliche Klimaveränderungen geschehen, wir bis dahin über genügend Wissen verfügen und die Gesellschaft so organisiert haben werden, dass wir eine solche Veränderung beeinflussen oder uns daran anpassen werden können. Heutzutage drohen aber solche dramatischen Veränderungen nicht von der Natur, sondern vom Kapitalismus, der auch die erforderlichen Gegenmaßnahmen verhindert.
Eine Minderheit von Wissenschaftlern stellt die von mir geschilderte einhellige Meinung über die Erderwärmung in Frage. Sie benutzen Unsicherheiten, ob die weltweite Erwärmung bereits Wirkung zeigt, und echte Schwierigkeiten mit den Klimaprognosemodellen, um zu behaupten, dass man noch nicht auf eine reale Bedrohung schließen könne. #13 Man schöpft freilich ein wenig Verdacht, wenn man entdeckt, dass es zwischen einigen dieser Wissenschaftler und Teilen der Großindustrie, die sich am hartnäckigsten Maßnahmen zur weltweiten Erderwärmung widersetzen, Verbindungen gibt. Über einige dieser Zweifler stellte der "New Scientist" fest: "Sie haben sich auch einige gutbezahlte Lehraufträge und Beraterverträge bei Konzernen, z. B. Bergbaukonzernen, gesichert, die ängstlich darum bemüht sind, internationale Bemühungen zur Kontrolle von Treibhausgasen zu hintertreiben." #14
Gleiches gilt für scheinbar unabhängige Körperschaften, die Berichte herstellen, die wissenschaftlich klingen und die die einhellige Meinung einer wirklichen weltweiten Erwärmung in Frage stellen. Ein Beispiel ist das Globale Klimainformationsprojekt (Global Climate Information Project). Der Name klingt unabhängig genug, nur dass diese Einrichtung von Körperschaften wie die Amerikanische Autoherstellervereinigung, das Amerikanische Eisen- und Stahlinstitut und die Amerikanischen Fuhrverbände unterstützt wird. #15
Natürlich brauchen wir ordentliche und strenge wissenschaftliche Auseinandersetzungen über die tatsächlich bestehenden Unsicherheiten in unserem Verständnis des Weltklimas und der Erderwärmung. Aber wenn die überwältigende Mehrheit der Klimaforscher in aller Welt die These vertreten, dass überzeugende Befunde vorliegen, dann wäre es falsch die Ansicht nicht zur Kenntnis zu nehmen. Abwarten und Nichtstun, bis sich die Unsicherheiten aufgeklärt haben, führt ins Unglück. Bis dahin könnten schon unumkehrbare Klimaveränderungen eingetreten sein. Es gibt nur eine vernünftige Haltung angesichts der vorliegenden Befunde: die ernste Gefahr begreifen und Maßnahmen gegen sie einleiten und durchführen - und gleichzeitig ordentliche wissenschaftliche Untersuchungen und Auseinandersetzungen weiterführen.
Es gibt nicht nur über die Erderwärmung eine breite Übereinstimmung, sondern auch über die Ursache - der Ausstoß von sogenannten Treibhausgasen in die Atmosphäre infolge menschlicher Aktivität.
Das Klima der Erde und alles Leben auf der Erde hängt von der Energie, die von der Sonne kommt, ab. Eine wichtige Eigenschaft der Erdatmosphäre ist, dass die Gase, aus denen sie sich zusammensetzt, die Sonnenenergie bis zur Erdoberfläche durchlassen, aber dann verhindern, dass diese Energie reflektiert und in das Weltall zurückstrahlt. Diese Gase führen ähnlich wie das Glas bei einem Glashaus zu einer höheren Temperatur auf der Erdoberfläche - daher ihr Name. Ohne diesen "Treibhauseffekt" wäre das Leben auf der Erde ganz anders und es ist sehr unwahrscheinlich, dass Menschen dann existieren könnten, da die Erdoberfläche etwa 30 Grad kälter wäre. #16
Der französische Physiker Jean Fourier hat zuerst vor über 170 Jahren den Treibhauseffekt theoretisch erklärt. Heute wissen wir, dass verschiedene Gase zu dem Effekt beitragen. Die wichtigsten sind Wasserdampf, Kohlendioxid (CO2), Methan, Stickstoffoxid (NOx), Chlorfluornitrate (CFN) und ähnliche Gase mit Namen wie FCKW (Fluorchlorkohlenwasserstoffe) und FKW (Fluorierte Kohlenwasserstoffe). Die weltweite Erwärmung droht, weil bei all diesen Gasen die Emissionen zunehmen, mit Ausnahme des Wasserdampfes. Das mit Abstand wichtigste Treibhausgas ist Kohlendioxid, das Wissenschaftler für etwa zwei Drittel der weltweiten Erwärmung verantwortlich machen. #17
Der CO2-Gehalt in der Erdatmosphäre hat aus einem einfachen Grund zugenommen: Energiegewinnung aus fossilen Brennstoffen. Eine solche Entwicklung mit der damit einhergehenden Wirkung auf das Klima wurde schon vor langer Zeit vorausgesehen. Der schwedische Wissenschaftler Svante Arrhenius warnte bereits 1896, dass eine Industrialisierung, die auf fossilen Brennstoffen basiert, die Konzentration von Gasen wie CO2 in der Atmosphäre erhöhen und einen Klimawandel auslösen könnte. #18 Seit der industriellen Revolution hat sich die Konzentration in der Atmosphäre von CO2 um dreißig Prozent erhöht, bei Methan verdoppelt und bei NOx ist die Konzentration um 15 % angestiegen. #19 Schon in den 40er Jahren des 20. Jahrhunderts befürchteten Wissenschaftler, dass Arrhenius" Sorgen wahr werden könnten, und in den 70er Jahren war für die meisten Wissenschaftler daraus Gewissheit geworden. Diese Sorge weitete sich während der letzten Jahrzehnte zu einer breiten öffentlichen Besorgnis aus und gab den Anlass für eine Reihe staatlicher Maßnahmen. 1979 fand die Erste Weltklimakonferenz statt und 1988 wurde das IPCC gegründet, von hier aus führte die Entwicklung zu den Konferenzen 1992 in Rio und 1997 in Kioto. #20
Über die wahre Ursache des Problems wird eigentlich gar nicht gestritten: es ist der steigende Ausstoß an CO2-Gasen einer Wirtschaft, die auf die Verheizung von fossilen Brennstoffen und auf die darauf beruhenden Erzeugnisse festgelegt ist. Sogar die OECD (Organisation for Economic Development and Cooperation, Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) kommt zu dem Schluss, dass "die Verbrennung fossiler Brennstoffe über 90 % allen anthropogenischen [von Menschen verursachten] CO2-Ausstoßes ausmacht und dies ist die Hauptquelle aller Treibhausgasemissionen." #21
Die Lage ist klar. Die großen Volkswirtschaften der Welt hängen von der Verbrennung fossiler Brennstoffe und den darauf beruhenden Erzeugnissen ab, sie drohen so das Weltklima aus dem Gleichgewicht zu bringen mit möglicherweise katastrophalen weltweiten Folgen. Wie konnte es soweit kommen und was kann dagegen getan werden?

Kern des Problems - die fossilen Brennstoffkonzerne

Die den Wirtschaftszweig der fossilen Energieträger beherrschenden Konzerne gehören zu den größten der Welt und werden von Regierungen unterstützt, die es als ihre Aufgabe ansehen, diesen Konzerninteressen zu dienen. Um Profite, Reichtum und Macht zu erhalten, hängen diese Konzerne davon ab, dass Gesellschaft und Produktion so organisiert sind. Den Kern des Problems stellen die Öl-, Kohle und Gaskonzerne dar, sowie die Auto-, Straßenbau-, und die Gummiindustrie und die zugehörigen Wirtschaftszweige. Diese Wirtschaftszweige machen den Kern des heutigen Kapitalismus aus. So kommt eine Studie [von Winfried Wolf] zu dem Schluss: "Die Volkswirtschaften der führenden westlichen Industrieländer sind heute zu einem großen Teil durch die Auto-, Öl- und Öl weiterverarbeitenden Industriezweige bestimmt ... Die Unternehmensstruktur [West-]Deutschlands, der mächtigsten Volkswirtschaft Europas, sieht so aus, dass von den 12 größten Konzernen rund 60 % zur ‚Autogesellschaft" gehören. In Frankreich und Großbritannien sieht es ähnlich aus ... [insgesamt entfallen aus diese Industrien] zwei Drittel der wirtschaftlichen Ressourcen der kapitalistischen Wirtschaft". #24 Die gleiche Untersuchung kommt zu dem Schluss, dass die Welt heute ‚eine ökologische Krise" erlebt, ‚die in großem Maße unmittelar das Produkt der Autogesellschaft ist'. #25
Die Konzerne der fossilen Energieträger haben im ganzen 20. Jahrhundert daran gearbeitet, ein politisches, ökonomisches und gesellschaftliches Umfeld zu schaffen, das auf ihre Produkte angewiesen ist - so haben sie ihre Märkte und Profite aufgebläht. Deshalb, und nicht wegen irgend welcher Konsumentenentscheidungen, ist die Welt auf eine von fossilen Energieträgern abhängige Wirtschaft angewiesen. Ein Bericht des US-Senats von 1974 zeigt, wie zynisch die Konzerne vorgingen, um diese Lage herbeizuführen. In dem Bericht ist aufgeführt, wie General Motors, unterstützt von dem Ölkonzern Standard Oil of California und der Reifenfabrik Firestone, systematisch in 45 US-Städten elektrische Schienenbahnen, Straßenbahnen und Oberleitungsbussysteme zerstört hat. Das Bündnis aus Auto-, Öl- und Reifenkonzernen riss im wahrsten Sinne des Wortes die Schienen aus dem Boden, um die Menschen auf die Straße zu zwingen und von den Konzernprodukten abhängig zu machen. Der Senatsbericht stellt dar, wie dies in Los Angeles durchgeführt wurde:

1949 übernahmen General Motors, Standard Oil und Firestone aktiv die Leitung der Pacific City Lines [die elektrische Schienenbahngesellschaft]... Genau in diesem Jahr begann die PCL Teile des elektrifizierten Verkehrssystems von Pacific, insgesamt 100 Millionen Dollar wert, zu übernehmen und dann zu verschrotten, einschließlich von Schienenstrecken von Los Angeles nach Glendale, Burbank, Pasadena und San Bernardino. Anschließend wurde eine weitere Filiale von General Motors und Standard Oil finanziert, um die Innenstadt von Los Angeles auf Autoverkehr umzustellen. [Diese Gesellschaft] verschrottete ihre Straßenbahnen, riss ihre Stromleitungen nieder und die Schienen aus dem Boden. Kurz, General Motors und seine Verbündeten aus der Autoindustrie schädigten die örtlichen Schienenverbindungen von Los Angeles und stellten dann die Stadtmitte auf Autos um. #26

Die unheilige Allianz von General Motors, Standard und Firestone wurde 1949 der kriminellen Verschwörung überführt. Doch das Strafmaß zeigt, dass selbst angesichts solcher Verbrechen Regierungen sich weigern, gegen die Großindustrie vorzugehen - General Motors musste 5000 $ Strafe zahlen und der Schatzmeister von General Motors lachhaften einen Dollar. #27 Ähnliches geschieht zur Zeit in den ehemaligen stalinistischen Staaten von Osteuropa beim Übergang zum Markt und bei der "Liberalisierung"; systematisch wird der öffentliche Verkehr abgebaut, um sicher zu stellen, dass die Auto-, Öl- und Gummikonzerne freie Bahn haben. #28

Sogar einige Politiker, die ihre Karriere ihrem Einsatz für die Interessen der Großindustrie verdanken, haben begriffen, dass für die Gefahren für das Weltklima die fossilen Brennstoffgiganten verantwortlich sind. Auf der Kioto-Klimakonferenz 1997 legte John Selwyn Gummer, britischer Politiker von den Konservativen und ehemaliger Minister, eine Liste der Hauptverantwortlichen für die Gefährdung des Weltklimas vor.
Angeführt wurde die Liste von der Globalen Klimakoalition, eine Einrichtung, auf die ich später zurückkommen werde. Der zweite Platz ging an den Ölmulti Exxon, dritter war der Energiekonzern Tokyo Electric, anschließend kamen die Autofirmen Ford, Chrysler und General Motors, gefolgt von dem Ölgiganten Shell. #29 Ob die Reihenfolge von Gummers Liste genau stimmt, ist dabei unerheblich. Es ist klar, um was für eine Art von Schuldigen es sich hier handelt. David Cromwell arbeitete früher als Forscher bei Shell, bevor er wechselte und als Wissenschaftler den politischen Kampf gegen die globale Erwärmung aufnahm. Dank seiner internen Kenntnisse kam er zu dem einfachen Schluss, dass "mächtige Konzerninteressen uns in das Verderben führen". #30
Die Grundlage für die Macht und den Reichtum jener "Konzerninteressen" bildet die jetzige Organisationsstruktur der Produktion. Wer daran ernsthaft etwas ändern will, stößt auf den Widerstand derjenigen, die im Zentrum dieser Interessen stehen. Wer daran zweifelt, sollte dem erschreckenden Bericht des Umweltkämpfers George Monbiot über eine Debatte bei der "Society of Motor Manufacturers and Traders" (SMMT, Gesellschaft der Motorhersteller und Motorhändler) zuhören:

Der SMMT-Stab innerhalb der Zuhörerschaft konnte gerade noch mit einer Diskussion über Verkehrsstaus und örtliche Verschmutzung etwas anfangen, aber als ich das Thema Rohstoffverbrauch und Erderwärmung aufbrachte, brachen sie in anhaltendes Gelächter aus. Ich glaube, sie fanden diese Begriffe deshalb so komisch, weil sie ihrer Welt derartig fern standen, jeder, der auch nur auf die Idee kam, sie könnten ähnlich wichtig sein wie das Wachstum ihres Wirtschaftszweiges, musste sich entweder einen Scherz erlaubt oder aber den Verstand verloren haben. #31

Einen Einblick, wie die "Konzerninteressen" arbeiten, um ernsthafte Veränderungen abzublocken, kann von jener Körperschaft gewonnen werden, die John Selwyn Gummer als eine der Hauptschuldigen anführt: die Globale Klimakoalition. Diese wurde 1989 von einer Bande von fossilen Brennstoffkonzernen gegründet, darunter Shell, Texaco und Ford. Diese hat Millionen für die Herstellung von Unterlagen ausgegeben, die die Tatsache, dass die Erderwärmung wirklich statt findet und dass die Verbrennung fossiler Brennstoffe eine der Hauptursachen ist, in Zweifel ziehen soll. Sie hat auch Überstunden geleistet, um sicher zu stellen, dass sich die Politiker den hinter ihr stehenden Konzerninteressen beugen. Im Nachlauf zur Kioto-Klimakonferenz gab die Globale Klimakoalition 13 Mio. $ für eine Anzeigenkampagne gegen Maßnahmen zur Klimaveränderung aus. Sie gab je 50 Mio. $ an die demokratische und republikanische Partei, um so das Weiße Haus, den US-Kongress und den Senat leichter hinter ihr Vorhaben zu bringen. #32 Dies macht es leichter erklärlich, weshalb Al Gore schon lange sein eigenes Buch vergessen hat, in dem er noch warnend Maßnahmen zur Klimaveränderung für nötig hielt. Sein nachlassender Eifer gegenüber der drohenden Klimaerwärmung könnte auch mit den Eigentumsanteilen im Wert von 500 000 $ zusammenhängen, die er an der Ölfirma Occidental besitzt. #33
Falls jemand noch Zweifel hatte, so wurden diese durch eine Erklärung der Koalition auf der Kiotokonferenz ausgeräumt. Der Sprecher war John Grasser, damals Vizepräsident der US-nationalen Bergbauvereinigung. Ziel der Koalition sei es, beteuerte er, "zu verhindern, dass irgend welche Zahlen, Zielvorgaben oder Zeitpläne zu einer Verminderung der Gasemissionen führen". Und eiskalt antwortete er auf den Vorwurf von John Selwyn Gummer, dass die Globale Klimakoalition die Liste der Klimabedroher anführte: "Dies sehen wir als eine Ehre an. Es zeigt, dass wir eine wirksamen Lobbyarbeit machen". #34
Im Lichte solcher Redensarten hat Denis Hayes, der Vorsitzende der Umweltinitiative Earth Day Network (Netzwerk Tag der Erde), völlig recht, wenn er sagt, dass "weltweit die Kohlebergbauindustrie und die meisten Ölgesellschaften und Elektrizitätswerke der Welt versucht haben," Maßnahmen zu Treibhausgasemissionen "zu verwirren, zu beeinflussen, abzulenken oder zu hintertreiben."

Der Planet wird verheizt.

Einige der Konzerne haben in den letzten Jahren versucht, den Kurs zu wechseln, unter anderem als Antwort auf die wachsenden Sorgen der Öffentlichkeit. Shell, BP und Ford haben sich von der Globalen Klimakoalition zurückgezogen und sich dem umweltfreundlicher klingenden "Business Environmental Leadership Council" (Wirtschaftsrat zur umweltpolitischen Führung) angeschlossen. #36 Sicherlich spiegelt sich diese Maßnahme auch in einem anderen Stil wider. Fords leitender Direktor Bill Ford Junior sagt, er wolle seine Firma "grün" machen und "über die äußerst drängende Umweltkrise die Wahrheit sagen". Er zeigte sogar seine Fürsorge, indem er sich als eifriger Umweltschützer zu erkennen gab, der gerne wandert und der mit einigen Fordarbeitern einen Fluss sauber gemacht hatte. C. A. J. Herkstreter, der Vorsitzende des geschäftsführenden Direktoriums von Shell, sagt, dass mit der Klimaveränderung "die Gesellschaft womöglich vor dem Umweltthema stehe, das am meisten ernst zu nehmen und am schwersten zu meistern sei".
Solche Worte sind vielleicht auf persönlicher Ebene ernst gemeint oder auch nicht, und nach allem was ich weiß mag Bill Ford Jr. tatsächlich Naturliebhaber und Wandervogel sein. Aber diese Leute haben in ihrem Leben einen übergeordneten Grundsatz: Maximierung der Profite des Konzerns, dem sie vorstehen. Dieser Grundsatz bedeutet, wie bei dem altgedienten Umweltschützer Al Gore, dass ihre Taten im Widerspruch zu ihren grünen Worten stehen. Bill Ford Jr. sagt, dass Klimaveränderung "unsere drängendste Umweltkrise" sei, um gleich darauf zu betonen, dass es keine "radikalen Änderungen" in der Konzernpolitik geben werde. Die Firma Ford räumt selbst ein, dass sie "wenig" zum Ziel eines geringeren Ausstoßes an Treibhausgasen beiträgt. #37
Dies wird am besten an BP sichtbar, jenem Konzern, der am meisten seinen Stil verändert hat. Im Juli 2000 enthüllte BP einen großen Namenswechsel als bewusster Versuch, die Firma "grün" zu machen. Von jetzt ab hieße es: "BP - beyond Petroleum [jenseits vom Öl]". Die Firma BP sagt, dass sie in erneuerbare Energie investiert und zeigt Ehrgeiz, zum weltgrößten Erzeuger von Sonnenenergie zu werden. Das neue Firmenzeichen der Firma, ein grünumrandeter Sonnensstrahl, könnte unmittelbar von einer Umweltinitiative stammen.
BPs leitender Direktor Sir John Browne ist bei weitem der "grünste" der fossilen Brennstoffbarone und hat keine Mühen gescheut diesen Ruf zu pflegen. Er vertritt die These, dass "es nicht weise wäre und möglicherweise gefährlich, die zunehmenden Sorgen" über die Klimaerwärmung "nicht zu beachten". #38 Browne hielt auch eine der diesjährigen Reith-Vorlesungen der BBC - über ein Umweltthema - zusammen mit Prinz Charles und der Umweltschützerin Vandana Shiva. #39
Aber BPs schöne Worte und das neue Firmenzeichen können nicht die rücksichtslose Ausdehnung der Geschäfte verstecken, bei der immer mehr Öl und Gas produziert und verkauft wird, deren Verbrennung dann die Erde aufwärmt. So ist BP nun trotz des neuen Logos und dem Gerede von "jenseits vom Öl" der weltgrößte Einzelverkäufer von Öl nach einer Reihe von Fusionen und Erwerbungen, die insgesamt 120 Mrd. $ wert waren. Und die Daten ergeben ein ganz anderes Bild als das, was von BP behauptet wird, wonach BP sich der sauberen erneuerbaren Energie zuwende. Die Firma gibt 7 Mio. $ aus um ihr neues Image zu verbreiten - und legt jährlich 100 Mio. $ beiseite, um es weiter zu emtwickeln. Roy Gueterbock, ein Klimafachmann bei Greenpeace macht deutlich: "Sie geben dieses Jahr mehr für das Logo aus als letztes Jahr für erneuerbare Energie. Angesichts der Tatsache, dass sie jährlich 8 Mrd. $ für die Ölsuche ausgeben, steht BP weniger für "Beyond Petroleum" als für "Burning the Planet" [Brennstoff Planet]". BP gibt selber zu, dass Sonnenenergie "ein derartig kleiner Teil unseres Geschäftes ist, dass wir es statistisch nicht erfassen". Inzwischen hat sich BP auf eine Ausdehnung seines Öl- und Gassuchprogramms um 40 % verpflichtet, einschließlich einer größeren Ausdehnung in Naturschutzgebiete hinein in der störungsempfindlichen Umwelt von Alaska. #40
Am selben Tag als BP sein neues "grünes" Image enthüllte, wurde BP zu einer Strafe von 10 Mio. $ vom US-Umweltschutzamt verurteilt, weil BP bei seinen US-Raffinerien gegen Luftreinhaltegesetze verstoßen hatte. Und die schönen Umweltschutzreden verbergen das wahre Ziel der Neubenennung, das Sir John Browne den Geldmärkten bekannt gab: "Alles um höhere Umsätze und Gewinnmargen zu erzielen und Kosten zu kappen". #41
Möglicherweise führt die Bedrohung der Erderwärmung in Verbindung mit Druck der Bevölkerung und mit Regierungsmaßnahmen zu ein paar Änderungen im Verhalten der fossilen Brennstoffkonzerne. Aber alle soweit vorliegenden Befunde deuten darauf hin, dass sie sich im besten Falle passiv verweigern und sich der erforderlichen Änderungen hinsichtlich Geschwindigkeit und Umfang der Maßnahmen widersetzen werden. Während all diese Konzerne über Investitionen in erneuerbare Energien reden und vielleicht in beschränktem Umfang auch mal tatsächlich investieren, beharren sie doch weiter darauf, ihren fossilen Brennstofferzeugnissen neue Märkte zu erschließen. Praktisch alle großen Weltautokonzerne breiten sich rasch in China aus, oft in der Form von Joint Ventures mit chinesischen staatskapitalistischen Autoherstellern. Die "Financial Times" schreibt von "der Begeisterung der internationalen Autofirmen über den chinesischen Markt". Sie stellt außerdem fest: "Die Schlacht um Indiens Autofahrer hat begonnen... .Eine Reihe ausländischer Autohersteller hat Joint Ventures mit indischen Partnern gebildet oder erweitert, um auf dem dortigen Markt Fuß zu fassen". #42
Kapitalistische Konzerne die sie sind, mit Profit im Blick, mögen einige dieser Firmen zum Entschluss kommen, dass Geld damit verdient werden kann, indem man Energietechniken und ?erzeugnisse entwickelt, die auf sauberen, erneuerbaren, nicht zur Erderwärmung beitragenden Rohstoffen beruhen. Aber es wäre dumm, sich darauf zu verlassen, dass die Profitlogik und die Unwägbarkeiten des Marktes irgendwie den Kern der Weltwirtschaft rechtzeitig so umgestalteten, dass es zu keinem Unglück kommt.
Der Druck dieser Konzerne auf die Regierungen ist gewaltig und wirkungsvoll. Die fossilen Brennstoffgiganten bilden der Kern der herrschenden Klasse der Welt. Für viele Politiker aus den Regierungen der Welt bedarf es wenig Ermunterung um allgemein im Interesse der Großindustrie und besonders im Interesse der fossilen Brennstoffgiganten Politik zu machen. Diese Politiker und ihre Parteien haben die gleiche Weltsicht - geschäftsfreundlich, marktfreundlich, profitfreundlich - wie die Konzerne. Instinktiv handeln sie auf der Linie der Konzerninteressen.
Damit diese instinktive Solidarität auch fest hält, ölen die fossilen Brennstoffgiganten die Räder der Politik großzügig. Das Weiße Haus eines Clinton und Gore in den USA hat mindestens 12 Mio. $ an Wahlspenden unmittelbar von den fossilen Energiekonzernen erhalten. Es wird geschätzt, dass die Öl-, Gas, Kohle- und Elektrizitätswerkgesellschaften zwischen 1992 und 1998 ungefähr 63,4 Mio. $ den beiden Parteien gespendet haben. Den Politikern im US-Kongress und Senat, die sich im Widerstand gegen Maßnahmen zur Klimaveränderung besonders hervor getan haben, wurde bei ihren Bemühungen großzügig von den fossilen Energiebaronen Hilfestellung geleistet. Zu nennen sind hier die Abgeordneten McIntosh, Knollenberg und Barton, die jeweils 159 557 $, 75 390 $ und 251 921 $ in dem Jahr vor der Kiotokonferenz erhalten haben. Die Senatoren Byrd und Hagel steckten im gleichen Jahr jeweils 199 700 $ und 148 000 $ von Firmen aus dem Umfeld der fossilen Energieträger ein. Die Gesinnung, die solches Geld garantiert, wird von Brent Blackwelder von den "Freunden der Erde" der USA auf den Punkt gebracht: "Diese Leute haben vor, jede Bemühung die globale Erderwärmung in den Griff zu gekommen, zunichte zu machen, weil sie meinen, dass es ein Versuch sei, die industrielle Zivilisation zu zerstören." Wie drückt es Daphne Wysham vom Washingtoner Institut für politische Studien aus? "Für solche Leute ist das Thema Klimaveränderung so was wie ein neuer Kommunismus". #43
Das Ergebnis des Druckes der Großindustrie und der fossilen Energieträgerlobby zeigt sich in den USA an der erschreckenden Bilanz zum Klimawandel. Bei den folgenden Daten muss man sich folgenden Richtwert merken: Die meisten Wissenschaftler, etwa von der IPCC-Institution zur Klimaveränderung und die hervorragende und angesehene Britische Königliche Kommission vertreten den Standpunkt, dass der CO2-Ausstoß in den nächsten 15 bis 20 Jahren um rund 60 % vermindert werden muss, soll eine schwerwiegende Klimaveränderung abgewendet werden. #44
Man vergleiche das mit dem bisher tatsächlich Erreichten! Nach längerem Sträuben gelobten die USA auf dem Rio-Erdgipfel 1992, ihren Ausstoß an CO2 bis zum Jahr 2000 auf dem Niveau von 1990 einzufrieren, nicht etwa zu senken. Nicht einmal diese armselige Vorgabe konnte eingehalten werden. Im Vorfeld der Kiotokonferenz 1997 gaben die USA zu, dass ihr Ausstoß sich tatsächlich um 11 % seit 1990 vergrößert hatte und dass sie auf dem Wege waren, diesen Ausstoß bis zum Jahr 2000 um 14 % zu erhöhen. #45 In den Industriestaaten der OECD zusammengenommen sank der Ausstoß nicht etwa, sondern stieg insgesamt um ganze vier Prozent zwischen 1990 und 1996. #46
Nach vielem Hin und Her kam es endlich auf der Kiotokonferenz 1997 zu einer neuen Runde von Festlegungen. Aber drei Jahre später ist die Kiotovereinbarung immer noch nicht in Kraft, da sie von nicht genügend vielen Staaten ratifiziert worden ist. Die USA erklärten sich schließlich in Kioto bereit, bis zum Zeitraum 2008 bis 2012 ihren Ausstoß um sieben Prozent unter das Niveau von 1990 zu vermindern. Sogar das ist schlimmer als es scheinen mag, wie die US-Regierung selber freundlicherweise erklärt: "Das Ziel einer Verminderung von sieben Prozent bedeutet in Wirklichkeit höchstens eine Verminderung von drei Prozent... die verbleibenden vier Prozentpunkte ergeben sich von bestimmten Änderungen [die die USA in Kioto erreicht haben] bei der Berechnung von Gasen und Abwässern und spiegeln keine erhöhten Anstrengungen wider". #47 Sogar ein solches lahmes Versprechen ist, scherzhaft ausgedrückt, nur heiße Luft, da die USA tatsächlich der Kiotovereinbarung gar nicht beitreten werden. Im Juni 1997 verabschiedete der Senat einstimmig - 95 Stimmen gegen null - die Resolution Byrd-Hagel, die von zwei Senatoren unterstützt wurde, von denen oben bereits erwähnt wurde, dass sie von den fossilen Energiefirmen gut bezahlt werden. Dieses unglaubliche Stück von Gesetzgebung verbietet den USA jede Zustimmung zum Abkommen von Kioto oder zu irgend einem anderen internationalen Klimaabkommen. #48 Zum Vorwand wurde darauf bestanden, dass solange nicht Entwicklungsländer wie China sich bereit erklärten, ihren Ausstoß einzuschränken, dies die USA ebenfalls nicht täten. Dies ist der unverschämte Versuch des größten Verbrechers aus der Nachbarschaft, die Schuld einem kleinen Dieb anzuhängen. Die USA mit nur vier Prozent der Weltbevölkerung ist für ein Viertel allen CO2-Ausstoßes verantwortlich. Sie emittieren acht mal so viel CO2 je Kopf wie China. Gegner von Maßnahmen zur Klimaveränderung bringen auch das Argument, dass Ausstoßverminderungen in den USA Arbeitsplätze kosteten, und versuchen mit diesem Argument von einigen Gewerkschaften Unterstützung zu erhalten. Auch das ist schamlose Heuchelei. In den vier Jahren vor der Kioto-Klimakonferenz haben die Firmen, die der Globalen Klimakoalition angehören, 84 000 Arbeiter in den USA gefeuert, während ihre Profite um 117 % zunahmen. #49 Es ist eine einfache Tatsache, dass es ohne ernsthafte Kürzungen beim Ausstoßniveau der USA wenig Aussichten dafür gibt, dass man der Bedrohung einer weltweiten Erwärmung beikommen kann.
Passend zur ihrer Verweigerung von Maßnahmen fährt die US-Regierung fort, unmäßige Mengen an Subventionen in die fossile Energiewirtschaft zu pumpen und hilft so sicherzustellen, dass die Bevölkerung von den Produkten abhängig bleibt, auf denen der Reichtum der fossilen Energiekonzerne beruht. Die USA subventioniert die fossile Energiewirtschaft unmittelbar mit etwa 18 Mrd. $ jährlich, dabei sind Steuererleichterungen und militärische Hilfestellungen für Operationen außerhalb der USA nicht eingezählt. #50 Auf jeden Dollar, den der Staat dem öffentlichen Verkehr gibt, kommen sieben Dollar für das Auto. Das gleiche gilt auch im Weltmaßstab, wo unmittelbare staatliche Subventionen an die fossile Energie- und an die Atomindustrie in den letzten zwanzig Jahren nach einer Schätzung eines Berichts der Vereinten Nationen auf sage und schreibe 300 Mrd. $ aufgelaufen sind. #51
Sogar in den Ländern, die dem Kiotoabkommen beitreten wollen, sind die geplanten Kürzungen unzureichend und es gibt so viele Schlupflöcher in dem Vertrag, dass es für echte Maßnahmen wenig Garantie gibt. Matthew Spencer von Greenpeace rechnete aus, dass diese Schlupflöcher dazu führen könnten, dass der weltweite CO2-Ausstoß tatsächlich um bis zu 15 % bis 2010 ansteigt. #52 Zu den Schlupflöchern gehören Pläne für einen "Emissionshandel", dafür soll ein Weltmarkt für Genehmigungen für CO2-Emissionen eingerichtet werden. Sieht man von dem Wahnsinn ab, die Zukunft des Weltklimas den Händen von Finanziers anzuvertrauen, die auf die Preise dieser Genehmigungen spekulieren, so ist der Plan so wage, dass einige Kommentatoren glauben, er könnte alle mögliche Arten von Scheingeschäften zulassen, die den Ländern erlauben, ihren Ausstoß zu erhöhen. #53 Doch tatsächlich richtet sich das Hauptaugenmerk heutiger Diskussionen zur Klimaveränderung auf Emissionshandel, nicht etwa auf Emissionseinschränkung.
Daphne Wysham weist darauf hin, dass Klimakonferenzen "inzwischen Handelsmessen ähneln, auf welchen die Teilnehmer miteinander um ein gewinnbringendes Stück eines aufstrebenden Marktes rangeln, statt sich darauf zu konzentrieren, wie man die weltweite Erwärmung verhindern könnte." #54 TransAlta, eine große kanadische Energiefirma, macht deutlich, zu welchem Wahnsinn dies führen kann. Im März diesen Jahres kündigte diese Firma an, sie beabsichtige nicht etwa ihren eigenen CO2-Ausstoßes zu mindern, sondern in Uganda Kühe mit einem besonderen Nahrungszusatz zu füttern, so dass deren Methanemissionen zurückgingen. Im Kapitalismus ist es besser, die Kühe am Furzen zu hindern, als die Verbrennung von fossilen Brennstoffen anzugehen und die dadurch verursachten Gasemissionen. #55
Andere wichtige Schlupflöcher bestehen darin, dass Treibhausgasemissionen von Flugzeugen und von Transportmitteln aus allen Zielvorgaben der Kiotovereinbarung ausgeklammert sind. Das macht schon einmal fünf Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes aus, und der Ausstoß von Flugzeugen ist die Quelle von Treibhausgasen, die am schnellsten wächst. #56
Einige Länder, besonders Großbritannien und Deutschland, behaupten, dass sie bei der Verminderung von Emissionen weltführend seien, und dass sie weitere echte Ausstoßkürzungen planen. New Labour, die Regierung von Großbritannien, sagt, dass sie mehr tun werde als die in Kioto zugesagte Kürzung von 12,5 % gegenüber dem Niveau von 1990, und dass sie den Ausstoß um 20 % bis 2010 vermindern werde. Deutschland verspricht eine Kürzung um 25 % bis 2005. Aber das ist Augenwischerei. So weist der Bericht der "Britischen Königlichen Kommission" zur Umweltverschmutzung darauf hin, dass sowohl in Großbritannien als auch in Deutschland die Absenkungen einmalig wirkenden Ursachen geschuldet sind: in Großbritannien ist dies das absichtliche Zurückfahren des Kohlebergbaus unter den Konservativen und der "Gaswahn" bei den Tankstellen (auch Gas produziert Treibhausemissionen, aber etwas weniger als Kohle), und in Deutschland ist es die umfangreiche Stilllegung von Industriebetrieben in Ostdeutschland nach der Wiedervereinigung. Grundsätzlich ist die Emissionslage in den beiden Ländern alles andere als rosig.
Die Britische Königliche Kommission stellt warnend fest, dass sogar die für Großbritannien genannte Zahl einer Kürzung um 20 % nicht von der derzeitig laufenden Regierungspolitik erreicht werden wird, und stellt fest, dass "es dann eine Art Loch im staatlichen Programm zum Klimawandel geben wird." Und sie bemerkt sarkastisch: "...wir vermuten, dass deshalb ...[die Regierung] von einer ‚Bewegung zu" dem nationalen Ziel einer Verminderung von 20 % spricht". #57 Die Kommission selber besteht darauf, dass als Beginn einer Lösung für das Problem innerhalb der nächsten 20 Jahre mindestens eine 60-prozentige Kürzung des Ausstoßes notwendig ist. Doch der Umweltminister von New Labour Michael Meacher weist solche Aussagen als "keine realistische Politik" zurück. #58
Für New Labour bedeutet realistische Politik Zugeständnisse an die Großindustrie und an die fossilen Energiekonzerne zu machen. Es wird immer noch fünfmal soviel für Forschung im Bereich der fossilen Brennstoffe ausgegeben als für erneuerbare Energien. #59 Die Regierung ernannte sogar den früheren BP-Boss Lord Simon zum "Minister für Wettbewerbsfähigkeit". Als ob noch mehr Bestätigung für die Haltung der Regierung benötigt würde, wurde ihr Zehnjahresplan für das Transportwesen, der im Juli 2000 enthüllt worden war, vom britischen Industrieverband als "ein denkwürdiger Sieg für die Geschäftswelt" gefeiert. Die Straßenbauprogramme dieses Plans im Umfang von 21 Mrd. £ werden nach regierungseigenen Zahlen den Straßenverkehr um 17 % bis 2010 ausweiten. #60

"... Drachenzähne gesäet und Flöhe geerntet."

Einrichtungen wie die OECD und die Britische Königliche Kommission sehen die Notwendigkeit für radikales Handeln in Sachen Klimaerwärmung. Aber ihre Handlungsvorschläge sind schrecklich unzureichend, weil sie die gleiche Marktlogik voraussetzen, wie die oben erwähnten Politiker. Aus Sicht der OECD z. B. kann das Problem nur innerhalb marktwirtschaftlicher Rahmenbedingungen angegangen werden. Jede Seite ihrer Berichte ist voll von Abbildungen und Gleichungen, die allerdings alle tief den Denkstrukturen von "Wettbewerb" und "Rentabilität" verhaftet sind. Auf den ersten Blick mögen diese Darstellungen recht beeindruckend sein, doch erweisen sie sich gegenüber jeder ernsthafteren Untersuchung als Wunschdenken. #61 So wird an einer Stelle durchaus die Schwierigkeit zugegeben, dass das Verhalten der kapitalistischen Firmen, auf das man im Umgang mit der drohenden Klimaveränderung bauen will, "üblicherweise stark von ‚der Zahl unter dem Schlussstrich" bestimmt wird - von Kostenminimierung, um Marktanteile zu gewinnen, und von Profitmaximierung". #62 Aber dann wendet sich die OECD wieder hoffnungsvoll ihren Abbildungen zu und kehrt zum Glauben zurück, dass diesem Problem durch "eine flexible Lohnpolitik" begegnet werden kann. Der Profit ist heilig, die Arbeiter sollen zahlen.
Das gleiche Problem bildet auch den Kern des Berichts der Britischen Königlichen Kommission. Auf eine hervorragende grafische Darstellung des Ausmaßes des Problems folgen lächerliche Handlungsvorschläge. So wird die Hoffnung geäußert, dass die Stadt London ein Handelszentrum für Emissionsrechte werden könnte, die "Privatisierung der Energiewirtschaft und die Liberalisierung der Energiemärkte" wird gepriesen und es wird darauf bestanden, dass die Auswirkungen aller Maßnahmen zur Einschränkung des CO2-Ausstoßes auf die "Wettbewerbsfähigkeit" der Unternehmen "durch Absenkung der Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung" ausgeglichen werden müssen. #63 Auch hier: der Profit darf nicht angetastet werden, also Sozialleistungen kürzen.
Nicht nur traditionelle Politiker (oder Einrichtungen wie die OECD oder die Britische Königliche Kommission) beugen sich den Rahmenbedingungen des Kapitalismus. Manche Leute, die ihre Laufbahn als Kämpfer gegen das System begannen und ihren Einfluss der Tatsache verdanken, dass sie sich Umweltfragen angenommen haben, enden womöglich als Verwalter des Systems mit all seinen Schrecken. Dieses Schicksal traf die Führung der grünen Parteien, die jetzt in europäischen Ländern wie Frankreich und Deutschland im Amt sind. Es war ekelhaft erleben zu müssen wie der deutsche Führer der Grünen Joschka Fischer zum schmutzigen Krieg der Nato im Balkan drängte und wie die Grünen an der Regierung sich offen vom Kampf um einen Ausstieg aus der Atomenergie abwendeten. In Frankreich hat der Abgeordnete des Europaparlaments und frühere Führer der Studentenrevolte Daniel Cohn-Bendit den Balkankrieg unterstützt, während die grüne Umweltministerin Dominique Voynet schließlich zu recht angegriffen wurde wegen ihrer lahmen Antwort auf die Zerstörung, die 1999 durch die TotalFina Ölverseuchung an Frankreichs Westküste verursacht worden war. Und keiner dieser grünen Politiker und Politikerinnen macht Druck für die zur Klimaerwärmung notwendigen Maßnahmen oder ergreift sie selbst.
Die Lösungen für die schreckliche Gefahr der weltweiten Klimakatastrophe sind gar nicht so schwer - vorausgesetzt man stellt die Logik einer Welt in Frage, bei der Profit ganz vorne steht und alles andere, ob Mensch oder Umwelt, ganz hinten. Auf dieser Grundlage könnten umgehend Maßnahmen ergriffen werden, die den CO2-Ausstoß so einschränkten wie zu einer einstweiligen Abwendung des Unglücks erforderlich. Will man aber das Problem längerfristig in Griff kriegen, muss man weiter gehen. Man muss die Welt dem Griff der fossilen Energiekonzerne entwinden und Gesellschaft und Wirtschaft von Grund auf neu organisieren, damit die laufenden menschlichen Bedürfnisse befriedigt werden und gleichzeitig der Fortbestand der Gesellschaft sicher gestellt wird.
Örtliche, erst recht gesamtstaatliche Maßnahmen und Steuerreformen sind notwendig und nützlich, man wäre aber zum Scheitern verurteilt und träfe die falschen Ziele, sähe man die Gefahr der Klimaerwärmung nur aus diesem Blickwinkel.
Genau für eine solche beschränkte Herangehensweise setzt sich aber Colin Hines ein in seinem sehr einflussreichen Buch "Localization: A Global Manifest" (Lokal handeln: ein Weltmanifest). #64 Dieses Buch wird von einem breiten Spektrum von Leuten gelobt, die gegen die Auswirkungen der Globalisierung kämpfen, von Vandana Shiva zu Tim Lang, der für saubere Nahrung kämpft, und zu Ann Perrifor, der Direktorin von Jubilee 2000, einer Initiative zur Schuldenstreichung. Hines klagt sehr wirksam an, was der Weltkapitalismus den Menschen und der Umwelt weltweit antut. Doch das Ergebnis ist mager, wenn es zur Frage kommt, was dagegen zu tun sei. Gegen die Klimaerwärmung ruft er nach "Steuern auf Erzeugnisse und Handlungen, die die Umwelt verschmutzen, verbrauchen oder sonst wie in Mitleidenschaft ziehen", damit "einige der Umweltkosten bei betriebswirtschaftlichen oder privaten Entscheidungen mit berücksichtigt werden." #65 Es findet sich kein Hinweis darauf, dass der Geist des Kapitalismus selbst in Frage gestellt werden muss, statt dessen wird angestrebt, "die Funktionsfähigkeit des Marktes zu verbessern." #66 Tatsächlich stellt er seine Maßnahmen als einen Weg vor, das System vor sich selbst zu schützen, als den einzigen Weg, "die für die Rettung des Marktes notwendige Nachfrage sicher zu garantieren". #67
Bei einigen Empfehlungen liegt Hines auch völlig daneben, etwa wenn er nach einer "arbeitsintensiveren" Welt ruft, - damit werden sich nicht viele anfreunden können, von deren Arbeit die Versorgung der Welt mit Nahrung und Produkten abhängt. Die Wirklichkeit der Welt, in der wir leben, sieht so aus, dass die Überarbeitung der vielen einhergeht mit dem Elend der Arbeitslosigkeit und dem erzwungenen Nichtstun der übrigen. Die Lösung kann nicht darin liegen, nach einer arbeitsintensiveren Welt Ausschau zu halten, sondern vielmehr darin, die außergewöhnlichen Produktivkräfte der modernen Gesellschaft zu nutzen, um Arbeitsstunden zu streichen und Arbeit und Muße gleichmäßig zu teilen. Der Gegensatz zwischen Hines" leidenschaftlicher und überzeugender Kritik der herrschenden Welt einerseits und den vorgeschlagenen Heilmitteln andererseits kommt am besten zum Ausdruck in einem Abschnitt mit der Überschrift "Die Konzernherrschaft niederreißen". Der einzige konkrete Vorschlag ist folgender: "Gesetzliche Maßnahmen gegen jede Art von Parteifinanzierung, die von Konzernen kommt, strenge Regeln für das Lobbywesen der Großindustrie und für die Umtriebe der Denkfabriken, dafür größere Offenheit für Bürgerinitiativen und deren wissenschaftlicher Forschungseinrichtungen". #68 Man fühlt sich an die von Karl Marx zitierten Worte Heinrich Heines erinnert: "Ich habe Drachenzähne gesäet und Flöhe geerntet". #69
Ausgerechnet Al Gore schrieb einst in einem Buch über den Umgang mit der Klimaveränderung, dass "kleine politische Verschiebungen, kleinere Berichtigungen laufender Programme, maßvolle Verbesserungen bei Gesetzen und Verordnungen, schöne Reden statt echter Veränderungen" nicht ausreichten, statt dessen wäre ein "schmerzhafter Wandel" der Gesellschaft nötig. Gore ist sicherlich ein Heuchler, aber wo er recht hat, hat er recht. #70 Ein schmerzhafter Wandel der Gesellschaft ist nötig, um die Gefahr zu bannen, ein Wandel, der direkt die Beherrschung der Welt durch die Großindustrie und deren Lebensgrundlage, das Profitwesen, in Frage stellt.
Eine solche Umgestaltung kann nicht durch eine romantische Sehnsucht nach einer vergangenen Welt erreicht werden, die es so niemals gegeben hat, eine vorindustrielle, angeblich natürlichere Idylle der Bauern, Handwerker, Kleinproduzenten und kleinen Verbraucher. Umweltkämpfer wie George Monbiot, die kraftvoll die fossilen Energie- und die anderen Konzerne - und die vor diesen Konzernen einknickenden Politiker von New Labour - angreifen, gehen manchmal in diese Falle. Monbiot achtet immer sorgfältig darauf, Abstand zu halten zu dem mystischen und wissenschaftsfeindlichen Irrationalismus von Leuten wie Prinz Charles und anderer mit dessen Ansichten übereinstimmender Umweltpolitiker wie Vandana Shiva und Mae Wan Ho. Monbiot verteidigt leidenschaftlich und stark die Wissenschaft und wettert zu Recht dagegen, dass sie immer mehr vom öffentlichen Dienst weg in die Hände der Konzerne gerät. #71 Nichtsdestotrotz scheint er von einer Rückkehr zu einer harmonischen Welt der kleinen Produzenten und kleinen Verbraucher zu träumen als eine Alternative zu der wachsenden Beherrschung der Welt durch gigantische Konzerne und durch diesen hörige Staaten. Er fürchtet eine "Zukunft ohne die Tante-Emma-Läden", schlägt "Bauernmärkte" vor, "wo örtliche Erzeugnisse verkauft werden" als Alternative zu den Supermärkten und empfiehlt den Leuten, sie sollten sich finanziell an kleinen landwirtschaftlichen Biobetrieben, in denen sie in ihrer Freizeit arbeiten könnten, beteiligen. Sollte der letzte Vorschlag einfach Georges Art sein, dem Druck und der Entfremdung des modernen Kapitalismus zu entkommen, einverstanden, und auch ich genösse zweifellos hin und wieder solche Arbeit aus den gleichen Gründen. Aber dies ist wohl kaum der Weg, die rücksichtslose Macht der Konzerne in Frage zu stellen, Konzerne, die die Welt und das Leben der Menschen zuschanden richten, wie es ja George selbst so gut zeigt. #72
Eine mehr ins einzelne gehende Kritik solcher Ansätze den Kapitalismus in Frage zu stellen, sind Gegenstand von Chris Harmans Beitrag in diesem International Socialism (No. 88, Herbst 2000). Hier möchte ich all diese Ansätze den Maßnahmen gegenüberstellen, die ergriffen werden könnten und müssten, will man die Gefahr der Klimaerwärmung richtig angehen. Diese Maßnahmen gehen in eine ganz andere Richtung als der Rückzug aus dem weltweiten Kapitalismus oder der Rückzug hin zu einem eingebildeten natürlicheren Vorläufer oder als das einfache Herumbasteln am System. Statt dessen laufen sie auf einen Kampf hinaus, der den Weltkapitalismus überwindet und der unser Wissen, unsere Technologie und unsere kollektive Fähigkeit zur Grundlage nimmt für eine neue Organisation unserer Produktion.

Lösungen in Reichweite

Es gibt viele einfache und unmittelbare Maßnahmen zur drastischen und schnellen Verringerung des CO2-Ausstoßes. Eine davon wäre, die bereits verfügbaren technischen Kenntnisse dazu zu verwenden, die Emissionen der Kraftwerke - eine Hauptquelle für Treibhausgase - zu filtern. Es gibt überhaupt keinen Grund, weshalb ein Kraftwerk CO2 in die Atmosphäre ausstoßen muss. Drei Fachleute auf diesem Gebiet schrieben vor kurzem, dass "die Technik gut funktioniert", aber "nur ein paar Kraftwerke haben CO2-Filter an ihren Schornsteinen". #73 Die Britische Königliche Kommission zum Klimawandel hebt hervor: "Es gibt gut entwickelte Techniken um CO2 aufzufangen und diese könnten bei neuen Verbrennungskraftwerken oder nachträglich bei bereits vorhandenen Kraftwerken eingesetzt werden". #74 Diese Techniken werden aus einem einfachen Grund nicht eingesetzt: würde eine Firma sie ernsthaft einsetzen, wären ihre Profite niedriger. Eine solche Firma fürchtet dann, von ihren Rivalen an die Wand gedrückt zu werden, oder dass sie zum Ziel eines Übernahmeversuchs werden könnte, da niedrigere Profite den Aktienwert im Vergleich zu dem feindlicher Konkurrenten absenken. Profit ist das Problem. Das gleiche gilt für die verfügbare Technik zur Lagerung oder "Absenkung" von CO2 in den Weltmeeren oder unter dem Meeresboden, von wo aus es nicht in die Atmosphäre entweichen kann. Einige Pilotprojekte laufen wie zum Beispiel bei den Sleipner-Gasvorkommen vor Norwegen. Aber auch hier: die Furcht vor der Konkurrenz verhindert, dass eine solche Technik so eingesetzt wird, wie sie es könnte oder sollte. #75 Eine Lösung wäre, dass die Regierungen die Konzerne anweisen, all diese Techniken einzusetzen, aber das hieße, sich der Großindustrie zu widersetzen und nicht sich ihr zu beugen.
Die bei weitem größtmögliche Maßnahme für die sofortige Einschränkung des CO2-Ausstoßes im Verkehr, eine weitere große Abgasquelle, wäre ein starker Ausbau des öffentlichen Verkehrs. In Städten wie London beispielsweise könnte ein ganztägig freier und gewaltig ausgeweiteter öffentlicher Nahverkehr drastisch den Autoverkehr vermindern - und dabei zu mehr Radfahren und Laufen ermuntern. Das wäre leicht zu finanzieren, aber nicht durch eine Steuer auf Autofahrten - dies führte zu einer Rationierung nach dem Geldbeutel: die Reichen und die Geschäftsleute hätten auf den Straßen freie Bahn, da hohe Preise die normalen Leute, für die Beförderung viel wichtiger ist, vertrieben hätten. Was wir statt dessen brauchen ist eine sehr starke Besteuerung der Profite, dazu Preiskontrollen, damit das Kapital nicht mit Preiserhöhungen zurückschlagen kann.
Eine einfache aber wirksame Maßnahme zu einer echten Einschränkung des Energieverbrauchs und somit des Treibhausgasausstoßes wäre ein großes Programm für die bessere Isolierung von Gebäuden und Häusern; diese Maßnahme hülfe auch den Armen bei ihrer Heizkostenrechnung. Die Britische Königliche Kommission zum Klimawandel schätzt, dass solche Maßnahmen um mehr als ein Drittel den Energieverbrauch privater Haushalte vermindern könnten. #76 Aber dies erforderte ein größeres öffentliches Investitionsprogramm und bedeutete wiederum, dass zur Finanzierung die Reichen und die Großindustrie besteuert würden.
Dabei geht es nirgends darum, wie von manche Umweltschützern vertreten, dass ArbeiterInnen in Ländern wie Großbritannien ihren Lebensstandard absenken oder dass ArbeiterInnen in der Auto- oder anderen solchen Industrien gefeuert werden müssen. Der Gedanke, große Konzerne benützten das aus einem niedrigeren Lebensstandard oder aus niedrigeren Löhnen der Arbeiter gewonnene Geld, um die Klimafrage anzugehen, ist ein trauriger Witz. Sie gäben einfach ihren Direktoren und ihren Aktionären größere Gehälter und machten genau so weiter wie bisher. Und wenn beispielsweise Ford damit durchkommt Arbeiter in Dagenham in Essex zu entlassen, trägt dies irgendwas dazu bei, dass auch nur ein einziges Auto von den Straßen wegkommt oder dass der Treibhausgasausstoß vermindert wird? Natürlich nicht. Ford will einfach so viele Autos wie möglich mit Hilfe anderer Fabriken am Fließband herstellen und hofft dabei auf noch mehr Profite.
Würden einige der eben skizzierten Maßnahmen durchgeführt, würden weniger Autos verkauft und genutzt und der Energieverbrauch wäre geringer. Aber dass heißt nicht, dass es weniger Arbeitsplätze gäbe. Solche Maßnahmen benötigten ebenfalls Arbeit, im Bau, bei der Herstellung von Isolierungsmaterial, von Zügen und Bussen und bei der Verlegung von Schienen. Viele Arbeiter, die zur Zeit keine andere Wahl haben, als ihren Lebensunterhalt durch die Herstellung von Autos zu verdienen, könnten ihre Fähigkeiten statt dessen auf solche Arbeiten verwenden. Regierungen könnten durch ein solches umfangreiches öffentliches Arbeitsprogramm den Arbeitern Arbeitsplätze garantieren und falls erforderlich die benötigten Fabriken verstaatlichen, um die Produktion dahin zu verlagern, wo Bedarf ist.
Entscheidend für eine solche Veränderung ist eine Verlagerung weg von der fossilen Energiewirtschaft. Dies erfordert eine Verlagerung hin zu einer Energiegewinnung, die auf erneuerbaren Energiequellen, die keine Treibhausgase hervorbringen, beruht. Die Technologie besteht schon - grundsätzlich geht es um Wind-, Wellen- und Sonnenenergie. Es ist ein von der fossilen Energielobby gepflegter Mythos, dass diese Energiequellen nicht die gesellschaftlich benötigte Energie liefern könnten und dass sie nicht zu gebrauchen wären, dass sie technisch zu schwierig oder zu kostspielig seien. So weist zum Beispiel das britische Handels- und Wirtschaftsministerium darauf hin, dass Windturbinen vor der Küste mindestens das doppelte und möglicherweise das vierzigfache an Strom liefern könnten, was derzeit zu Spitzenzeiten benötigt wird. #77 Doch die Regierung hat keine Pläne solche Meereswindkraftwerke zu entwickeln. Ein weiterer Regierungsbericht legt dar, dass Windturbinen vor der Küste zusammen mit Wellenenergie unseren derzeitigen Energiebedarf dreifach decken könnten. #78 Die britische Regierung sagt auch, dass fotovoltaische Solarenergiezellen an Wänden und auf Dächern technisch ein Potenzial haben, in einigen Jahren etwa zwölf Prozent des landesweiten Strombedarfs zu erzeugen. Entgegen einer landläufigen Meinung brauchen solche Zellen zum Funktionieren Licht, aber keine Hitze oder unmittelbare Sonneneinstrahlung. Selbst wenn sie also in sonnigeren Ländern sogar noch besser funktionieren, sind sie auch in Großbritannien voll funktionsfähig. #79 In Wahrheit gilt, "dass das Potenzial für den wirksamen Einsatz von erneuerbaren Energiequellen in diesem Lande gewaltig ist, aber der tatsächliche Einsatz ist schwach". #80
Solche Techniken sind nicht einmal sehr teuer. Schon Windkraft kann Strom zu ungefähr 2,9 Pennies je Kilowatt erzeugen, während gaserzeugter Strom auf 2 Pennies kommt. Zur Zeit kommt Windenergie auf rund 4 Pennies je Kilowattstunde und Sonnenenergie auf etwa 7 Pennies. #81 Und dies ohne gewaltige Forschungs- und Entwicklungsinvestitionen und den daraus sich ergebenden Rationalisierungseffekten, damit wären sie noch viel billiger. Sogar ohne solche großen Investitionen ist der Preis für Windenergie um ungefähr zehn Prozent jährlich während der letzten 15 Jahre gefallen, während die Kosten von fotovoltaischen Zellen um ungefähr 15 % jährlich gefallen sind. #82 Die fossilen Energiekonzerne basteln an all diesen Techniken herum, aber sie weigern sich, die hohen Investitionen zu machen und sie verwenden immer weniger für notwendige Maßnahmen gegen den Treibhauseffekt auf. Sie sind abhängig von den Profiten aus dem Geschäft mit fossilen Energieträgern und verlangen eine staatliche Politik, die weiterhin diese Energieträger bevorzugt. In Großbritannien pumpte der Staat allein zwischen 1990 und 1995 weitere 4,5 Mrd. £ an Subventionen in die fossilen Brennstoffindustrien. #83
Neben den skizzierten Veränderungen sind natürlich noch andere Maßnahmen nötig, um die Gefahr der weltweiten Erwärmung und der Zerstörung der Umwelt abzuwenden. In einer Welt mit Zukunft wäre der größte Teil der Verschwendung, die im Kapitalismus stattfindet, abgeschafft; zu nennen sind hier Ausgaben für Waffen, Werbung, für die Spekulation der Banken und Finanzinstitute und noch vieles andere. Dies machte Mittel frei, die für nützlichere Zwecke eingesetzt werden könnten, die Umwelt hätte so eine Zukunft. Eine vernünftige Gesellschaft beendete auch den Wahnsinn, wonach täglich Millionen von Menschen große Wegstrecken zurücklegen, nur um zur Arbeit zu kommen - die Arbeit sollte da sein, wo die Leute leben wollen. Angesichts der Möglichkeiten moderner Kommunikation und eines kostenlosen schnellen öffentlichen Verkehrs gibt es keinen Grund, weshalb der absurde und entfremdende Unterschied zwischen riesigen Städten einerseits und ländlichen Gegenden andererseits nicht ebenfalls von Grund auf neu gestaltet werden könnte.
Sollen die gegen die Klimaerwärmung nötigen Maßnahmen ernsthaft in Angriff genommen werden, muss das Geld von den Konzernen geholt werden und ihre Macht muss angegriffen werden, damit Investitionen dort erfolgen wo sie benötigt werden - ohne Rücksicht auf Profite. Dies stieße auf heftigen Widerstands seitens der Großindustrie und des Staates, der ihren Interessen dient. Die Antwort darauf kann nicht sein, vor einer solchen Auseinandersetzung zurückzuweichen und einen Ausgleich zu suchen, der nicht zu erreichen ist. Die Antwort ist vielmehr, nach den Kräften Ausschau zu halten, die diesen Widerstand zurückschlagen und die Grundlage schaffen können für eine radikale Umwandlung der Gesellschaft, eine Umwandlung, die der Gefahr der weltweiten Klimaerwärmung und der Umweltzerstörung ein für allemal ein Ende setzen kann.
Es gibt nur eine gesellschaftliche Kraft, die das Potenzial und die Macht hat, eine solche Auseinandersetzung zu gewinnen - nämlich die Leute, die die Arbeit verrichten, von der das ganze System abhängt, um auch nur einen Tag funktionieren zu können. Diese Arbeiterklasse - in den Fabriken, Büros, Schulen, Krankenhäusern und an vielen anderen Stellen - leistet die tägliche Arbeit, von der die Gesellschaft abhängt und ohne die die Konzerne nicht funktionieren können. Und zu den mächtigsten Teilen dieser Klasse gehören gerade die, welche die Arbeit tun, von der der Reichtum der fossilen Energieweltkonzerne abhängt - es sind die Arbeiter und Arbeiterinnen im Kohlebereich, die Arbeiter der Öl- , Gas- und Autoindustrie und noch andere ArbeiterInnen dieser Art. All diese Leute, diese inzwischen weltweite Arbeiterklasse, sind der Schlüssel zum Wandel, der notwendig ist, um wirklich "die Konzernherrschaft niederreißen" zu können, eine Herrschaft, die jetzt das Weltklima bedroht und damit die Zukunftsfähigkeit der Zivilisation.

Genetisch veränderte Organismen (GVOs)

Die weltweite Klimaerwärmung zeigt, wie eine Produktionsgrundlage als ein Kernbestandteil des Wohlstands und der Macht der herrschenden Klasse gehört eine ökologische und gesellschaftliche Katastrophe heraufbeschwören kann. Der Kapitalismus bringt auch andere Gefahren für die Umwelt hervor. Es ist ein wesentliches Merkmal des Kapitalismus, dass er ständig danach strebt, neue Erzeugnisse zu entwickeln und daraus Profit zu schlagen, neue Märkte zu schaffen und die Macht derjenigen auszuweiten, die an der Spitze der miteinander konkurrierenden und das System beherrschen Machtzentren stehen.
Das hat wiederholt zu Schaden an Natur und Mensch geführt. Wie war das, als das Kapital von der Asbestproduktion profitiert hat und dabei nur seine Bilanzen und Anteilseigner im Kopf hatte? Und als die furchtbaren Gefahren des Asbest zum Vorschein kamen, verheimlichten sie dies und widersetzten sich Versuchen, diesen Gefahren zu begegnen. #84 Oder wie war das, als drei große Konzerne sich aus Bleizusätzen im Benzin erkleckliche Profite ausrechneten? Die drei Konzerne General Motors, DuPont und Standard Oil kannten nur allzu gut die Gefahren noch von den 20er Jahren her. Sie wussten auch, dass schon sicherere Alternativen bekannt waren, wie zum Beispiel Alkohol, der in gleichem Maße wie Blei zu einer Verminderung des "Klopfens" im Motor führt. Aber Alkohol konnte man sich nicht patentieren lassen im Gegensatz zu Bleizusätzen. Während sie also Profite scheffelten, verheimlichten die Konzerne jahrzehntelang die Gefahren des Bleis, was schreckliche Folgen für Natur und Menschen hatte. # 85 Eine ähnlich schreckliche Geschichte könnte von den Tabakriesen und vielen anderen erzählt werden.
In den letzten Jahren ist eine neue Gefahr dieser Art aufgetaucht - eine wirkliche Weltgefahr, was ihre Folgen und Wirkungen für Menschen und Umwelt anbetrifft. Dies sind die genetisch veränderten (GV) oder transgenischen Organismen.
Diese Entwicklung breitete sich erstaunlich schnell und weit aus. Die Gentechnik fing erst in den 70er Jahren in den wissenschaftlichen Forschungslabors an, wobei auf die wissenschaftlichen Durchbrüche in der Molekularbiologie aufgebaut wurde, die der Entdeckung der Grundstruktur des genetischen Materials DNS im Jahre 1954 folgte. #86 Die erste erfolgreiche genetische Veränderung einer Pflanze gelang erst 1983. In den folgenden zwölf Jahren kam es zu einer stürmischen Entwicklung, bei der über 60 Pflanzenarten genetisch verändert wurden und GV-Aussaaten in beinahe 3000 Feldstudien getestet wurden. Das meiste blieb jedoch auf das Versuchsstadium beschränkt und erst in den letzten Jahren - seit 1996 - entwickelte sich die kommerzielle Nutzung von GV-Pflanzen und -Produkten. #88 Bereits die Hälfte aller in den USA angepflanzten Sojabohnen sind genetisch verändert, ebenso ein Drittel der dortigen Kornfelder. #89
Die GVOs haben die Forschungslabore verlassen und sind zum großen Geschäft geworden. Ihr Weltmarkt umfasst bereits einen Wert von drei Mrd. Dollar und soll nach Schätzungen bis zum Jahr 2010 ungefähr 25 Mrd. $ erreicht haben. #90 Dieses Geld und der damit verbundene Profitgeruch ließ eine ganze Reihe von "Biotech"-Firmen aus dem Boden schießen - bei einigen wandelten sich Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen zu Geschäftsleuten, häufiger haben bereits etablierte Chemiefirmen neu angefangen. Wie bei dem dot.com-Rausch hat es auch wilde spekulative Geschäfte gegeben. Die Aktienpreise schossen nach oben in Erwartung zukünftiger Produkte und Profite, noch bevor auch nur ein Penny Profit gemacht worden war. Ebenso wie bei der dot.com-Blase sind viele Firmen zusammengekracht, als die Verluste sich häuften oder die Profitaussichten sich immer weiter in die Zukunft zu verziehen schienen. #91 Dem Rausch folgte die Ernüchterung, wie so oft in der Geschichte des Kapitalismus, nur wenige überlebten, diese beherrschen jetzt den Weltmarkt.
Inzwischen kontrollieren lediglich fünf riesige multinationale Konzerne praktisch den gesamten Markt für GV-Saatgut. Zur Zeit der Entstehung dieses Aufsatzes gehören zu den fünf so genannten "Gengiganten" die Firmen AstraZeneca, DuPont, Monsanto, Novartis und Aventis. Weitere Firmenzusammenschlüsse sind wahrscheinlich. Novartis und AstraZeneca wollen ihre agrochemischen und Saatgutabteilungen zusammenlegen zu einer Firma Syngenta, und Monsanto hat vor mit der Pharmafirma Pharmacia und mit Upjohn zusammenzugehen. #92 Man kann die GVOs dabei nur dann richtig einschätzen, wenn man sie als ein Werkzeug dieser riesigen Firmen begreift, mit dem sie größere Märkte und Profite und größere Macht anstreben. In diesem Zusammenhang müssen alle wissenschaftlichen und umweltpolitischen Argumente gesehen werden.
GVOs sind nur ein Bestandteil der Strategie dieser Konzerne. Die selben fünf Gengiganten kontrollieren auch zwei Drittel des Weltpestizidmarktes und über ein Viertel des Weltmarktes für nicht genetisch verändertes Saatgut. #93 Die fünf und noch ein paar andere wie Bayer, Dow und American Home Products beherrschen auch über 90 % des agrochemischen Marktes mit einem Jahresumsatz von 31 Mrd. $.
Die Gengiganten kommen aus der Chemieindustrie. Monsanto zum Beispiel war die Firma, die das berüchtigte Entlaubungsmittel "Agent Orange" herstellte, das von den USA in ihrem Krieg in Vietnam benutzt wurde mit schrecklichen Wirkungen auf die Menschen, die noch heute unter den Folgen leiden. In den letzten Jahren waren die Hauptprodukte dieser Firma agrochemische Erzeugnisse, vor allem das von ihr patentierte Unkrautvernichtungsmittel "Roundup". #94 Von den 11 Mrd. £ Jahresumsatz von Aventis entfallen etwa 85 % auf Mittel zur Vernichtung von Unkraut und schädlichen Insekten und Pilzen. #95 Diese Firmen machen sich bei GV-Sorten und -Saaten breit, um das in der Landwirtschaft benutzte Saatgut unter ihre Kontrolle zu bringen. Sie wollen die GV-Saaten dazu verwenden, die Landwirtschaft von den von ihnen hergestellten agrochemischen Produkten abhängig zu machen. Alle diese Firmen haben sich auch aggressiv auf dem Markt der nicht genetisch veränderten Saaten in hektischem Tempo breit gemacht, sie kauften die diesen Markt beherrschenden Firmen auf. Monsanto hat in den letzten fünf Jahren über acht Mrd. Dollarausgegeben, um Saatgut und die dazugehörigen Firmen aufzukaufen. #96 Im Jahr 1999 gab DuPont 7,7 Mrd. $ aus, um die bis dahin größte Saatgutfirma der Welt, Pioneer Hybrid, aufzukaufen. Aventis übernahm die Firma "Granja 4 Irmaos", den größten Hersteller Brasiliens von Reissaatgut, und Proagro, Indiens zweitgrößte Saatgutfirmengruppe. #97
Zur Zeit noch ist der Markt des nicht genetisch veränderten Saatguts mit einem Umsatz von schätzungsweise 23 Mrd. $ viel größer als der Markt des genetisch veränderten Saatguts. Mit ihrem Vordringen in diesen Bereich zielen die Gengiganten darauf, die Landwirtschaft in eine stärkere Abhängigkeit von GV-Saatgut und den damit verbundenen Chemikalien zu bringen. Sie entwickeln alle ihre eigenen Sorten von GV-Saatgut; diese von ihnen natürlich patentierten Sorten wollen sie mit Hilfe ihrer Marktmacht der Welt aufzwingen. Ende der 90er Jahre wurden sage und schreibe 40 000 neue Patente für biotechnologische Produkte monatlich registriert. #98 Monsanto beschäftigt über 100 Wissenschaftler, nur um den ganzen Erdball nach möglicherweise nutzbaren Pflanzengenen abzusuchen und sie dann zu patentieren. #99 Die Gengiganten setzen es sich zum Ziel, dass die Befriedigung des wichtigsten menschlichen Grundbedürfnisses - essen - einer Weltordnung einverleibt wird, deren Zweck es ist, Profite in die Kassen der Giganten zu scheffeln. "Es geht darum," bei den GVOs, so George Monbiot, "die Nahrungskette unter Konzernkontrolle zu bringen." #100 Monsanto hat es bestätigt: "Was sie sehen ist nicht einfach nur eine Konsolidierung der Saatgutfirmen - tatsächlich wird die ganze Nahrungskette konsolidiert." #101
Neben den Gengiganten gibt es noch andere Akteure. Die Giganten haben enge Beziehungen zu großen Konzernen, die den Welthandel von Grundnahrungsmitteln beherrschen. Lediglich fünf Firmen zum Beispiel kontrollieren die Masse des Weltgetreidehandels. 1998 kaufte die größte Firma dieser Art, die US-Firma Cargill, die zweitgrößte, Continental, auf und machte diese unauffällige Privatfirma zur größten Einflussgröße im Weltgetreidehandel. Cargills weltweite Einnahmen betragen mehr als 50 Mrd. $ im Jahr und neben ihrer Vorherrschaft beim Getreide ist diese Firma "die größte Rindfleischverpackungsfirma in Kanada, die drittgrößte Rindfleischverpackungsfirma und Mehlfabrik in den USA, der viertgrößte Hersteller von Rinderfutter und der sechsgrößte Truthahnproduzent in den USA und der zweitgrößte Phosphathersteller der Welt. Cargill ist auch groß im Geschäft bei Salz, Erdnüssen, Baumwolle, Kaffee, Lkw-Transport, Flussschifffahrt, Zuckersirup, Tierfutter, Stahl, hybridem Saatgut, Reismühlen, Gummi, Zitrus, Hühnchen und bei Frischobst und Frischgemüse". #102 Cargill ist über eine Reihe von Geschäften mit den Gengiganten verbunden, um GV-Produkte zum Einsatz zu bringen. Die Firma fasst folgendermaßen diesen Einsatz zusammen:

Die Biotechnologie wird Ernährung und Nahrung in einem Maße revolutionieren, dass sich die industrielle Revolution daneben klein ausnehmen wird. Wir werden Teil dieser Revolution sein und haben vor, als Gewinner daraus hervorzugehen. Der Biotechnologie wird eine entscheidende Rolle zukommen, damit das erklärte Ziel der Firma Cargill, sich alle fünf bis sieben Jahre zu verdoppeln, erreicht wird. #103

Dieses Geflecht riesiger Firmen bildet den "genetisch-industriellen Komplex", so die treffende Bezeichnung der Biologen Richard Lewontin und Jean-Pierre Berlan; dieser Komplex strebt die Kontrolle der Nahrungskette "von der Aussaat bis zum Teller" an. #104

Eine Lösung für den Welthunger?

Natürlich argumentieren diese Firmen und ihre Unterstützer, wenn sie ihren Drang ins GV-Geschäft rechtfertigen, üblicherweise etwas anders. Sie argumentieren, dass ihre neuen Produkte entscheidend sind zur Lösung des Welthungerproblems heute und bei der Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung morgen. Sie behaupten ebenso, dass ihre GV-Produkte für Umwelt und menschliche Gesundheit gut sind, dass sie völlig sicher sind und ordnungsgemäß getestet. Jede einzelne dieser Behauptungen ist falsch.
Die Konzerne bringen aggressiv das Argument vor, dass der Hunger nur mit GV-Ernten beendet werden kann. "Die Biotechnologie entscheidet den Kampf gegen den Hunger" stellt EuropaBio, die Handelsvereinigung der europäischen biotechnischen Konzerne fest. #105 Monsanto behauptet: "Sorgen um die zukünftigen Generationen können diese nicht ernähren. Biotechnologie kann es". #106
Solche Argumente sind falsch. Die Menschen leiden heutzutage in der Welt nicht Hunger, weil es auf der Erde zu wenig Nahrungsmittel gibt. Und die Erzeugnisse der Genkonzerne tragen nichts zum Hungerproblem bei. So legt das "Institute for Food and Development Policy" (Nahrungs- und entwicklungspolitisches Institut) dar:

In der Welt von heute wird mehr je Kopf der Bevölkerung an Nahrungsmitteln hergestellt als jemals zuvor. Es ist genug da, um jeder Person täglich 4,3 Pfund zur Verfügung zu stellen; 2,5 Pfund an Getreide, Bohnen und Nüssen, ungefähr ein Pfund an Fleisch, Milch und Eiern, und ein weiteres Pfund an Obst und Gemüse. Die wahren Ursachen für Hunger sind Armut, wirtschaftliche Ungleichheit und fehlender Zugang zur Nahrung. Zu viele Menschen sind zu arm, um die an sich verfügbaren Nahrungsmittel kaufen zu können, oder sie verfügen nicht über das Land und die Mittel, sich selbst versorgen zu können. #107

Eine weitere wichtige Untersuchung kommt zu folgender Schlussfolgerung:

Die Welt produziert heutzutage genug allein an Getreide, um jeden Menschen auf der Erde mit 3500 Kalorien täglich zu versorgen. Dass reicht für die meisten Menschen aus, um dick zu werden. Und diese Schätzung berücksichtigt nicht einmal die vielen anderen üblichen Nahrungsmittel - Gemüse, Bohnen, Nüsse, Erdfrüchte wie Kartoffeln, rote Beete o.ä., Fleisch von Pflanzenfressern und Fisch.... die Nahrungsmittelversorgung der heutigen Welt ist durch Überfluss, nicht durch Mangel gekennzeichnet. #108

Die sorgfältigste bisher in Großbritannien veröffentlichte Untersuchung zu GV-Pflanzen weist ebenfalls die Thesen der Konzerne zum Welthunger zurück mit dem Argument: "Unterernährung wird im wesentlichen durch Armut verursacht...[und] in einigen Fällen tragen die transgenischen Pflanzen zur Armut in der dritten Welt bei und nicht etwa zu ihrer Überwindung". #109
Manche argumentieren, dass, selbst wenn der Hunger von heute nicht auf eine Nahrungsmittelknappheit zurückzuführen sei, das zu erwartende Bevölkerungswachstum in den kommenden Jahrzehnten bei den derzeit bestehenden Produktionsniveaus nicht zu ernähren sei. So argumentiert Monsanto: "Die Weltbevölkerung wächst rasch, alle zehn Jahre kommt ein Zuwachs so groß wie die Bevölkerung von China hinzu. Um diese Milliarden Münder zu ernähren, können wir versuchen mehr Ackerland zu bearbeiten oder größere Ernten aus bestehenden Anbauflächen herauszupressen ... Biotechnik ist ein besserer Weg nach vorne". #110
Richtig ist, dass um eine wachsende Bevölkerung zu ernähren, mehr Nahrungsmittel benötigt werden. Aber es gibt keinen einfachen Zusammenhang zwischen der Bevölkerungsdichte in einem Land und der Nahrungsmittelproduktion. Holland hat mit die höchste Bevölkerungsdichte unter den Ländern der Welt, aber niemand spricht dort von Überbevölkerung, die Nahrungsmittelmangel hervorruft. #111 Gesellschaftliche und wirtschaftliche, nicht natürliche Gründe führen dazu, dass in vielen Hungergebieten der Welt viel weniger Nahrung wächst, als es eigentlich möglich wäre. So legt eine Untersuchung dar:

Berichte über das Versagen der Landwirtschaft in Afrika und Afrikas zunehmende Einfuhrabhängigkeit führten bei vielen zu der Ansicht, dass dort einfach zu viele Menschen um zu wenig Mittel konkurrieren. Die Nahrungsmittelkrise von Afrika besteht tatsächlich ... aber wie berechtigt sind diese Ansichten über die Gründe dieser Krise?
Afrika hat außergewöhnliche, noch nicht erschlossenes Möglichkeiten Nahrung zu schaffen, mit potenziellen Getreideerträgen, die zwischen 25 bis 35 % höher sind als die höchstmöglichen Erträge Europas und Nordamerikas. Außer den möglichen höheren Erträgen wartet genügend zusätzliches Ackerland auf seine Nutzung. Im Tschad zum Beispiel werden nur 10 % des Ackerlands, von dem angenommen wird, dass es ohne ernsthafte Einschränkungen für die Produktion genutzt werden kann, tatsächlich auch bebaut. In Ländern, die wegen ihrer Hungersnöte traurige Berühmtheit erlangt haben ? z. B. Äthiopien, Sudan, Somalia und Mali - ist das Gebiet von nicht bebautem Ackerland guter Qualität um ein vielfaches größer als das tatsächlich bebaute Land; dies weckt Zweifel ob der Vorstellung, dass da angesichts knapper Ressourcen einfach zu viele Leute sind. #112

Eine wichtige Untersuchung über das Machakosgebiet in Kenia zeigte, dass Unterbevölkerung tatsächlich ein großes Problem sein kann für die Erzeugung von Lebensmitteln. Die Britische Kolonialverwaltung machte "die unkontrollierte Entwicklung der Eingeborenen, deren Vermehrung und die ihrer Viehbestände man zugelassen habe," für "das Elend der Armut" in diesem Gebiet verantwortlich, die das "Land zu einer vertrockneten Fels-, Stein- und Sandwüste" gemacht habe. Die Wirklichkeit in den 90er Jahren war völlig anders:

Mit einiger Sicherheit können wir feststellen, dass Machakos stark unterbevölkert war. Grenzböden können oft durch Terrassierung, kleinräumige Bewässerung, häufiger Wechsel von Pflanzen und Vieh und die Einfügung organischer Stoffe in den Boden, produktiv gemacht werden. Aber all das erfordert Arbeit, viel mehr Arbeit als in vielen Gebieten Afrikas verfügbar ist. Die Bevölkerungsdichte von Afrika südlich der Sahara betrug 1995 zum Beispiel 24 Personen je Quadratkilometer, in Asien dagegen leben 108 auf einem Quadratkilometer.
In dem Maße wie die Bevölkerung mit der Zeit zunahm, verbesserte sich die Bodenqualität, da die Leute vor Ort Terrassen anlegten, Bäume und Hecken anpflanzten, Systeme entwickelten zu aufeinander abgestimmter Pflanzen- und Viehnutzung und Wasserspeichersysteme anlegten, um knappe Feuchtigkeit aufzufangen und zu ihren Pflanzungen zu leiten. Inzwischen ist Machakos ein grünes und vergleichsweise wohlhabendes Gebiet mit einer Bevölkerungsdichte von 110 Menschen je Quadratkilometer und einem komplexen und wunderschönen Terrassensystem, das an die Gebiete der kleinen Reisanbauer in Ostasien erinnert. Die Bodenerosion ist fast völlig unter Kontrolle. Die Produktion von Getreide, eine wesentliche Nutzpflanze, ist von 350 Kilo pro Person jährlich 1950 auf mehr als 1200 Kilo 1990 gestiegen. In diesem Fall gingen Bevölkerungswachstum, Erholung der Umwelt und Steigerung der Nahrungsmittelproduktion Hand in Hand. Machakos zeigt am lebendigen Beispiel, wie falsch der Mythos vom Zielkonflikt Nahrung gegen Umwelt ist. #113

Kurz gesagt, es ist sehr wohl möglich, dass eine wachsende Weltbevölkerung ohne Rückgriff auf GV-Pflanzen ernährt werden kann. Tatsächlich gibt es wenige Hinweise darauf, dass GV-Pflanzen überhaupt die Erträge von wichtigen Pflanzensorten tatsächlich erhöhen. "Versuchsexperimente der letzten Zeit", berichtet eine Untersuchung, "haben gezeigt, dass genetisch künstlich veränderte Saaten die Ernteerträge nicht erhöhen". #114 Selbst wenn es wirklich das Ziel wäre, die Erträge zu erhöhen, um mehr Menschen zu ernähren, dann gilt, dass die Gentechnik den herkömmlichen Zuchtmethoden unterlegen ist. Die "Union of Concerned Scientists" weist auf folgendes hin:

Herkömmliche Zuchtmethoden waren außerordentlich erfolgreich und sind tatsächlich zum großen Teil für die hohen Erträge der heutigen Landwirtschaft verantwortlich. Diese Methoden sollten nicht als veraltet angesehen werden oder als nicht mehr in die heutige Zeit passend. Bei multigenetischen Eigenschaften, wie natürlicher Ertrag oder Trockenheitsresistenz sind sie der Gentechnik überlegen. Das liegt daran, dass Auswahlzuchtverfahren am ganzen Organismus ansetzen, während die Gentechnik auf drei oder vier Genübertragungen beschränkt bleibt mit wenig Steuerungsmöglichkeiten darüber, wo die neuen Gene eingefügt werden. Für die wichtigsten Nutzeigenschaften bleibt die herkömmliche Züchtung die Methode der Wahl. #115

Es gibt, wie ich später argumentieren werde, gute Gründe, weshalb die Anwendung von Wissenschaft in der Landwirtschaft nötig ist, um sowohl eine wachsende Bevölkerung zu ernähren als auch mit den von den existierenden landwirtschaftlichen Methoden herrührenden Umweltproblemen fertig zu werden, - viele dieser Methoden stammen von genau den Konzernen, die uns jetzt erzählen, dass ihre neuesten Erzeugnisse der Schlüssel zur Lösung des Welthungerproblems sind. Ich teile nicht die von so vielen Umweltschützern oft zum Ausdruck gebrachte romantische Einstellung gegenüber "überlieferter" Landwirtschaft. Wir brauchen die Wissenschaft, um sowohl jetzige wie zukünftige menschliche Bedürfnisse nachhaltig befriedigen zu können. Die Frage ist, welche Wissenschaft, für wessen Nutzen und unter wessen Kontrolle? Das "Institute for Food and Develoment Policy" führt aus:

Beweggrund für die meisten Neuerungen in der landwirtschaftlichen Biotechnik war der Profit, nicht die Bedürfnisse der Menschen. Was die gentechnische Industrie wirklich antreibt, ist nicht, die Landwirtschaft der dritten Welt produktiver zu machen, sondern Profite zu machen. Dies wird deutlich, wenn man sich die sich derzeit auf dem Markt befindlichen Haupttechnologien genauer ansieht: (a) Herstellung von Sorten, wie Monsantos Sojabohnen "Roundup Ready", die gegen Unkrautvernichtungsmittel resistent sind; hier handelt es sich um Saatgut, das unempfindlich gegen Monsantos Unkrautvernichtungsmittel "Roundup" ist, und (b) Herstellung von "Bt"-Sorten, die so konstruiert sind, dass sie ihr eigenes Schädlingsvernichtungsmittel herstellen. Im ersten Fall ist es das Ziel, einen größeren Marktanteil für Unkrautvernichtungsmittel als patentierbares Produkt zu bekommen. Im zweiten Fall geht es darum, mehr Saatgut zu verkaufen freilich um den Preis, dass die Nützlichkeit eines wichtigen Produkts, auf das sich viele Bauern, einschließlich vieler Biobauern, als starke Alternative zu Insektenbekämpfungsmitteln zur Eindämmung von Pflanzenseuchen verlassen, Schaden erleidet (es handelt sich um das auf dem "Bacillus thuringiensis" (= Bt) beruhende mikrobiologische Schädlingsvernichtungsmittel). Diese Technologien befriedigen das Bedürfnis der biotechnischen Firmen, die Bauern in eine engere Abhängigkeit von solchem Saatgut zu bringen, das von sogenannten "geistigen Eigentumsrechten" geschützt ist; dies widerspricht unmittelbar den uralten Rechten der Bauern Saatgut zu reproduzieren, mit anderen zu teilen oder zu lagern. Wo immer möglich werden die Konzerne verlangen, dass die Bauern die Sorten des Konzerns als Produktionsmittel kaufen und werden den Bauern verbieten, Saatgut aufzubewahren oder zu verkaufen. Indem sie das Zellplasma von der Saat bis zum Verkauf des Endprodukts kontrollieren und indem sie die Bauern zwingen, das Saatgut nur im Paket zusammen mit den chemischen Mitteln zu Wucherpreisen zu kaufen, offenbaren die Firmen ihre Entschlossenheit, aus ihren Investitionen einen möglichst hohen Profit zu schlagen. #116

Eine andere Untersuchung kommt zu einem ähnlichen Ergebnis: "Die multinationalen Firmen konzentrieren sich auf die Entwicklung von Pflanzensorten, die hohe Profite bringen, statt solchen, die am besten zur Lösung der Nahrungsmittelprobleme der Welt beitragen könnten". #117

Der Mythos vom goldenen Reis

Solche Kommentare und wachsender öffentlicher Widerstand gegen GV-Produkte hat einige der Konzerne zu einem Taktikwechsel bewogen. Sie haben eine neue Reihe von Produkten der "zweiten Generation" herausgebracht, von denen sie hoffen, dass sie dem Widerstand gegen ihre Pläne den Wind aus den Segeln nehmen. Sie behaupten, diese Produkte seien wirklich für Gesundheit und Ernährung der Menschen nützlich. In einem kämpferischen Aufruf an die Industrie lässt DuPont verlauten, dass mit den Produkten der "zweiten Generation" "es an der Zeit sei, an die Öffentlichkeit zu treten, die Ärmel hoch zu krempeln und diese Vorteile den Konsumenten mitzuteilen". #118 Der Star unter den GV-Produkten der zweiten Generation ist zweifellos der "goldene Reis" mit dem Anspruch, er käme dem Vitamin-A-Mangel bei. Die Rockefeller-Stiftung, die einen großen Teil der hinter dem goldenen Reis liegenden Arbeit finanzierte, meint: "Es wird für die Umweltschützer schwieriger werden zu behaupten, sie kämpften für die Armen, wenn sie gegen etwas kämpfen, das den Armen hilft". #119
Vitamin-A-Mangel (VAM) ist in vielen Teilen der Welt ein ernstes Problem. Er kann zu teilweiser oder völliger Erblindung führen und die Widerstandskraft gegen Ansteckungskrankheiten schwächen. Besonders schlimm sind die Wirkungen bei Kindern. Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass 230 Millionen Kinder durch VAM gefährdet sind und dass er zu über einer Million Kindersterbefällen beiträgt. Dieser Mangel ist besonders schlimm in Ländern, wo Reis ein Hauptnahrungsmittel ist. Reis enthält in seinen Blättern und in der Reisschale Betakarotin, eine Hauptquelle für Vitamin A. Aber die Schale wird im Mal- und Reinigungsvorgang entfernt. Dies wird gemacht, weil in tropischen Gebieten der Reis mit Schale während der Lagerung schneller ranzig werden kann. Es wird nun behauptet, dass man mit Hilfe des goldenen Reises dem VAM gentechnisch beikäme. Wissenschaftler haben Gene von einer Narzissenart genommen und sie in Reis eingepflanzt. Das Ergebnis ist ein goldfarbiger Reis, der Betakarotin in dem geschälten Reiskorn enthält.
Aber es gibt zum einen Schwierigkeiten mit dieser Methode gegen den VAM, zum anderen viel einfachere Lösungen. In großen Mengen kann Vitamin A giftig sein und sich in der Leber ansammeln. Es muss deshalb diskutiert werden, ob die Idee so gut ist, Vitamin A zu einem Bestandteil des Hauptnahrungsmittels zu machen. Zweitens, investierte man einen Bruchteil des Geldes, das für GV-Sorten ausgegeben worden ist, in die Entwicklung besserer Methoden der Lagerhaltung, bräuchte man vielleicht die Reiskörner gar nicht mehr zu schälen. Schließlich als wichtigster Punkt, die Schwierigkeit mit VAM ist gar nicht der Reis. Es ist vielmehr der Mangel an einer abwechslungsreichen Kost für Millionen von Menschen, weil sie einfach zu arm sind. Die Menschen in Großbritannien zum Beispiel leiden im allgemeinen nicht an VAM, wenn sie geschälten Reis essen. Vitamin A findet sich in Eiern, Butter, Fleisch und eingelegtem Salzwasserfisch. Betakarotin findet sich oft in Pflanzennahrung, besondern in den grünen Blättern von Gemüse, in Rüben und in Früchten. Gäbe man den Menschen eine bessere und abwechslungsreichere Kost, die einige dieser Nahrungsmittel enthielte, könnte man einfach und schnell VAM zum Verschwinden bringen. Tatsächlich sind die Konzerne, die jetzt für GV Druck machen, in einigen Teilen der Welt für die Umstände verantwortlich, unter denen sich VAM verbreiten konnte. In Indien hat das Bestreben über landwirtschaftliche Monokulturen den Export zu fördern und der damit verbundene hohe Einsatz an chemischen Düngemitteln und an Unkraut- und Schädlingsvernichtungsmitteln zur Folge gehabt, dass in vielen Gebieten das Gemüse "Bathua", das viel Vitamin A enthält, als "Unkraut" verschwunden ist. #120
Der Schlüssel zum richtigen Umgang mit VAM, so eine Studie, ist der richtige Umgang mit "der Ursache für schlechte Ernährung, nämlich mit der Armut. Produktion und Verzehr von mehr Obst und Gemüse zu fördern und von Tierprodukten wie Eier und Käse, verbesserte die Ernährung mehr als GV-Reis". #121 Margaret Mellon von der "Union of Concerned Scientists" argumentiert folgendermaßen:

Der goldene Reis ist Teil einer Strategie, um diese Technik der Öffentlichkeit zu vermitteln. Es gibt zehn einfache Schritte, die wir jetzt sofort tun könnten [gegen VAM]. Doch anstatt eine internationale Versammlung einzuberufen, um über Lösungen zu beraten, veranstalten wir eine Konferenz nach der anderen über Biotechnologie. Wären wir wirklich an einer Lösung interessiert und nicht an der Technologie, gingen wir nicht so merkwürdig an die Dinge heran. #122

Die GV-Konzerne haben auch versucht sich neu als umweltfreundliche Kraft aufzubauen und behaupten, ihre Erzeugnisse nützten tatsächlich der Umwelt, weil sie den Einsatz von Unkraut- und Schädlingsvernichtungsmitteln verminderten. Das ist sehr unwahrscheinlich, so das ausgezeichnete Buch "Eat your Genes" (Iss deine Gene!) von Stephen Nottingham:

Sorten, die gegen Unkrautvernichtungsmittel resistent sind, führen wahrscheinlich dazu, dass mehr Unkrautvernichtungsmittel versprüht werden.... Tatsächlich war aus geschäftlicher Sicht das Ziel immer, mehr Unkrautvernichtungsmittel zu verkaufen. Bei bestimmten Sorten mit genetisch geschaffener Resistenz können jetzt Unkrautvernichtungsmittel angewendet werden ... während früher dort Sprühen nicht möglich war ... Früher gab es eine Obergrenze für die Sprühmengen für Unkrautvernichtungsmittel, weil oberhalb dieser Mengen die Sorten geschädigt worden wären. Gegen Unkrautvernichtungsmittel resistente Sorten können die Neigung fördern, zu viel zu sprühen. #123

Die Konzerne wissen das. Monsanto hat bei den Regierungen von Australien und Neu Seeland beantragt, höhere Mengen an Rückständen von Unkrautvernichtungsmitteln in Sojabohnen zuzulassen. #124 Die Folgen für die Menschen sind ernst, da Soja in ungefähr 60 % aller weiterverarbeiteten Nahrungsmittel verwendet wird und in Produkten wie Zahnpasta. #125
"Roundup" basiert auf einer Chemikalie namens Glifosat, die bei den verschiedensten Schädlingsvernichtungsmitteln verwendet wird. In Großbritannien hat die konservative Regierung, die bis 1997 im Amt war, auf Veranlassung von Monsanto Gesetze erlassen, die die erlaubten Mengen an Glifosatrückständen in Sojabohnen um das 200-fache angehoben haben. New Labour hat diese Gesetze nicht aufgehoben. #126 Glifosate können eine schreckliche Wirkung auf die Umwelt haben, da sie nicht einfach nur Pflanzen töten, sondern auch die Bodenfruchtbarkeit schädigen, indem sie die Wirkungsweise entscheidend wichtiger Bodenpilze zerstören. "Glifosat-Unkrautvernichtungsmittel, einschließlich Roundup", führt Stephen Nottingham aus, "sind keine umweltfreundlichen Chemikalien. Gesteigerte Glifosatanwendung kann auch unmittelbar die menschliche Gesundheit schädigen. In einer kalifornischen Untersuchung wurde Glifosat als die dritthäufigste Ursache von Schädlingsvernichtungsmittelvergiftung bei Landarbeitern ermittelt." #127

Genetische Alpträume

Eine zentrale Behauptung der GV-Konzerne und ihrer staatlichen Hintermänner ist, die Erzeugnisse seien sicher für Menschen und für die Umwelt. Dies ist die größte und gefährlichste Lüge von allen.
Für diese Behauptung werden eine Reihe von Begründungen vorgebracht. Das erste Argument ist, gentechnische Veränderungen bei Pflanzen unterschieden sich nicht grundsätzlich von herkömmlicher Pflanzenzucht, die schon seit Tausenden von Jahren betrieben wird. Das zweite Argument ist, die Gentechniker setzten ja nur ein neues Gen in eine Pflanze ein, das dann einfach und geradewegs dieser Pflanze eine wünschenswerte Eigenschaft verleiht ohne weitere Folgewirkungen. Das Endprodukt, wird beharrlich behauptet, ist "substanziell äquivalent" zu dem nicht genetisch veränderten Original und deshalb genau so sicher. Alle diese Argumente sind schwerwiegend falsch.
Die Menschen haben immer die genetische Zusammensetzung der Pflanzen und Tiere verändert. Dies wird durch herkömmliche Auswahlzuchtverfahren erreicht und die meisten Pflanzen und Tiere, von denen wir heutzutage abhängen, sind das Ergebnis eines langen Prozesses solcher Veränderungen. Aber alle solche Veränderungen betreffen nur Arten, die auf natürliche Weise untereinander sich fortpflanzen können. Außerdem hielten sich dabei Ausmaß und Geschwindigkeit der Veränderungen in Grenzen. Ganz anders bei der Gentechnik. Oder wie argumentiert die "Union of Concerned Scientists" (UCS)? "Gentechnik ist nicht eine kleine Erweiterung bestehender Zuchtverfahren. Es ist eine radikal neue Technik zur Änderung der Eigenschaften von lebenden Organismen.....Die Gentechnik macht Kombinationen von Genen und Eigenschaften möglich, die so nicht in der Natur vorkommen ... neue Organismen können aber neue Gefahren bergen. Die UCS rät zur Vorsicht". #128
Und Stephen Nottingham macht darauf aufmerksam, dass "Gentechnik üblicherweise fremde Gene in einen Organismus überträgt, die es vorher im Genpool dessen Art nicht gab, ... die Einpflanzung eines fremden Genes hat mit größerer Wahrscheinlichkeit physiologische oder biochemische Wirkungen als" herkömmliche Pflanzenzucht. #129 Solche Gefahren werden noch dadurch verschärft, dass die Konzerne die GV-Sorten rasch und weltweit einsetzen. Zu dem Zeitpunkt, da solche Gefahren sichtbar werden, mag es schon zu spät sein, um sie abzuwenden oder einzudämmen.
Das Argument, dass es nur wenige solche Risiken gäbe, weil die Wissenschaftler einfach nur ein Gen für eine bestimmte Eigenschaft einfügen, das also keine anderen Wirkungen hat, führt gründlich in die Irre. Diese Ansicht wird von der "British Food and Drink Association" (Britische Ess- und Trinkvereinigung) schön zusammengefasst, sie "erklärt": "Forscher können jetzt genau das Gen einzeln ermitteln, das eine bestimmte Eigenschaft steuert, sie können es herausnehmen, ein zweites Exemplar anfertigen und dieses in einen anderen Organismus einfügen. Dieser Organismus (und seine Nachkommen) haben dann die gewünschte Eigenschaft". #130 Wenn das Leben nur so einfach wäre! Dieser Ansatz beruht auf einem grundsätzlich falschen, wenn auch weitverbreiteten Verständnis von Biologie und Genetik, auf dem sogenannten "Reduktionismus".
Hier lohnen sich ein paar erklärende Worte: Gene sind einfache Chemikalien, die in jeder Körperzelle von Lebewesen anzutreffen sind. Sie bestehen aus langen Ketten einer Chemikalie namens DNS (Desoxyribonukleinsäure). Die Gesamtheit der Gene in einem Organismus heißt Genom. Gene spielen eine wichtige Rolle bei der Entwicklung, dem Funktionieren und der Reproduktion von Lebewesen. Sie sind aber weder ein "Bauplan", noch "determinieren" sie einfach die physikalischen Eigenschaften, geschweige denn das Verhalten. Sie spielen allerdings eine wesentliche Rolle bei der komplexen Chemie der Zellen, die eine lange Reihe von Prozessen und eine Vielzahl von chemischen Stoffen umfasst, die das Leben formen. Der ganze Vorgang steht auch in ständiger Wechselwirkung mit der äußeren Umwelt. Ein ernstzunehmendes Begreifen, was Leben ist, muss eine ordentliche Untersuchung dieser Totalität umfassen und auch ein ordentliches Verständnis davon, wie Gene funktionieren. Aber dies wird von der "reduktionistischen" Sichtweise nicht geleistet, die die Gentechnik anleitet. Sie nimmt einfach an, dass die einzelnen Gene die Eigenschaften von Lebewesen direkt determinieren. Du musst einfach ein Gen nehmen, das etwas "tut", es in einen anderen Organismus einfügen und schon wird es, ohne irgendwelche Nebenwirkungen, dort genau so funktionieren wie vorher, so wenigsten die These.
Das ist schlechte Wissenschaft - die gleiche schlechte, in den letzten Jahren allerdings weitverbreitete Wissenschaft, die die Behauptungen begründen soll, dass es Gene für Intelligenz, Kriminalität, Gewalt und vieles andere gäbe. Wie sagt die Genforscherin Mae Wan Ho richtig? "Gentechnik ist wirklich schlechte Wissenschaft, für den schnellen Profit arbeitet sie Hand in Hand mit der Großindustrie zusammen". #131 Die Wissenschaft selbst hat gezeigt, dass Gene viel komplizierter und weniger verstanden sind, als es uns die vereinfachenden Behauptungen der Gentechniker der GV-Konzerne weismachen wollen. Wir wissen zum Beispiel, dass die Umwelt tatsächlich Gene verändern kann. #132 Dies und eine ganze Latte anderer Entwicklungen der letzten Zeit haben die reduktionistische Sichtweise zertrümmert. Eine ausführliche Erörterung dieser Punkte liegt außerhalb des Umfangs dieses Aufsatzes, interessierte LeserInnen seien auf die Literaturangaben am Ende verwiesen. Nach dem heutigen Stand der Wissenschaft sieht es nach einem "fließenden Genom" aus, das in seiner Funktionsweise viel komplizierter und feiner ist, als es uns die Genfans weismachen wollen.
Dieser Punkt ist von entscheidender Bedeutung, bedeutet er doch, dass alle Behauptungen über die Sicherheit von GV-Produkten auf unwissenschaftlichem Boden stehen. Darüber hinaus gibt es inzwischen immer mehr Hinweise, dass all die Dinge, die laut den GV-Konzernen angeblich nicht passieren können, tatsächlich passieren. Die ersten Warnungen vor den Gefahren kamen tatsächlich von den gentechnischen Wissenschaftlern selbst. So wurde in den 70er Jahren festgestellt:

... die Molekulargenetiker, die die Techniken entdeckten oder in der Entwicklung und Anwendung der Gentechnik ganz vorne waren, wurden sich der Gefahr bewusst, dass sie eine Büchse der Pandora öffneten ... Dies führte zu der Asilomar-Erklärung, die verlangten, die Gentechnik solange auszusetzen, bis angemessene Regulierungen und Leitlinien verabschiedet seien. Die Wissenschaftler handelten verantwortlich. Sie erkannten als erste die Gefahren, deshalb brachten sie die Angelegenheit an die Öffentlichkeit und gleichzeitig ordneten sie für ihre eigene Forschung eine Pause an. #133

Solche beispielhafte Vorsicht war schnell weggewischt, als die Großindustrie die Chance auf Profit witterte. Sie kaufte die Wissenschaftler im Dutzend und einigen Wissenschaftlern konnte es leider nicht rasch genug gehen, selbst mit dem Strom zu schwimmen und Geschäftsmann oder auch -frau zu werden. Andere Wissenschaftler sahen sich immer mehr unter Druck gesetzt, da Kürzungen der staatlichen Forschungsgelder bedeuteten, dass sie immer mehr auf privatwirtschaftliche Finanzierung angewiesen waren. So führt die Harvard-Biologin Ruth Hubbard aus:

Wissenschaftler stehen immer mehr unter dem Zwang, mit der Großindustrie ins Bett zu gehen.... War früher einmal die Forschung größtenteils neutral, so muss sie jetzt eine ganze Reihe von Zahlmeistern befriedigen. Es gibt keine Unparteilichkeit mehr, statt dessen werden die Forschungsergebnisse hinter verschlossenen Türen verwaltet und geknetet oder sogar weggeschlossen, wenn sie nicht den richtigen Interessen dienen. #134

Eine Gefahr der GVOs sind neue Nahrungsmittelallergien. Dies ist keine Kleinigkeit, wie jedermann, der ein Kind hat, das gegen Nüsse allergisch ist mit möglicherweise schwerwiegenden Folgen, bezeugen kann. Alle Gene funktionieren, indem sie Proteine schaffen helfen. GV-Produkte werden also andere Proteine haben. Aber die Funktionsweise von Genen ist so kompliziert, dass dies kein einfacher Vorgang ist, bei welchem das mit einem übertragenen Gen verbundene Protein so auch im GV-Produkt anzutreffen ist. Das hat große Auswirkungen für die Entstehung von Allergien. "Mit transgenische Sorten", warnt die "Union of Concerned Scientists", "könnten neue allergieerzeugende Stoffe in Nahrungsmittel gelangen. Die anfälligen Menschen können nicht wissen, wie solche Nahrungsmittel zu vermeiden sind. Diese Schwierigkeit tritt nur bei der Gentechnik auf, weil nur sie Proteine über Artgrenzen hinweg in völlig andere Organismen übertragen kann. ... Die jüngste Forschung verschafft Sorgen, wonach Gentechnik bisher sichere Nahrungsmittel allergieauslösend gemacht hat, eine reale Grundlage. #135 Auf ähnliche Weise könnten neue Giftstoffe in Pflanzen erzeugt werden: "Pflanzen haben inaktive Reaktionsketten, die zu giftigen Stoffen führen. Durch neues durch die Gentechnik hinzugekommenes genetisches Material könnten diese inaktiven Reaktionsketten wieder aktiviert werden." #136
Eine große Gefahr der GV-Produkte ist die zunehmende Resistenz gegen Antibiotika. Diese Gefahr ist schon im Wachsen begriffen, neue Arten tödlicher bakterieller Krankheiten erscheinen, die resistent gegen viele Antibiotika sind. Das Problem kommt von dem Übereinsatz von Antibiotika in der Humanmedizin, aber noch mehr von der weitverbreiteten und unnötigen (abgesehen vom Profitinteresse) Anwendung in der Landwirtschaft zur Beschleunigung des Wachstums der Tiere. Bakterien, die ständig Antibiotika ausgesetzt sind, können schnell resistent werden. Eine vernünftige Politik versuchte die Anwendung von Antibiotika auf die Fälle zu beschränken, wo sie wirklich gebraucht werden, um ihre Wirksamkeit zu erhalten.
Statt dessen werden GV-Produkte auf eine Art konstruiert, die die Gefahr einer weiteren Ausbreitung der Resistenz gegen Antibiotika noch erhöht. Versuchen nämlich Gentechniker ein neues Gen einzubauen, wissen sie anschließend nicht, ob dies in der von ihnen erhofften Weise gelungen ist (was übrigens daran liegt, dass die Funktionsweise der Gene zu kompliziert für ihre einfachen Modelle ist). Sie haben nun einen Weg gefunden, dieses Problem zu umgehen. Dem Gen, das sie einzubauen versuchen, fügen sie ein anderes hinzu, das die Resistenz gegen Antibiotika überträgt. Wird ihr Gen vom Zielorganismus angenommen, dann wahrscheinlich auch das Gen mit der Resistenz gegen Antibiotika. Die Wissenschaftler durchtränken dann alle Zielzellen oder -pflanzen mit Antibiotika. Bei denjenigen, die zugrunde gehen, hat die Genveränderung nicht geklappt, bei den Überlebenden schon.
Die Schwierigkeiten kommen dann danach. Die "Union of Concerned Scientists" macht folgendes klar:

Auch wenn sie von keinem weiteren Nutzen sind, werden die Gene mit der Antibiotikaresistenz weiterhin in Pflanzengewebe eingepflanzt. Die meisten genetisch veränderten pflanzlichen Nahrungsmittel sind Träger von voll funktionsfähigen Genen mit Antibiotikaresistenz. Gene mit Antibiotikaresistenz in Nahrungsmitteln könnten zwei schädliche Wirkungen haben: erstens könnte der Verzehr solcher Nahrungsmittel die Wirksamkeit von Antibiotika gegen Krankheiten vermindern ... Zweitens könnten die Resistenzgene auf Erreger menschlicher oder tierischer Krankheiten übertragen werden und sie so unempfindlich gegen Antibiotika machen. #137

Eine weitere Gefahr ist, dass Gene von veränderten Sorten wahrscheinlich auf andere Pflanzen übertragen werden. "Neue in Kulturpflanzen eingebrachte Gene müssen nicht auf den Anbauflächen bleiben. Wachsen Arten, die mit den veränderten Kulturpflanzen verwandt sind, nahe dem Feld, können die Gene leicht über Pollen in diese Arten gelangen. Die neuen Eigenschaften könnten den wilden oder den Unkrautvarianten der Kulturpflanzen die Fähigkeit verleihen, dort zu sprießen, wo sie nicht erwünscht sind." #138 Es besteht die reale Aussicht, dass Superunkräuter entstehen, die gegen Unkrautvernichtungsmittel resistent sind. Eine weitere Gefahr ist, dass Insekten immer stärker gegen Pflanzenschutzmittel resistent werden. "Bt-Sorten sind gentechnisch so konstruiert, dass sie ein Gen für die Bt-Gifte enthalten. Weil die Sorten während ihres ganzen Lebenslaufes ständig in den meisten Teilen des Pflanzengewebes das Gift erzeugen, sind die Schädlinge ständig dem Gift ausgesetzt. Weil die Schädlinge ständig dem Gift ausgesetzt sind, erfolgt in der Schädlingspopulation eine Auswahl zugunsten derjenigen seltenen Gene, die resistent machen". #139 Solche Bt-Sorten sind zentraler Bestandteil aller Pläne der GV-Konzerne.
Von den Gefahren, die von den GV-Produkten ausgehen, macht diejenige neuer Viruskrankheiten vielleicht am meisten Angst.

Mit am häufigsten wird die Gentechnik zur Herstellung von solchen Sorten verwendet, die mit Viren leben können. Solche Sorten werden hergestellt, indem Bestandteile des Virus in das Pflanzengenom eingepflanzt werden. Solche Pflanzen bilden jedoch neue Gefahren aus, indem sie neue oder schlimmere Viren schaffen, [die] eine größere Reihe von Gastpflanzen infizieren können oder die noch virulenter sein können als das Elternvirus. #140

Stimmt dies schon bei Pflanzen, dann kann man eine Gänsehaut bekommen, wenn man an die möglichen Folgen für die menschliche Gesundheit denkt, entwickeln die Konzerne erst einmal genetisch veränderte Tiere.
Man erzählt uns, dass all diese Risiken reine Mutmaßungen sind und dass es dagegen ordentliche eingebaute Sicherungen gibt. Auch diese Behauptungen sind falsch. Bei fast allen dieser gefährlichen Möglichkeiten konnte man den Nachweis führen, dass sie in der Praxis auch eingetreten sind.
1999 wurde herausgefunden, dass Pollen von Bt-Mais den Monarch-Schmetterling töten konnten. #141 Ähnliche Ergebnisse wurden bei Netzflüglern gefunden. In Schottland starben Marienkäfer, die mit Läusen gefüttert worden waren, die ihrerseits GV-Kartoffeln gegessen hatten, früher und hatten verkümmerte Nachkommen. #142 Das letzte Beispiel unterstreicht, wie wichtig es ist, die Umwelt in ihrer Gesamtheit zu betrachten, auch wenn man nur einen Teil davon ändern will. Pflanzen und Tiere sind Teil eines komplizierten Ökosystems und wenn man davon einen Teil ändert, kann dies unerwartete Nebenwirkungen haben. Bei der Genveränderung der Kartoffeln war es darum gegangen, zur Eindämmung der Läuse beizutragen. Aber auch den Marienkäfern kommt eine wichtige Rolle bei der Eindämmung der Läuse zu. Belastet eine genetische Veränderung die Marienkäfer, kann im Endergebnis die Läuseplage schlimmer als vorher sein. Solche Überlegungen liegen üblicherweise den GV-Konzernen fern, die nur hören wollen, wie sie eine Ware profitabel herstellen können.
Im Jahr 2000 wurden Pollen von GV-Sorten, die in Großbritannien gewachsen waren, im Honig von Bienen der Umgebung gefunden, was Behauptungen blamiert, dass GV-Pollen sich nicht weit verbreiten könnten. #143 Von einem Monsantoberater sickerte eine Notiz durch, die zeigt, dass die Firma sehr genau weiß, dass ihre Behauptungen, GV?Material könnte sich nicht weit verbreiten, falsch sind. "[Monsanto] kann wohl wenig tun", dies zu verhindern, stellte die Notiz fest, trat aber doch dafür ein, dass aus politischen Gründen, man "wenigstens so tun sollte, als ob man an einem Programm arbeite zur engeren Überwachung der GV-Versuchsfelder." #144
Schließlich warnten im Mai 2000 deutsche Wissenschaftler, sie hätten Befunde, dass Gene von GV-Sorten über Artengrenzen springen könnten. Sollte sich dies als wahr herausstellen, müsste man mit Schrecklichem rechnen. Professor Hans-Hinrich Kaatz von der Universität Jena fand Gene von gentechnisch verändertem Raps in Bakterien und zur Zeit werden die Forschungsergebnisse noch geprüft, aber Professor Kaatz sagt, dass die vorläufigen Ergebnisse nahe legen, dass "diese Gene ... in den Bakterien des Verdauungstrakts der Bienen waren und sie scheinen in deren Genom hinein gelangt zu sein". #145
Angesichts solcher Gefahren gibt es nur eine vernünftige Antwort: solange die GV-Erzeugnisse verbieten, bis mehr Forschungs- und Prüfergebnisse vorliegen und zwar von staatlich bezahlten, unabhängigen Wissenschaftlern, nicht von den Konzernen. Stattdessen preschen die Konzerne und die Regierungen mit einem gefährlichen weltweiten Experiment voran mit möglicherweise ernsten Folgen für Umwelt und Menschen.

Zuerst kommt das Geschäft

Im. Februar 2000 wurde die US-Regierung beschuldigt, den Rat ihrer eigenen wissenschaftlichen Berater zu den Gefahren von GV-Produkten zu verheimlichen. Einen zentralen Teil der Argumentation der GV-Konzerne bildet die Lehre von der "substanziellen Äquivalenz". Das läuft zum Beispiel auf die Behauptung hinaus, dass eine GV-Rübe immer noch eine Rübe ist und daher "substanziell äquivalent" einem Erzeugnis, das bereits auf dem Markt ist und von dem bekannt ist, dass es sicher ist. Deshalb, so das Argument, bestehe keine Notwendigkeit für strengere Kontrollen oder Tests. Die "US Food and Drug Administration" (FDA, US-amerikanische Nahrungsmittelbehörde) nutzte diese These, um den Konzernen für die Vermarktung ihrer Erzeugnisse grünes Licht zu geben. Der Rechtsanwalt Steve Druker untersuchte 44 000 Seiten der Schriftstücke, auf die sich die FDA bei ihrer Schlussfolgerung berief und fand dort eine ganz andere Darstellung. Tatsächlich äußerten elf der 17 wissenschaftlichen Fachleute in der Arbeitsgruppe der FDA zur Gentechnik ihre Besorgnis über diesen Begriff der "substanziellen Äquivalenz" aus den oben schon geschilderte Gründen, weil eben Gene komplizierter funktionieren, als es von den Konzernen zugegeben wird. Einer der Wissenschaftler der FDA schrieb: "Es gibt einen tiefen Unterschied zwischen den unerwarteten Wirkungen der herkömmlichen Zucht und denjenigen der gentechnischen Zucht, [die] gefährlicher sein können". #146 Doch die US-Regierung ging einfach über solche Einwände hinweg und erklärte, dass aus ihrer Sicht alles mit rechten Dingen zuginge. #147
Aus den gleichen Dokumenten ging hervor, dass Wissenschaftler über die Sicherheit von GV-Nahrung ernstlich besorgt waren. Anlass zur Sorge war eine 1993 erstellte Untersuchung über eine von der Firma Calgene hergestellte GV-Tomate namens "Flavr Savr". Aus Aufzeichnungen, die erst 2000 veröffentlicht wurden, ging hervor, dass zwanzig Prozent der mit diesen Tomaten gefütterten Ratten "starke Bauchverletzungen" hatten. Calgene befand diese Verletzungen als "zufällig". Wissenschaftler äußerten ihre Besorgnis, ob dieser Befund gerechtfertigt sei, konnten sich aber wieder nicht durchsetzen. #148 Solche Dinge geschehen nicht nur in den USA. Der in Schottland arbeitende Dr. Arpad Pusztai behauptete im August 1998, dass er Hinweise für gesundheitliche Probleme von mit GV-Kartoffeln gefütterten Ratten gefunden hätte. Er wurde in den Ruhestand gezwungen und seine Forschungsergebnisse von seinem Arbeitgeber, dem Rowett Research Institute, zurückgehalten. Später kam heraus, dass dieses Institut von Monsanto Geld erhielt. #149
Es geht gar nicht darum, ob all diese Behauptungen über die Schädlichkeit von GV-Produkten wahr sind. Es geht darum, dass ihnen nicht ordentlich nachgegangen wird, und es herrscht eine Stimmung, in der die GV-Konzerne und der Staat versuchen, diejenigen unglaubwürdig zu machen und unter Druck zu setzen, die unbequeme Fragen stellen. Manchmal kommt die wahre Haltung des "genetisch-industriellen Komplexes" zum Vorschein. Phil Agnell, ein Direktor von Monsanto, sprach es brutal aus: "Es ist nicht unsere Aufgabe, für die Sicherheit der GV-Nahrung gerade zu stehen. Unser Interesse ist es, so viel wie möglich davon zu verkaufen".#150
Die GV-Konzerne machen Druck für nationale und internationale Regeln und Einrichtungen zur Förderung ihrer Interessen. In Großbritannien beispielsweise behauptet New Labour, sie wolle sich bei ihrer Genpolitik auf unabhängigen, objektiven Rat stützen. Aber der Wissenschaftsminister Lord Sainsbury bekundete "ein großes Interesse daran, dass Firmen die Technologie für GV-Nahrung entwickeln. Es versprach, sich nicht in die Politik zur GV-Nahrung einzumischen. Aber er ist schon getadelt worden, weil er einer biotechnologischen Handelsmission nach Korea vorgestanden hat und weil er einem mit diesem Thema befassten Kabinettsunterausschuss vorsitzt". #151 Die Regierung holt ihren Rat von ihrem "unabhängigen" "Advisory Committee on Novel Foods and Processes" (Beratender Ausschuss für neue Nahrungsmittel und -herstellung). Doch 1999 waren acht Mitglieder dieses Ausschusses mit Firmen verstrickt, die mit Biotechnik, Saatgut und Nahrungsmittelherstellung und -einzelhandel zu tun hatten. #152
In den USA sieht es sogar noch schlimmer aus:

Monsanto gibt viel Geld sowohl an die Demokratische wie die Republikanische Partei und and die Kongressabgeordneten, die in den Ausschüssen zur Gesetzgebung über Nahrungsmittelsicherheit sind, und wurde so praktisch zum Altersruhesitz für Mitglieder der Clintonadministration. Regierungsbeamte aus den Bereichen Handel und Umweltschutz und andere Clintonleute gingen für gut bezahlte Stellen im Aufsichtsrat von Monsanto weg, während Direktoren von Monsanto und der übrigen biotechnischen Industrie durch dieselbe Drehtür hereinkamen, um Stellen in der Regierung und deren Aufsichtsbehörden einzunehmen. #153

Mickey Kantor war Wahlkampfleiter für Clinton bei der Präsidentenwahl 1992 und Leiter der Handelsdiplomatie der USA, bevor er Mitglied im Aufsichtsrat von Monsanto wurde. #154
Solche Beziehungen, in Verbindung mit der konzernfreundlichen Denkhaltung in den Regierungen der großen Industriestaaten bedeuten, dass diese Leute die Gesetze so bilden und die Regeln internationaler Einrichtungen so gestalten, dass für die GV-Konzerne der Weg geebnet wird, und dass die bestraft werden, die im Wege stehen.
So hat die US-Regierung entschlossen Versuche zurückgewiesen, die auf eine zwangsweise Trennung von genetisch veränderten Sojabohnen von nicht veränderten abzielten, und sie hat ebenfalls Bemühungen um eine Auszeichnungspflicht für GV-Nahrungsmittel abgewehrt. #155 Die Europäische Union wischte Einwände gegen GV-Produkte beiseite, damit diese ab 1996 importiert werden konnten. #156 Dabei stieß sie allerdings auf einige Schwierigkeiten, als sich öffentlicher Widerspruch regte. Besonders die französische Regierung wurde von Bauern, Umweltschützern und einer breiteren Stimmung in der Bevölkerung unter Druck gesetzt, sich gegen die GV-Konzerne zu stellen. Das Ergebnis war, dass 1999 trotz Einspruchs der New-Labour-Regierung von Großbritannien - die wie üblich der beste Freund der Konzerne war - die EU weitere Genehmigungen von GV-Erzeugnissen bis auf weiteres aussetzte. Aber im Juli 2000 signalisierte die Europäische Kommission, dass sie sich dem anhaltenden Druck der Großindustrie und der US-amerikanischen und britischen Regierung beugen werde und beabsichtigte, rasch einen Antrag zur Aufhebung des Moratoriums durchzubringen. Es hat über GV-Produkte zwischen den USA und Europa eine Reihe anderer Zusammenstöße gegeben, wobei Großbritannien üblicherweise sich auf die Seite der USA stellt. Die spiegelt eine komplizierte Gemengelage europäischer Handelsrivalitäten zu den USA wider und auch die Tatsache, dass der Druck der Öffentlichkeit gegen GV-Erzeugnisse in Europa stärker ist. Kürzlich hat eine Umfrage gezeigt, dass zwei Drittel der Menschen in Europa gegen GV-Produkte sind. #157 In Österreich unterzeichneten 1,2 Millionen Menschen eine Petition, die das Verbot von GV-Erzeugnissen forderte. #158 In vielen europäischen Ländern, einschließlich Großbritannien, richteten sich Proteste auch gegen Anbauflächen von GV-Sorten. Regierungen, die wiedergewählt werden möchten, können solche Stimmungen der Öffentlichkeit nicht völlig unbeachtet lassen. Unter dem Druck von Wissenschaftlern und der öffentlichen Meinung hat die Europäische Union schließlich hormonbehandeltes Rindfleisch und Milch mit "Wachstumshormonen" verboten. Die USA brachte die Welthandelsorganisation dazu, dieses Rindfleischverbot für vertragswidrig zu erklären, zu einem Hemmnis für den "freien Handel". Die USA führten Strafsanktionen gegen das Rindfleischverbot ein, auch gegen französischen Roquefortkäse. Infolge dieser Auseinandersetzung konnte man erleben, wie Bauern im Süden von Frankreich, organisiert von der "Confédération Paysanne" und unter Führung von José Bové den McDonald's in der Stadt Millau im Sommer 1999 auseinandergenommen haben. Dieser Fall kam im Juni 2000 in Millau vor Gericht und wurde zum Brennpunkt eines gewaltigen 100 000 Teilnehmer starken Protestes. Es war ein Protest, bei dem die Stimmung gegen die Einrichtungen des weltweiten Kapitalismus und die Wut darüber, wie die Konzerne sich die Welt aneignen, miteinander verschmolzen.
Der Versuch der USA, die Welthandelsorganisation (WTO) dazu zu benutzen, das Milchverbot für vertragswidrig zu erklären stieß jedoch auf Schwierigkeiten, als die US-Regierung zugeben musste, dass sie den Verkauf des Wachstumshormons BST (bovines Somatotropin) zugelassen hatte ohne tatsächlich vorher irgendwelche Daten über die Sicherheit zu Gesicht bekommen zu haben. Statt dessen hatte sie sich völlig auf eine Übersicht verlassen, die ausgerechnet von Monsanto geliefert worden war! Wohl zum ersten Mal in ihrer Geschichte entschied die WTO gegen die USA. #159 Ob diese Entscheidung Bestand haben wird, ist einigermaßen fraglich. Während dies geschrieben wurde, bahnte sich über die Frage der Kennzeichnung von GV-Produkten eine neue Kraftprobe zwischen Europa und den USA an. Die USA sperren sich völlig dagegen, während die Europäische Union unter öffentlichem Druck zumindest eine gewisse Kennzeichnung möchte. Wieder drohen die USA, die WTO anzurufen, um Sanktionen zu verhängen falls sie nicht ihren Willen bekommen. #160
Dies sind ernstzunehmende Kraftproben zwischen Europa und den USA. Aber es geht großenteils darum, wie und wie schnell die GV-Konzerne ihre Produkte einführen können. Es wäre ein Fehler, Europa als eine gutwillige Macht anzusehen. Wer so denkt, sollte wissen, dass in Großbritannien Menschen bereits ohne ihre Wissen BST-Milch ausgesetzt waren. 1987 und 1988 wurde unter der konservativen Regierung von Margaret Thatcher Milch mit Wachstumshormonen von etwa 3000 Kühen der allgemeinen Milchversorgung beigemischt. #161 In jüngerer Zeit, im. April 2000 stimmte das Europäische Parlament für einen Beschluss, der "anordnete, dass die großen GV-Hersteller wie Monsanto nicht rechtlich zur Verantwortung gezogen werden dürften, falls ihre Nahrungsmittel sich als schädlich für Menschen oder Umwelt erweisen sollten". #162
Diese Machtproben zwischen Europa und den USA sind nachrangig gegenüber der Eintracht, die beide verbindet, um Einrichtungen wie die WTO dazu zu benutzen, diesen Produkten den Weg zur übrigen Welt frei zu machen. #163 Es läuft nicht immer alles glatt und die Konzerne mussten manche symbolische Geste machen, um Widerstand abzuwehren. Außer dem bereits erwähnten Widerstand in Europa hat es breite und kämpferische Proteste in vielen Ländern der dritten Welt gegeben, vor allem in Indien. Das Zugeständnis, das am meisten ernst zu nehmen ist, haben westliche Regierungen angesichts solchen Widerstands mit dem "Übereinkommen über die biologische Vielfalt" gemacht, das im Januar 2000 auf der internationalen Konferenz in Montreal von den Regierungen angenommen worden ist. Sogar die USA mussten das "Vorsichtsprinzip" hinnehmen, nach dem Staaten aus Gesundheit und Umweltgründen Einfuhren von GV-Produkten einigen Beschränkungen unterziehen dürfen - freilich kann es Jahre dauern, bis dieses Übereinkommen in eine irgendwie gesetzlich bindende Form umgesetzt wird. #164
Aber unter dem Druck der Konzerne finden die Industriestaaten immer noch Mittel und Wege um ärmere Länder dazu zu zwingen, GV-Produkte ins Land zu lassen. "Biotechnik wird auch zu einem Bestandteil staatlicher ‚Hilfe'. Westliche Staaten zusammen mit ihren als Geldgeber in Frage kommenden überstaatlichen Organisationen, wie der EU, fangen an, in armen Ländern die Entwicklung ihrer [GV-Sorten] mit öffentlichen Geldern zu finanzieren. ... Die Weltbank sucht nach Wegen, wie sie die Entwicklung landwirtschaftlicher Gentechnik fördern könnte". #165 Scheitern solche "legalen" Methoden, gibt es immer noch andere Möglichkeiten. "In Russland wissen wir" sagt Olga Berlova, eine russische Umweltschützerin, "von Organisationen der UN, dass GV-Sojabohnen angepflanzt werden, doch sogar russische offizielle Stellen können keine Informationen von den Konzernen bekommen. Die Konzerne bezahlen russische Institute für die Durchführung der Versuche und umgehen das Aufsichtssystem". #166

Lebensende - Zukunftsvision Terminator

Die GV-Konzerne haben die Zukunftsvision, eines Tages die ganze Nahrungskette "von der Aussaat bis zum Teller" unter ihre Kontrolle zu bringen. Der entscheidende Schritt bei diesem Vorhaben ist die Kontrolle des Saatgutes. Das steckt hinter dem raschen Aufkauf von Saatgutfirmen durch die GV-Konzerne. Eine entscheidende Schwierigkeit dabei ist, wie man die Bauern davon abhalten kann, etwas zu tun, was sie seit Tausenden von Jahren tun - aus der Ernte eines Jahres die Saatkörner für das Säen im nächsten Jahr zu nehmen, außerdem solche Saatkörner an andere Bauern weiterzugeben, mit ihnen zu tauschen oder sie an diese zu verkaufen. Wenn das nicht geblockt werden kann, werden sich die Möglichkeiten für die Konzerne in Grenzen halten. Die Antwort der Konzerne ist also, systematisch an der Durchsetzung dieser Blockade zu arbeiten.
Ihre Strategie stützt sich auf mehrere wesentliche Elemente. Zum einen werden Saatgut und tatsächlich einzelne Gene patentiert (das gleiche läuft mit menschlichen Genen beim "Human Genome Project"). Sie behaupten, dass GV-Saatgut nicht dasselbe sei wie nicht genetisch veränderte Saaten, dabei scheint sie ihre eigene Behauptung, beides sei "substanziell äquivalent", nicht zu scheren. Sie argumentieren, dass ihre Gentechnik ein "neues" Produkt schüfe, das dann patentiert werden könne, und jeder der es verwenden möchte, muss den Konzernen dafür bezahlen. Um dies durchzusetzen, setzen sie internationale Einrichtungen wie das WTO- und das dazugehörige TRIPS-Abkommen (Trade Related Intellectual Property Rights, Übereinkommen der handelsbezogenen Aspekte der Rechte des geistigen Eigentums) ein, Abkommen, die im Prinzip solchen Patenten weltweit Geltung verschaffen und so "die Aufbewahrung und das Teilen von Saatgut kriminalisieren". #167 Das wird sogar dazu benutzt, um Konzernen die Patentierung von Pflanzen, die schon lange angebaut werden, zu erlauben. Das extremste Beispiel ist die Patentierung von Basmatireis durch die Firma RiceTec, die ihr Hauptquartier in Texas hat. Auf indische Bauern, die seit Jahrhunderten Basmatireis gezüchtet und angebaut haben, kommt womöglich zu, dass sie, damit sie dies weiter tun dürfen, in Zukunft US-Konzernen dafür bezahlen müssen. #168
Der höchste Traum der GV-Konzerne ist es, Saaten zu schaffen und Bauern zu zwingen, diese zu verwenden, die in einem Jahr zur Pflanze werden, deren Saatkörner aber bei der Ernte unfruchtbar sind. Ein erster Schritt auf dieses Ziel hin wurde bereits Anfang des 20. Jahrhunderts getan, als für viele Grundnahrungsmittel, zuerst bei Getreide und dann bei anderen Sorten und später sogar bei Tieren wie Geflügel und Schweine Kreuzungen gezüchtet wurden, deren Erträge größer als die der vorherigen Arten waren. Auf dieser Grundlage wurde den Bauern nahegelegt, diese gekreuzten Sorten zu verwenden. Es gab zwar andere Methoden, die ebenfalls höhere Erträge erbrachten, aber die Kreuzungen hatten einen großen Vorteil. Sie werden aus verschiedenen "inzüchtigen" Arten gekreuzt, und sind deshalb nicht fortpflanzungsfähig, der Bauer ist somit gezwungen jedes Jahr neues Saatgut zu kaufen. #169.
Mit den GV-Sorten soll jedoch noch viel mehr erreicht werden und das Ziel ist eine Landwirtschaft, bei der alle auf der Welt angebauten Sorten unfruchtbares Saatgut hervorbringen. Dieser Geist steht hinter dem Bestreben, eine "Terminator"-Technologie zu entwickeln, Saaten gentechnisch so zu verändern, dass die aus ihnen entstehenden Pflanzen selbst kein fruchtbares Saatgut hervorbringen.
Im März 1998 patentierte die "US Delta and Pine Land Company" diese Terminatortechologie. Zwei Monate später wurde diese Firma von Monsanto aufgekauft. Die Gefahr, die von dieser Technologie ausgeht, stieß weltweit auf Entrüstung. Sogar eifrige Unterstützer von GV-Produkten fürchteten, dies könnte starken Widerstand mobilisieren mit entsprechend schweren Problemen. Deshalb erklärten im. April 1999 Monsanto und AstraZeneca öffentlich, dass sie die Pläne, die Terminatortechnologie kommerziell zu entwickeln, fallen ließen. #170 Aber Jubel erwies sich als verfrüht. Die Konzerne entwickeln Terminator weiterhin und auch die damit verbundene Traitor-Technologie. Letztere bedeutet, dass die Eigenschaften (traits) einer Pflanze (einschließlich Fortpflanzungsfähigkeit) nur mit Hilfe besonderer Chemikalien "eingeschaltet" werden können, die natürlich nur von den Konzernen geliefert oder aber zurückgehalten werden können. So warnt die "Rural Advancement Foundation International" (RAFI, Internationale Stiftung für ländliches Vorankommen):

Nachdem Monsanto und AstraTeneca öffentlich gelobt hatten, Terminatorsaaten nicht zu kommerzialisieren, wurden Regierungen und Bürgerinitiativen so eingelullt, dass sie dachten, die Krise sei vorbei. Nichts könnte ferner der Wahrheit sein. Die Forschung an Terminator und Traitor geht mit voller Geschwindigkeit weiter. #171

Im März 2000 gab Harry Collins von "Delta and Pine" zu: "Wir haben einfach weitergemacht am Technologieprotektionssystem [Terminator]. Wir haben nie wirklich langsamer gemacht. Wir sind in der Zeitplanung, sind auf dem Weg zur kommerziellen Nutzung. Wir sind nie wirklich davon abgerückt". #172
Die GV-Konzerne aus ihrem Trieb heraus, die ganze Welt und alles auf ihr in eine profitable Ware zu verwandeln, wollen die grundlegendste Eigenschaft allen Lebens, die Fähigkeit sich fortzupflanzen, vernichten. So legen die Biologen Richard Lewontin und Jean Pierre Berlan dar, dass für die Konzerne "die Natur im Gegensatz steht zu dem ‚natürlichen Recht" auf Profit". #173 Die gleiche kranke Logik wird in den eigenen Veröffentlichungen der GV-Konzerne offen ausgesprochen. Monsanto beschuldigt Bienen, sie "maßten" sich Pollen an und Pflanzen, die Vitamin A erzeugen, das Kinder vor Erblinden schützen kann, "stehlten den Sonnenschein" von ihren GV-Pflanzen. #174 Alles was sie daran hindern will, die Welt mit allem was darauf ist in eine Ware zu verwandeln, ist ein Feind, der vernichtet werden muss. Und in ihrem Streben, das Leben selbst in eine Ware zu verwandeln und die Nahrungsmittelproduktion weltweit unter ihre Fuchtel zu bekommen, sind die Konzerne bereit, Umwelt und Mensch auf das schrecklichste aufs Spiel zu setzen. Deshalb handeln all die richtig, die gegen die GV-Konzerne protestieren und sich ihnen widersetzen und die nach einem Verbot gegen die Zulassung von GV-Produkten rufen.

Die Wissenschaft - Freund oder Feind?

Es gibt aber ernste Auseinandersetzungen und Unterschiede zwischen den Gegnern der GV-Produkte, die einer kurzen Erörterung bedürfen. Einige, in Großbritannien fällt dabei am meisten Prinz Charles auf, benutzen den Widerstand gegen GV-Sorten, um sich stark zu machen für eine Ablehnung jeglicher Art von Wissenschaft und für einen Rückzug in das "Irrationale" mit dem Argument, die Herstellung von GV-Sorten "maße sich göttliche Kräfte an" und "spiele mit der Schöpfung". #175 Unglücklicherweise wurden diese Argumente von Charles von einigen führenden Umweltkämpfern unterstützt. Die Wissenschaftlerin Mae Wan Ho, eine führende Kritikerin der GV-Produkte, sagte, sie wäre "ziemlich zufrieden" damit wie Charles argumentiere, wie er den "wissenschaftlichen Rationalismus" angreife und "unser Gefühl für das Heilige" hervorhebe. #176
Dies ist eine zutiefst falsche Einstellung. George Monbiot greift Charles und seine Anhänger zu Recht an und argumentiert hervorragend:

Die Gentechnik bei Kulturpflanzen ist nicht deshalb gefährlich, weil sie "sich göttliche Kräfte anmaßt" oder "mit der Schöpfung spielt", sondern weil sie der Großindustrie eine monopolistische Kontrolle über die Nahrungskette gewährt mit zerstörerischen Folgen für die Armen und das Ökosystem. Die Schwierigkeiten kommen nicht von der Wissenschaft, sondern aus dem politischen und wirtschaftlichen Umfeld, in dem die Wissenschaft wirkt. Ob Wissenschaft für oder gegen uns verwendet wird, hängt davon ab, wer über die Geldbörse verfügt. #177

Die Tatsache, dass einige Umweltschützer so tief sinken, dass sie superreiche Reaktionäre wie Prinz Charles verteidigen, spiegelt eine tiefere Schwäche einiger ihrer Argumente wider. Sie neigen dazu, die "traditionelle" bäuerliche Landwirtschaft zu idealisieren und geraten auf die schiefe Bahn, indem sie Wissenschaft als einen Versuch, die Natur zu "beherrschen", ablehnen. Oft verbinden sie dies mit dem Versuch, diesen Standpunkt als irgendwie "feministisch" vorzustellen, mit der Begründung, dass in der alten Landwirtschaft Frauen eine größere Rolle gespielt hätten, während Wissenschaft und die industrialisierte Landwirtschaft irgendwie die männliche Vorherrschaft widerspiegeln. Mai Wan Ho, mitten zwischen ihren vielen hervorragenden Argumenten zur Genetik und gegen GV-Produkte, stellt so Wissenschaft und Industrie gegen die angebliche "weltweite Weisheit der indigenen Kulturen". #178 Vandana Shiva, wieder mitten unter hervorragenden Argumenten gegen die Konzerne verfällt in Mystizismus und zitiert zustimmend die angebliche Weisheit hinduistischer religiöser Texte. #179 Sie stellt die These auf, dass "seit über zwei Jahrhunderten patriarchalischer, eurozentrischer und anthropozentrischer wissenschaftlicher Diskurs Frauen, andere Kulturen und Arten als Objekte behandelt" hätte, und stellt dem den "ökologischen Feminismus" entgegen, der "den inneren Wert aller Arten anerkennt". #180
Im Verlauf ihrer Darlegung legen viele dieser Autoren viele wertvolle Kritikpunkte gegen die industrielle Landwirtschaft vor. Aber die Alternativen, die sie bieten, sind voll widersprüchlich und auch zutiefst daneben. Sicherlich gibt es gewaltige Schwierigkeiten mit einer industriellen Landwirtschaft, die der Kapitalismus im Laufe des 20. Jahrhunderts entwickelt hat, selbst wenn sie nicht gentechnisch ist. Ein wesentlicher Bestandteil davon ist die Neigung zu Monokulturen, d. h. große Flächen werden mit einer einzigen Sorte bebaut (oft um dem neoliberalen Argument genüge zu tun, wonach Länder sich in erster Linie auf den Anbau von solchen Sorten für den Weltmarkt beschränken sollen, die rasch Geld bringen). Dies hat wichtige Folgen. Die "Union of Concerned Scientists" weist auf folgendes hin:

Aus dieser Hauptstrategie ergeben sich notwendigerweise weitere Strategien, wie z. B. sich auf Pflanzenschutzmittel zu verlassen. Landwirtschaftliche Betriebe, die nur eine oder zwei Sorten anbauen, laden unausweichlich Schädlinge ein und benötigen üblicherweise große Mengen an Pflanzenschutzmitteln und Unkrautvernichtungsmitteln, um diesen beizukommen. Pflanzt man jedes Jahr die gleichen Sorten an, kann dies den Boden auslaugen, so dass mehr Düngemittel benötigt werden... ähnlich, wenn Vieh eng gehalten wird, dann unterliegen die Tiere wegen der großen Nähe zueinander oft besonders stressigen Lebensbedingungen. In Folge davon können Tiere anfälliger für Krankheiten sein, so dass ein größerer Markt für Antibiotika geschaffen wird. #181

Genau dies hat die moderne kapitalistische Landwirtschaft in großen Teilen der Welt angerichtet. Diese Landwirtschaft passt natürlich zu den Interessen der großen agrochemischen und der anderen Konzerne dieser Art. Sie geht mit all den gut dokumentierten Gefahren der Umweltzerstörung einher. Sie birgt auch andere ernste Gefahren. Im großen Maßstab betriebene Monokulturen beruhen auf einer immer kleineren Anzahl von Unterarten der verschiedenen Anbaupflanzen. In den USA zum Beispiel entfällt auf zwei Bohnenarten 96 % der ganzen Ernte. Es ist äußerst bezeichnend, dass im Weltmaßstab betrachtet mehr als die Hälfte der Weltkartoffelanbauflächen inzwischen mit nur einer Sorte bepflanzt wird ... die Russet-Burbank-Kartoffel, die von McDonald's bevorzugt wird. #182 Aber "auf Tausenden oder gar Millionen von Hektar Kulturpflanzen anzubauen, die genetisch gleich sind, macht die Ernährungsversorgung außerordentlich verwundbar gegen Krankheiten ... eine genetisch uniforme Saatgutauswahl ist eine tickende Zeitbombe". #183
Es trifft auch zu, dass die industrielle Landwirtschaft die soziale Ungleichheit größer werden lassen und viele Kleinbauern in Bankrott und Armut und zum Selbstmord getrieben hat. Sozialisten stehen eindeutig auf der Seite all dieser Leute, wenn sie zur Verteidigung ihrer Lebensgrundlage gegen die miese Welt einer industriellen Landwirtschaft der Kapitalisten und Konzerne ankämpfen.
Dies alles muss freilich abgewogen werden mit der Tatsache, dass die landwirtschaftlichen Methoden des 20. Jahrhunderts die Produktion gewaltig gesteigert haben. In den USA zum Beispiel sind die Getreideerträge im 20. Jahrhundert um über 300 % gestiegen. "Überlieferte" Methoden haben den heutzutage in der Welt benötigten Nahrungsmittelbedarf nicht erzeugt und konnten es gar nicht. Am deutlichsten kommt dieser Zwiespalt bei der "Grünen Revolution" zum Ausdruck, die die Landwirtschaft in der dritten Welt ungefähr in der Zeit von 1950 bis 1984 umgewandelt hat. Die neuen Kreuzungen bei Pflanzen wie Reis und Weizen erbrachten viel höhere Erträge. Diese hingen auch von gewaltigen Mengen von Chemikalien ab, die - zu ihrem Preis - von den agrochemischen Konzernen geliefert wurden und damit ging eine Tendenz zu großflächigen Monokulturen einher. Ein Ergebnis davon war zweifellos eine außergewöhnliche Umweltschädigung aus den oben dargestellten Gründen. Ein weiteres Ergebnis war größere wirtschaftliche Ungleichheit, da kleine Bauern und Landarbeiter von den Großgrundbesitzern verdrängt oder in die Verschuldung bei denjenigen Großgrundbesitzern und Firmen getrieben wurden, die Saatgut und chemische Vorprodukte nicht nur lieferten, sondern auch das Geld dafür vorstreckten.
Dies sehen einige als Argument, dass die Grüne Revolution gescheitert ist. "Kontraproduktiv", so Vandana Shiva. #184 Sogar Susan George sprach von der "inzwischen diskreditierten Grünen Revolution". #185 Aber ohne die höheren Erträge der Grünen Revolution wäre es nicht möglich gewesen, in vielen Teilen der Welt auch nur annähernd so viele zu ernähren, wie inzwischen dort leben. In Indien hat sich zwischen 1966 und 1981 die Getreideproduktion verdreifacht und die Reiserträge haben sich verdoppelt; das bedeutet, dass mehr Menschen essen können. Und während Hungersnot immer noch eine ernste Gefahr darstellt, so sind doch die dort auf dem Subkontinent einst üblichen Hungersnöte, wenigstens derzeit, verschwunden. #187 Die Antwort auf diesen Zwiespalt ist nicht der Rückzug zu "traditionellen" Gesellschaften und landwirtschaftlichen Methoden. Solche Gesellschaften waren anfällig für Hungersnöte, Armut war weit verbreitet, die gesellschaftliche Grundlage war die brutale Ausbeutung der meisten Bauern und Landarbeiter, einschließlich der Frauen, die oft systematisch unterdrückt wurden. Die Lebenserwartung, um eine wichtige Maßgröße zu nennen, ist im Vergleich zu "traditionellen" Gesellschaften dramatisch angestiegen. Und wollen die "Traditionalisten" wirklich für eine Rückkehr zu "überlieferten" Methoden der Gesundheitsfürsorge eintreten, die unzählige Frauen dazu verurteilte, im Kindbett zu sterben?
Die Antwort auf diesen inneren Zwiespalt der Grünen Revolution besteht in der Erkenntnis, dass das Problem darin wurzelt, dass der der Kapitalismus die Produktion auf einseitige Weise entwickelt. In ein und derselben Bewegung erzeugt er Fortschritt und das Gegenteil davon, einerseits mehr Lebensmittel und andererseits Hunger, Armut und Umweltzerstörung. Um diesen Widerspruch aufzulösen brauchen wir eine andere Art von Landwirtschaft, eine, die das beste der "traditionellen" Methoden heranzieht, aber damit verbunden eine von den Profitzwängen befreite Wissenschaft anwendet. George Monbiot trifft in seiner Antwort an Prinz Charles den Punkt genau. Und Susan George macht zurecht klar, dass "wir nicht die traditionellen Verhältnisse wie in einem Museum erhalten wollen, und seien sie noch so gut, noch wollen wir sie einfach nachbilden, sondern wir wollen eine schöpferische Mischung aus den Fachkenntnissen vor Ort und einer westlichen Wissenschaft." #188
Damit soll nicht die Bedeutung heruntergespielt werden, die das Lernen von landwirtschaftlichen Methoden hat, die auf der Grundlage einer Arbeit von Jahrtausenden, von Bauern in aller Welt, entwickelt worden ist. Es geht darum, dass das Vernünftige darin von dem Wust anderer, oft fehlgeleiteter oder mystischer Vorstellungen, in die es verpackt sein kann, abgetrennt wird und dass es mit einer modernen wissenschaftsgerechten Anwendung vermengt und vereinigt wird mit dem Ziel, den Menschen heute zu nützen und eine Landwirtschaft zu schaffen, die auch zukünftige Generationen noch nutzen können. Wie sagte so treffend José Bové, als er in Frankreich, weil er Genmaislagerbestände zerstört hatte, im Knast saß?

Warum sich etwas widersetzen, was als Fortschritt angeboten wird? Nicht weil wir altmodisch sind oder der "guten alten Zeit" nachtrauern. Sondern weil wir um die Zukunft besorgt sind und weil wir bei der zukünftigen Entwicklung mitreden wollen. Ich habe nichts gegen Grundlagenforschung. Ich finde, es wäre eine Selbsttäuschung und schädlich, wollte man sie einschränken. Andererseits glaube ich nicht, dass jedes Forschungsergebnis menschlich, gesellschaftlich oder ökologisch betrachtet unbedingt wünschenswert ist. Ist wirklich alles, was machbar ist, von den Menschen gewollt und für sie von Nutzen? #189

Gentechnik, so wie von den Konzernen entwickelt, ist sicherlich "möglich", genau wie andere Anwendungen unseres Wissens über Biologie und Umwelt. Die Frage ist, was wählen wir für die Weiterentwicklung aus, und das hängt davon ab, wer die Gesellschaft und ihre Zwecke lenkt.

Nachhaltige Landwirtschaft

Einige Bestandteile einer nachhaltigen Landwirtschaft stehen fest, andere werden im Praxistest erarbeitet werden müssen. So ist zum Beispiel nichts falsch an größeren Ernteerträgen. Dadurch kann Menschen eine bessere und abwechslungsreichere Kost ermöglicht und auch die zur Herstellung der benötigten Nahrungsmittel nötige Arbeitsmenge kann vermindert werden. Letzteres ist ein wichtiger Punkt und zwar einer, bei dem ich mit den Aktivisten nicht übereinstimme, mit denen ich sonst in allem anderen übereinstimme. George Monbiot und Susan George zum Beispiel träumen manchmal von einer arbeitsintensiveren Welt. Susan George hat vorgebracht, dass der Schlüssel zur "Schaffung von Wohlstand und einem anständigen Lebensunterhalt ... arbeitsintensive Techniken sind". #190 Ich bezweifle, dass diese Ansicht von den Leuten geteilt wird, die arbeiten müssen, die die Knochenbrecherarbeit im Schichtdienst einer Fabrik oder die endlose Plackerei auf einem Reisfeld leisten müssen. Die Alternative zum kapitalistischen System ist nicht längere und härtere Arbeit, sondern die Möglichkeiten, die das Verständnis der Natur bietet, dazu zu nutzen, dass der Mensch von der Notwendigkeit befreit wird, täglich acht oder mehr Stunden arbeiten zu müssen. Dies kann den Menschen den Freiraum schaffen, ihre Fähigkeiten und ihre Persönlichkeit voll kulturell, pädagogisch, politisch und sonst wie zu entwickeln.
Aber während ich dafür argumentieren möchte, dass wir für eine weniger arbeitsintensive Landwirtschaft kämpfen sollten, so muss dies doch eine andere Landwirtschaft sein als die vom modernen Kapitalismus entwickelte. Eine wahrlich nachhaltige Landwirtschaft gebrauchte andere Methoden, als die vom Kapitalismus entwickelten, einseitig und letztlich zerstörerisch wie diese sind.
Einfache Maßnahmen können getroffen werden und sollten es auch, sie sind gewissenhaften Wissenschaftlern wohlbekannt. Ein gutes Beispiel ist, Schädlinge dadurch klein zu halten, dass man die Sorten abwechselt - keine Monokulturen, die von Pflanzenschutzmitteln abhängig sind. "Das Durchwechseln von Sorten ... kann eine große Rolle bei der Schädlingsbekämpfung spielen, weil viele Schädlinge für bestimmte Sorten eine Vorliebe haben... verschiedene Sorten abwechselnd anzubauen unterbricht den Lebenszyklus der Schädlinge und hält deren Bevölkerung klein". #191 Biologische Methoden zur Schädlingsbekämpfung, der Einsatz von Vögeln, Insekten und ähnlichem, sind wohlbekannt, sehr wirksam und nützlich, nicht zerstörerisch für die Umwelt. Gemischter Anbau, bei dem mehr als eine Sorte auf dem gleichen Feld angebaut wird, ist eine weitere wohl bekannte Methode, die komplizierten Wechselwirkungen in einem Ökosystem zu nutzen, um den Gesamtertrag zu erhöhen. #192 Herkömmliche Pflanzenzucht bietet ebenfalls noch viel Spielraum, die Produktivität in der Landwirtschaft zu verbessern. Es gibt sogar gute Hinweise darauf, dass kleine, unterschiedlich bebaute Felder (im Unterschied zu kleinen Bauernhöfen, das ist etwas völlig anderes - es gibt keinen Grund, weshalb im großen Maßstab betriebene Landwirtschaft nicht kleinere, vielfältiger bebaute Flächen umfassen soll) tatsächlich langfristig viel produktiver sind als die großflächigen Monokulturen.
Es ist also falsch, "Biolandwirtschaft" gegen andere Arten von Landwirtschaft auszuspielen. Was wir brauchen, ist die bestmögliche Landwirtschaft, die auf einer abgerundeten wissenschaftlichen Erkenntnis der Natur beruht und die zum Ziel hat, die menschlichen Bedürfnisse jetzt und in Zukunft zu befriedigen. Das bedeutet sicherlich von überlieferten Methoden und von "Bio"-Anbau zu lernen. Aber dies kann nicht auf irgend eine mystische Art geschehen, die einen solchen Ansatz zu einem Glaubensakt macht. Es muss auf der Grundlage von richtiger Wissenschaft geschehen. Diese Art von Landwirtschaft lernte auch, was wertvoll und nützlich bei anderen Methoden ist, einschließlich "industrieller" Landwirtschaft. Einwände gegen den Einsatz von "Chemikalien" in der Landwirtschaft sind einfach Mystik. Jedes Leben, alles was wir essen, ist nichts anderes als Chemie. Bioanbau benutzt jede Menge an "Chemikalien", und "künstlicher" Dünger entstand ursprünglich aus "biologischen" und "natürlichen" Produkten, hauptsächlich aus Knochen und Vogelkot. #193 Die Frage ist also, welche Chemikalien, für welchen Zweck und mit welchen Wirkungen heute und morgen?
In einer solchen nachhaltigen Landwirtschaft gibt es grundsätzlich keinen Grund, weshalb unser Wissen über Gene und Molekularbiologie nicht zum Nutzen der Menschen in der Landwirtschaft genutzt werden sollte. Möglicherweise erweisen sich manche GV?Sorten an bestimmter Stelle als nützlich. Um dahin zu kommen, muss allerdings radikal anders vorgegangen werden, als es heutzutage kapitalistische Konzerne mit der Genetik tun. Es bedeutete, dass wir ein viel abgerundeteres Wissen darüber haben, wie Gene arbeiten, und dieses Wissen auf eine viel umsichtigere Art in eine wissenschaftliche Ökologie einbauen. Und vor allem erforderte es völlig öffentliche Debatten und Diskussionen, und lange und erschöpfende Versuchsreihen nach dem Grundsatz höchster Vorsicht.
Eine Vorbedingung dafür wie für jede Art echter nachhaltiger Landwirtschaft ist, mit einer Gesellschaft zu brechen, in der Profit jedem Rhythmus der Welt den Puls angibt. Stephen Nottingham schreibt zwar besonders über GV-Sorten, seine Worte sind jedoch darüber hinaus auch für die Frage gültig, wie die Herrschaft der Konzerne geschlagen werden kann: "Ein massiver sozialer Protest kann die rasche Verbreitung dieser Technologie in der Nahrungsmittelherstellung bremsen. Um sie zu stoppen ist jedoch nichts geringeres als eine soziale Revolution notwendig". #194
Eine solche gesellschaftliche Revolution ist notwendig, um die Gefahren abzuwehren, die der Kapitalismus für Menschenleben und Umwelt, sei es durch GV-Produkte oder durch die Klimaerwärmung, mit sich bringt. Bei einem solchen Aufstand wird notwendigerweise an mehreren Strängen gezogen, er kann aber nur erfolgreich sein, wenn die Klasse den Kern des Aufstandes bildet, die von entscheidender Bedeutung für das Funktionieren des Kapitalismus ist, die Weltarbeiterklasse. Gelänge es einem solchen Aufstand der herrschenden Klasse die Kontrolle über die Gesellschaft und die Produktion zu entreißen, was bedeutete das für die Landwirtschaft?
Einige Dinge sind leicht vorauszusehen. Es bedeutete, dass alles Land und die ganze Produktion, die jetzt im Besitz der Konzerne und der Großgrundbesitzer ist, unter gemeinschaftliche demokratische Kontrolle genommen wird. Die grundsätzlichen Entscheidungen, wie die Produktion zu organisieren ist, träfen in einem demokratischen Entscheidungsprozess die Arbeiter, die die Arbeit auf den Feldern tun, indem sie quer durch die Gesellschaft mit ähnlichen Arbeiterorganisationen zusammenarbeiten und zusammen sich beraten.
Was wird aus den kleinen Bauern und Landleuten? Jede echte soziale Revolution übergäbe sofort das Land denjenigen, die es bearbeiteten, oder an landlose Landarbeiter oder vertriebene Bauern, die das Land von den Großgrundbesitzern genommen haben. Alle Schulden, ein wesentlicher Faktor in vielen Teilen der Welt zur Vernichtung der Bauern, würden sofort gestrichen. Und eine echte demokratisch gelenkte Gesellschaft gäbe Werkzeuge, Maschinen, wissenschaftliche Hilfe und Beratung und ähnliches kostenlos an solche Bauern. Eine solche Umwälzung eröffnete, diese Ansicht vertrat schon vor über vierzig Jahren Tony Cliff in seinem "Marxism and the Collectivisation of Agriculture", "wahrscheinlich dem privaten Bauernhof einen neuen Lebensabschnitt". #195
Aber das ist nur ein Anfang. Sozialisten idealisieren nicht das Kleineigentum oder das Landleben. Die obszöne "Zwangskollektivierung", die im stalinistischen Russland oder in Maos China geschah, steht natürlich außer Diskussion. Diese Barbarei hatte nichts mit dem Aufbau einer demokratischen Gesellschaft zu tun, sondern war Teil des Bestrebens der staatskapitalistischen herrschenden Klassen, ein riesiges Mehrprodukt aus den Massen zu pressen, um die Schwerindustrie und den Militärapparat aufzubauen. Stalin, Mao und Konsorten mögen die Sprache des Sozialismus gesprochen haben, um ihre wahren Ziele zu verbergen. In Wirklichkeit verhielten sie sich genau wie die Häupter der schlimmsten Weltkonzerne des Westens.
In einer echten sozialistischen Gesellschaft würde dazu ermuntert, stärker gemeinsam das Land zu bebauen und die Landwirtschaft zu organisieren. Hinter der gemeinsamen Nutzung der Werkzeuge, dem zentralen Sammeln der Vorräte, der Bereitstellung der Infrastruktur stünde das Ziel, die Bauern nach und nach dazu zu ermuntern, ihre Zukunft nicht mehr im kleinen individuellen Eigentum zu sehen. Das Ziel wäre, diese Kleineigentümer dazu zu ermuntern, sich lieber als zukünftige vollständige und echte Teile einer demokratischen und gemeinschaftlichen Gesellschaft der Produzenten zu sehen, in der alles Eigentum gemeinsamer Besitz ist und in der alle zusammenarbeiten, um Gegenwart und Zukunft für die Gesellschaft zu sichern. Die Leute hängen am individuellen Privatbesitz von Land und Eigentum, weil sie sonst fürchten müssten, im Kapitalismus mittellos und in Armut leben zu müssen. Ziel einer anständigen Gesellschaft wäre es, die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass echte Wahlmöglichkeiten bestehen. So führte schon Cliff aus: "Im Kapitalismus verleihen das Privateigentum an einem Bauernhof, und das damit verbundene Gefühl der Unabhängigkeit eine gewisse sichere Beschäftigung, ein gewisses sicheres Einkommen und Sicherheit für das Alter.... [Der Sozialismus], indem er überall den Lebensstandard anhebt und sichere Arbeitsplätze und eine umfassende Sicherung für alte und kranke Menschen schafft, wird den Wert wirtschaftlicher ‚Unabhängigkeit', wie sie sich im privaten Eigentum an einem Bauernhof festmacht, schrumpfen lassen". #196
Im Sozialismus geht es darum, eine Welt zu schaffen, in der das Schicksal und die volle Entwicklung einjeden Individuums mit dem Schicksal und der Entwicklung der ganzen Gesellschaft verknüpft ist, einer Gesellschaft, die darauf gründet, dass sie gemeinschaftlich und demokratisch von denjenigen geleitet wird, die die Arbeit tun. Wie lange ein solcher Übergang braucht, wird die Zukunft zeigen, und wie lang es auch dauern mag, auf das Tempo zu drücken kommt nicht in Frage.

Der Übergangsprozess der Landwirtschaft von individuellen zu kollektiven Methoden wird also das Ergebnis des Überflusses an Reichtum und Kultur in den hoch entwickelten Gesellschaften sein. Individuelle Landwirtschaft wird nicht abgeschafft werden, aber aufgehoben. Sozialistischer Wohlstand wird allmählich durch seine Anziehungskraft - sehr langfristig - die Bauernschaft überzeugen, ihre individuellen Bauernhöfe aufzugeben ... Es gibt keinen Grund auf der Welt, weshalb die neue [sozialistische] Gesellschaftsordnung nicht sehr lange geduldig warten kann, sogar jahrzehntelang, bis die Landbevölkerung sich dazu entschließt, den Weg der landwirtschaftlichen Kooperativen zu beschreiten. #197

Die Welt, die Sozialisten anstreben, ist eine, in der die unsinnige Arbeitsteilung zwischen Nahrungsmittelherstellung und Herstellung der anderen notwendigen Gebrauchsgegenstände ein Ende findet. Es ist eine Welt, in der die Teilung in Arbeiter oder Bauern keinen Sinn mehr ergibt, genauso wenig, wie die Teilung zwischen Stadt und Land oder zwischen Mensch und Natur.

Menschheit und Umwelt

Zu den ernstesten Umweltgefahren, die die Menschheit heutzutage bedrohen, gehören die Klimaerwärmung und die GVOs. Diese beiden sind aber, wie ich oben schon dargelegt habe, bei weitem nicht die einzigen. Ich habe versucht zu zeigen, wie sich diese beiden Gefahren aus der Logik des Kapitalismus selbst ergeben, und dass man diese Logik in Frage stellen muss, will man diesen Gefahren beikommen. Ich will mich jetzt einer breiteren Erörterung der uns bedrohenden Umweltgefahren zuwenden. Ich glaube, dass wir diese Gefahren am besten begreifen, indem wir sie im Rahmen einer breiteren Untersuchung der Beziehung zwischen Mensch und Umwelt betrachten.
Manche, die sich über die Umwelt Sorgen machen, sehen die Umwelt als etwas unveränderliches und statisches. Sie vertreten die These, dass wir versuchen müssen, einfach die Dinge so zu bewahren, wie sie sind, dass wir nicht in die Natur "eingreifen" dürfen. #198 Dies ist ein zutiefst falsches Verständnis von der Erde und den auf ihr lebenden Arten - der Arten der Pflanzen, der Tiere und der Menschen. Die Erde ist ein dynamischer Ort, sie hat während ihrer ganzen Geschichte außergewöhnliche und völlig "natürliche" Veränderungen erlebt. Klima, Umwelt, die biologischen Arten, die die Erde bevölkern, haben sich wiederholt dramatisch verändert seit unser Planet sich vor ungefähr vier Milliarden Jahren gebildet hat. Es hat Zeiten gegeben, in denen die Erde viel wärmer war als heute und Zeiten, in denen es viel kälter war. Die heutigen Erdteile sind geologisch gesehen vergleichsweise spät entstanden als Folge von Milliarden Jahre langen Verschiebungen der tektonischen "Platten", aus denen die Erdkruste besteht. Die heutigen Berge, Meere, Inseln, Flüsse und Wüsten sind ebenfalls in der Erdgeschichte vergleichsweise neu. #190
All dies gilt erst recht für das Leben auf der Erde. Die meisten heute lebenden Pflanzen und Tiere sind ziemlich neue Entwicklungen in der Geschichte des Lebens auf der Erde. Dieses Leben hat sich aus einfachen Organismen entwickelt über eine Kette großer Umwandlungen. Arten sind entstanden und wieder ausgestorben, manchmal starben sie in ganzen Wellen massenhafter Vernichtung, wenn das Klima der Erde und die Umwelt sich entsprechend verändert haben. Diese Tatsache und das Begreifen derselben ist das Wesen der von Charles Darwin entwickelten Evolutionstheorie, die seither durch eine riesige Masse empirischer Befunde bestätigt worden ist.
Dies ist keine Einbahnstrasse, in dem Sinne dass nur die sich wandelnde Umwelt das Leben beeinflusste. Leben in allen seinen Formen kann nicht existieren ohne Wechselwirkung mit der Umwelt und ohne diese zu verändern. Die Wechselbeziehung ist zentral für ein vollständiges Verständnis lebender Organismen. #200 Um ein Beispiel zu nennen: mehr als die Hälfte ihrer bisherigen Existenz hat die Erde keinen Sauerstoff in der Atmosphäre gehabt. Es war das Leben selbst, das die Erdatmosphäre dramatisch verändert hat, so dass diese jetzt Sauerstoff enthält. Vor etwa zwei Milliarden Jahren entstanden Mikroorganismen, die damit begannen, den Sauerstoff in der Erdatmosphäre als Abfallprodukt ihres eigenen Stoffwechsels herzustellen. Dieser Sauerstoff seinerseits zerstörte viele andere Lebewesen, die sich an die vorher sauerstofffreie Atmosphäre angepasst hatten. #201
Umweltveränderungen haben ständig während der ganzen Erdgeschichte Lebewesen stark beeinflusst und diese Lebewesen wiederum hatten laufend wichtige Auswirkungen auf die Umwelt. Wechselseitige und radikale Veränderung der Lebewesen und der Umwelt ist fest in die geschichtlichen Entwicklung und die Natur unseres Planeten eingebaut.
Umweltveränderungen spielten eine Schlüsselrolle bei der Evolution des Menschen. Und seit es Menschen gibt, haben sie mit der Umwelt interagiert und sie umgebildet. #202 Menschen können gar nicht anders existieren, als indem sie die Umwelt im Rahmen gesellschaftlich organisierter Arbeit bearbeiten, um die zum Lebensunterhalt notwendigen Nahrungsmittel, Kleidung, Behausung und wo weiter zu gewinnen. #203 Indem sie dies taten, haben die Menschen immer mehr oder weniger die Umwelt verändert. Und im Rahmen solcher Tätigkeit haben die Menschen oft die Umwelt so stark umgewandelt, dass es zu dem gegebenen Stand der Kenntnisse, der Technik und der gesellschaftlichen Struktur nicht mehr länger möglich war, die bestehende Lebensweise beizubehalten.
Dies galt sogar für die Jäger und Sammler vor den Klassengesellschaften, die typische Gesellschaftsform für den größten Teil der Menschheitsgeschichte. In solchen Gesellschaften war die Umweltabnutzung üblicherweise örtlich begrenzt, die Nahrungsvorräte gingen begrenzt auf ein bestimmtes Gebiet zu Neige, und der Ausweg war einfach - in ein neues Gebiet wandern. #204 Sogar in diesen noch klassenlosen Gesellschaften konnte menschliche Tätigkeit zur Sicherung der notwendigen Lebensmittel von Grund auf die weitere Umgebung verändern. Der Gebrauch von Feuer bei den australischen Ureinwohnern hatte eine solche Wirkung. In Amerika haben mit großer Wahrscheinlichkeit die Menschen vor ungefähr 11 000 Jahren die großen Säugetiere des Erdteils durch Jagd ausgerottet und haben so die Umwelt und die zukünftige Entwicklung der dortigen menschlichen Gesellschaften von Grund auf verändert. #206 In verschiedenen Teilen der Welt "in der Neusteinzeit ... wurden Waldgebiete kleiner, weil sie für Mehrfelderwirtschaft gebraucht wurden und weil sie teils durch zu kurze Brachperioden, teils durch die Jagd mit Feuer oder durch bei der Brandrodung außer Kontrolle geratene Brände verdorben wurden." In Afrika zum Beispiel "verdankt ein großer Teil der Savannen und anderer scheinbar natürlicher Grasflächen seinen Ursprung ähnlichen Änderungen zu vorgeschichtlichen Zeiten". #207
Mit dem Aufkommen sesshafter landwirtschaftlicher Gesellschaften und der damit verbundenen Teilung der Gesellschaft in besonders strukturierte Klassen entstand eine neue Form dieses Musters. Die archäologischen Berichte sind voll von Beispielen, wie komplexe Gesellschaften entstehen, sich zu eindrucksvollen "Hochkulturen" entwickeln und dann zusammenbrechen. In vielen Fällen schien die Abnutzung der Umwelt, von der die Grundversorgung der Gesellschaft abhing, ein wichtiger Faktor für die Beschleunigung der Krise gewesen zu sein.
Ein paar Beispiele veranschaulichen dieses Muster. Ungefähr um 750 nach Christus brach die Teotihuacan-Kultur in Mexikos zentralem Tal zusammen. Ihr Mittelpunkt war die damals bei weitem größte Stadt des amerikanischen Erdteils mit ungefähr 100 000 Einwohnern in der Stadt und ungefähr weiteren 500 000 unmittelbar von den Herrschern regierten Menschen in der Umgebung. Doch innerhalb eines Zeitraums von wenigen Jahren brach diese Kultur zusammen, die Stadt selbst wurde geplündert, niedergebrannt und dann aufgegeben. Der unmittelbare Grund war wahrscheinlich eine größere Erhebung innerhalb der Gesellschaft, vielleicht "protestierten Bürger gegen einen anmaßenden Staatsapparat". #208 Archäologen glauben auch, dass die Umweltverschlechterung wahrscheinlich einer der wichtigen Faktoren war, die die Vorraussetzungen für den schließlichen Zusammenbruch schufen:

Was waren die Umstände des Niederganges und Falls von Teotihuacan? Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit waren sowohl Umwelt- als auch gesellschaftliche Faktoren beteiligt. .... Die Abholzung auf den umgebenden Hügeln kann einen Erosionsprozess eingeleitet haben, der einen Rückgang der für den landwirtschaftlichen Anbau verfügbaren Bodenfeuchtigkeit verursachte, [was] zunehmend die Ernährer der Stadt in Schwierigkeiten brachte. #209

Es gibt Hinweise, dass bei dem Zusammenbruch der Kultur der Mayas in den östlichen Tiefebenen von Mittelamerika in den Jahren zwischen 800 und 900 nach Christus die Zerstörung der Umwelt aufgrund übereifriger landwirtschaftlicher Entwicklung ähnlich mit gesellschaftlichen Ursachen wechselwirkte. #210
Die Osterinseln sind das klassische Beispiel für das Zusammenspiel von Umweltzerstörung und gesellschaftlicher Katastrophe. Die Inselgruppe wurde vor ungefähr 1300 Jahren besiedelt und war damals voll mit Bäumen und Pflanzen. Eine komplexe Kultur entstand, die jene eindrucksvollen immer noch stehenden Steinkopfstatuen errichtete, die Moai. Holz stand im Mittelpunkt dieser Kultur: "Bäume wurden gefällt für Bauholz, Brennholz und schließlich für die Rollen und hebelähnlichen Vorrichtungen, mit denen die Moai transportiert und aufgerichtet wurden."
Dann nach einem Muster, dem wir wieder begegnen werden, scheinen immer mehr der gesellschaftlich verfügbaren Mittel für den Bau der riesigen Statuen verbraucht worden zu sein. Warum, weiß niemand, aber die Statuen spielten eindeutig eine Rolle bei der Rechtfertigung der bestehenden gesellschaftlichen Ordnung und hatten wahrscheinlich eine weltanschauliche oder religiöse Bedeutung. Die Folge dieses Bauwahns war, dass der ganzen Gesellschaft die materielle Grundlage entzogen wurde, weil Bäume schneller gefällt wurden als sie nachwachsen konnten. Aber das Unglück nahm weiter seinen Lauf:

Mit der fortschreitenden Entwaldung wurde das Bauen von Moais zu einer Besessenheit. Und immer noch wurden Bäume gefällt. Mit dem Schwinden der Wälder begann die Landerosion. Die dünne Erdschicht an der Oberfläche wurde schnell ins Meer gewaschen. Ernteausfälle nahmen zu und die Sippen wandten sich gegeneinander, um um die knappen Mittel zu kämpfen.

Schließlich scheint dies zu einer gewaltigen sozialen Implosion geführt zu haben und zum völligen Zusammenbruch der Gesellschaft: "Die Kultur der Rapa Nui [der Osterinseln] brach zusammen. Ihre Insel lag in Trümmern, ihre Dörfer und Ernten waren zerstört". #211
Die Abholzung der Wälder und die damit einhergehende Bodenerosion scheint bei vielen alten Zivilisationen des Mittelmeerraumes eine der Ursachen für deren Niedergang gewesen zu sein:

Bäume wurden gefällt, weil sie als Brennstoff, für den Werkzeugbau, als Baustoff und noch für mehr Dinge benötigt wurden. Mit dem Wachstum der Städte und der Bevölkerungszahl stieg die Nachfrage nach Holz. Am Ende des römischen Zeitalters wurde Holz nach Italien aus den umgebenden Provinzen eingeführt. Bäume und Ackerboden wurden ebenfalls schneller verbraucht als sie sich selbst regenerieren konnten, da das Halten von Ziegen sich in den Mittelmeerländern immer mehr ausbreitete. Der Ackerboden wurde der Sonne und dem Wind ausgesetzt, wurde abgetragen und füllte Wasserwege und Feuchtgebiete, zurück blieben die halbvertrockneten Landschaften, die wir heute kennen. #212

Vor über einem Jahrhundert hat einer der Gründer des Marxismus, Friedrich Engels, eine ähnliche Feststellung getroffen, er wurde nicht müde zu betonen, dass Menschen und ihre Gesellschaft ein Teil der Natur sind.

Schmeicheln wir uns indes nicht zu sehr mit unsern menschlichen Siegen über die Natur. Für jeden solchen Sieg rächt sie sich an uns. Jeder hat in erster Linie zwar die Folgen, auf die wir gerechnet, aber in zweiter und dritter Linie hat er ganz andre, unvorhergesehene Wirkungen, die nur zu oft jene ersten Folgen wieder aufheben. Die Leute, die in Mesopotamien, Griechenland, Kleinasien und anderswo die Wälder ausrotteten, um urbares Land zu gewinnen, träumten nicht, daß sie damit den Grund zur jetzigen Verödung jener Länder legten, indem sie ihnen mit den Wäldern die Ansammlungszentren und Behälter der Feuchtigkeit entzogen. Die Italiener der Alpen, als sie die am Nordabhang des Gebirgs so sorgsam gehegten Tannenwälder am Südabhang venutzten, ahnten nicht, daß sie damit der Sennwirtschaft auf ihrem Gebiet die Wurzel abgruben; sie ahnten noch weniger, daß sie dadurch ihren Bergquellen für den größten Teil des Jahrs das Wasse entzogen, damit diese zur Regenzeit um so wütendere Flutströme über die Ebene ergießen könnten. ... Und so werden wir bei jedem Schritt daran erinnert, daß wir keineswegs die Natur beherrschen, wie ein Eroberer ein fremdes Volk beherrscht, wie jemand, der außer der Natur steht - sondern daß wir mit Fleisch und Blut und Hirn ihr angehören und mitten in ihr stehn, [und daß unsre ganze Herrschaft über sie darin besteht, im Vorzug vor allen andern Geschöpfen ihre Gesetze erkennen und richtig anwenden zu können.]

Engels war der Ansicht, dass die Entwicklnung der modernen Wissenschaft es den Menschen möglich macht, "die näheren und entfernteren Nachwirkungen unsrer Eingriffe in den herkömmlichen Gang der Natur [zu] erkennen" umd daher "die entfernteren natürlichen Nachwirkungen wenigstens unsrer gewöhnlichsten Produktionshandlungen" steuern zu können.
Für Engels wurde dadurch die Möglichkeit und die Aussicht eröffnet, eine Welt zu schaffen, in der "sich die Menschen wieder als Eins mit der Natur nicht nur fühlen, sondern auch wissen, und je unmöglicher wird jene widersinnige und widernatürliche Vorstellung von einem Gegensatz zwischen Geist und Materie, Mensch und Natur....". # 213

Klassengesellschaft, Produktion und Umwelt

Engels hat zu Recht darauf aufmerksam gemacht, dass die Unkenntnis über die Wirkungsweise der natürlichen Welt eine Schlüsselrolle bei der Zerstörung früherer Gesellschaften gespielt hat. Aber sowohl diese Unkenntnis als auch das Muster von Abstieg, Krise und Zusammenbruch kann nur voll begriffen werden im Rahmen einer breiteren Argumentationslinie, die von Marx und Engels dargestellt und seither von Marxisten weiter entwickelt worden ist. Marx fasste den Kern der Argumentationslinie folgendermaßen zusammen:
In der gesellschaftlichen Produktion ihres Lebens gehen die Menschen bestimmte, notwendige, von ihrem Willen unabhängige Verhältnisse ein, Produktionsverhältnisse, die einer bestimmten Entwicklungsstufe ihrer materiellen Produktivkräfte entsprechen. Die Gesamtheit dieser Produktionsverhältnisse bildet die ökonomische Struktur der Gesellschaft, die reale Basis, worauf sich ein juristischer und politischer Überbau erhebt und welcher bestimmte gesellschaftliche Bewusstseinsformen entsprechen. ... Auf einer gewissen Stufe ihrer Entwicklung geraten die materiellen Produktivkräfte der Gesellschaft in Widerspruch mit den vorhandenen Produktionsverhältnissen oder, was nur ein juristischer Ausdruck dafür ist, mit den Eigentumsverhältnissen, innerhalb deren sie sich bisher bewegt hatten. Aus Entwicklungsformen der Produktivkräfte schlagen diese Verhältnisse in Fesseln derselben um. Es tritt dann eine Epoche sozialer Revolution ein. #214
Das Hauptargument ist, dass man für jede Gesellschaft, deren Funktionsweise man verstehen will, begreifen muss, wie diese Gesellschaft ihre Lebensmittel produziert. Engels hat die "einfache Tatsache" vorgebracht, "daß die Menschen vor allen Dingen zuerst essen, trinken, wohnen und sich kleiden müssen, ehe sie Politik, Wissenschaft, Kunst, Religion usw. treiben können; ..." #215
Marx legte dar, dass die Produktion, die den Kern jeder Gesellschaft bildet, durch zwei Elemente bestimmt wird. Das eine Element bezeichnete er als die "materiellen Produktivkräfte" oder die "produktiven Kräfte". Das sind nicht einfach nur die für eine bestimmte Gesellschaft verfügbaren Werkzeuge und Maschinen, obgleich diese ein wesentlicher Bestandteil sind. Es sind auch die natürliche Umgebung und die menschliche Arbeit selbst. Und diese menschliche Arbeit ist nicht einfach nur rohe Muskelkraft, sondern auch das Kenntnis- und Geschicklichkeitsniveau, das zu einem bestimmten Zeitpunkt dieser Arbeit innewohnt.
Für Marx war ein Begreifen einer Gesellschaft nur möglich, wenn es die natürliche Umgebung, in der diese Gesellschaft zu existieren suchte, zur Grundlage nahm. Wer diese Grundtatsache nicht zur Kenntnis nehmen wollte, wurde Ziel seiner beißenden Kritik. In seiner Kritik des Gothaer Programms von 1875 der deutschen sozialistischen Partei war genau dies der allererste Punkt. Das Programm begann mit der Feststellung: "Die Arbeit ist die Quelle alles Reichtums..." Marx Kommentar: "Die Arbeit ist nicht die Quelle alles Reichtums. Die Natur ist ebensosehr die Quelle der Gebrauchswerte.... [des] sachlichen Reichtums...". Immer wieder hob er die "Naturbedingtheit der Arbeit" #216 hervor und betonte die Bedeutung "der natürlichen Bedingung der Arbeit, der Erde als des ursprünglichen Arbeitsinstruments, sowohl Laboratoriums wie Behälters der Rohstoffe." #217
Aber die Kombination all dieser drei Elemente - Natur, Arbeitskraft und die dieser innewohnenden Kenntnisse, und die Werkzeuge, Maschinen und ähnliches -, was Marx insgesamt die Produktivkräfte nannte, war nur eines der für das Verständnis jeder Gesellschaft nötigen Schlüsselelemente. Jede menschliche Produktion ist gesellschaftlich, sie beinhaltet Verhältnisse, die die Menschen bei der Ausführung dieser notwendigen Arbeit miteinander eingehen. Marx nennt diese "Produktionsverhältnisse". Solche Produktionsverhältnisse gibt es in allen Gesellschaften. Sogar die Gesellschaften der Jäger und Sammler, die es vor den Klassengesellschaften gegeben hat, kannten bestimmte Verhältnisse zwischen den Menschen, in deren Mittelpunkt das Organisieren einer sicheren Versorgung mit dem Lebensnotwendigen stand.
Aber sobald sich stärker in sich gegliederte Klassengesellschaften entwickeln, zusammen mit Landwirtschaft und "Zivilisation", bestehen solche Verhältnisse nicht einfach nur zwischen Einzelnen oder kleinen Gruppen. Die Gesellschaften gründen allmählich auf Klassenverhältnissen, die die ganze Gesellschaft umspannen; Klassen sind Gruppen innerhalb der Gesellschaft, die genau durch ihr Verhältnis zur Produktion bestimmt sind. In Klassengesellschaften ist die Ausbeutung die Grundlage schlechthin dieser Verhältnisse. Eine Gruppe, die herrschende Klasse, beutet die Arbeit der anderen aus. Die Produktion wird auf eine bestimmt Art organisiert, dabei kommt der herrschenden Klasse die Rolle zu, die Arbeit der anderen auszubeuten; diesem Sachverhalt verdankt sie ihre Stellung. Dieses Organisieren der Produktion ist die Grundlage ihres Reichtums, ihrer Macht und ihrer Vorrechte.
Im dem von Marx benutzten Bild bildet diese Totalität - Ausbeutung einer Klasse, auf Grundlage einer bestimmten Organisationsstruktur der Produktion - die "Basis", "die ökonomische Struktur der Gesellschaft, die reale Basis", auf der sich ein ganzer "Überbau" erhebt, die Staatsform, das gesetzliche, politische, religiöse, moralische, ideologische und kulturelle Gefüge der Gesellschaft.
Dies ist keine Einbahnstraße. Der Überbau beeinflusst und wirkt auf vielen Wegen auf die produktive Basis der Gesellschaft zurück. #218 Hauptsächlich geschieht dies dadurch, dass die ökonomische Basis der Gesellschaft fixiert und erhalten wird, insbesondere die Stellung der herrschenden Klasse in dieser Gesellschaft. Die herrschende Klasse und ihre Einrichtungen verdanken ihre Macht der Stellung, die sie innerhalb der besonderen Organisationsstruktur der gesamtwirtschaftlichen Produktion haben, diese Klasse hat deshalb ein Interesse daran, diese Organisationsstruktur zu erhalten und Änderungen daran, die ihre Stellung untergraben könnten, zu bekämpfen.
Daher ergibt sich in der ganzen Geschichte der Klassengesellschaften als typisches Muster, dass eine neue herrschende Klasse nebst neuer Zivilisation auf Grundlage neuer Organisationsstrukturen in Gesellschaft und Produktion entsteht. Hat sich die neue Klassengesellschaft erst einmal durchgesetzt, wird sie immer konservativer, Neuerungen in Produktion und im weiteren Feld der Kultur werden seltener, und die ganze Gesellschaft erstarrt und verknöchert. Typisch ist auch, dass die herrschende Klasse einen immer größeren Teil der gesellschaftlichen Produktion zu Schauwecken in einem aufwendigen Lebensstil und für die verschiedenen ideologischen Instrumente verbraucht, mit denen sie ihre Stellung stützt und rechtfertigt.
Diese Entwicklung kann dann die ganze Gesellschaft einem immer stärkeren Druck aussetzen. Gesellschaftliche Spannungen, innerhalb und zwischen den verschiedenen Klassen können zunehmen. Oft kommt es auch zu Verarmung, Unterernährung und Krankheit der großen Masse der Produzenten. Dieses Muster wurde von dem großen Archäologen V. Gordon Childe bei den ersten städtischen Klassengesellschaften aufgezeigt:
Vor der urbanen Revolution erbrachten vergleichsweise arme Gemeinschaften ohne Schriftsprache eine Reihe von eindrucksvollen Beiträgen zum Fortschritt der Menschheit ... die 2000 Jahren nach dieser Revolution brachten nur wenige Beiträge von vergleichbarer Bedeutung für den menschlichen Fortschritt... die Gesellschaft ist [jetzt] in wirtschaftliche Klassen geteilt. #219
Dies war wohl auch das Verlaufsmuster in den oben besprochenen Taotihuacan- und Mayakulturen. Trotz der eindrucksvollen Kultur mit ihren Tempeln und Denkmälern vermochten beide keine nennenswerten Fortschritte an der Basis, der landwirtschaftlichen Produktion, wovon letztendlich alles abhing, zu erzielen. Statt dessen verschlangen die Tempel und die herrschende Klasse immer mehr Mittel, die natürliche Umwelt, die Grundlage der Produktion, wurde angegriffen, und soziale Spannungen nahmen derart zu, dass schließlich die Katastrophe drohte. #220
Chris Harman macht diesen Punkt in seinem Buch "A People's History of the World" noch einmal allgemein deutlich: "Eine herrschende Klasse, die aus Fortschritten der Produktivkräfte erwachsen ist, verhinderte jetzt weitere Fortschritte. Aber ohne solche Fortschritte blieb für ihre Raffgier nicht anderes übrig, als die Lebensgrundlagen der Gesellschaft anzugreifen."
Diese Zwickmühle kann riesige Krisen schaffen, in welchen die ganze Gesellschaft aus den Fugen gerät und für lange Zeiten zurückgeworfen wird. Nach diesem Muster scheinen zum Beispiel die sich wiederholenden Krisen im alten Ägypten abgelaufen zu sein. Dies war auch die grundlegende Ursache für die große Krise der europäischen Feudalgesellschaft im 14. Jahrhundert. "Der Produktivitätsstillstand", stellt ein Historiker fest, "während der letzten Jahrhunderte des Mittelalters, die Unfähigkeit, die steigenden Kosten der nichtproduktiven Ausgaben der herrschenden Klassen zu tragen, waren die grundlegenden Ursachen für die Krise der Feudalgesellschaft". #222
In den beiden letzten Fällen hat sich die Gesellschaft schließlich wieder erholt. Aber wie wir gesehen haben, hat es Fälle gegeben, wo die Krise zum völligen Zusammenbruch der Zivilisation geführt hat, nur noch "untergegangene Städte" blieben für spätere Zivilisationen zum Bestaunen übrig.
Wenn immer nur auf die selbe Art produziert wird, kann dies schließlich dazu führen, dass die "Rohstoffe der Gesellschaft erschöpft" sind; zu den wichtigsten Rohstoffen gehört dabei die Fähigkeit der zugrundeliegenden natürlichen Umwelt, diese Art der Produktion zu ertragen. Deshalb sind Umweltkrisen oft Teil einer tieferen Krise der Gesellschaft. Es kann dazu kommen, dass gesellschaftliche und Umweltkrise zusammenkommen und im Verbund drohen, die ganze Gesellschaft einer Zerreißprobe zu unterziehen. Wenn jetzt keine neue Kraft, keine neue Klasse innerhalb der Gesellschaft ersteht, die fähig ist, den Griff der alten herrschenden Klassen zu lösen, und die die Produktion neu organisiert und so die Gesellschaft voran bringt, kann es zu einem Stillstand der Gesellschaft kommen, zu Krisen und sogar zum Zusammenbruch.
Eine typische Eigenschaft der ganzen Menschheitsgeschichte ist auch, dass die alte herrschende Klasse sich weiter an die Macht klammert und an der dieser zugrundeliegenden Organisationsstruktur der Produktion, selbst dann, wenn dies droht, die ganze Gesellschaft in den Untergang zu reißen. Berichte zum Beispiel über den Zusammenbruch der Mayas in Mittelamerika beschreiben, wie trotz der drohenden Krise die "Mayaeliten bis zum Untergang an ihrem althergebrachten Kurs festhielten". #223
Das gleiche Bild erscheint bei anderen Gesellschaftszusammenbrüchen, wo es wenig Hinweise darauf gibt, dass die herrschenden Klassen freiwillig die zur Abwendung der Katastrophe notwendigen tiefgreifenden Veränderungen durchführt haben. Das meinten Marx und Engels, als sie davon sprachen, dass eine Krise auf zwei Arten enden könne, entweder "mit einer revolutionären Umgestaltung der ganzen Gesellschaft ... oder mit dem gemeinsamen Untergang der kämpfenden Klassen". #224
Marx zeigt auf, wie dieser Krisenprozess sich im Verhältnis zur Umwelt entwickeln kann. Er vertrat den Standpunkt, dass jede Gesellschaft abhängt, "von Klima, physischer Beschaffenheit des Grund und Bodens, der physisch bedingten Weise seiner Exploitation, ...." und dass wenn diese "Gemeinde fortexistiere in der alten Weise, als solche, ist die Reproduktion ihrer Glieder unter den vorausgesetzten objektiven Bedingungen nötig." Aber kommendes Unglück gehört zu dem festen Bestandteil einer solchen Gesellschaft, die sich in ihrer bestehenden Form reproduziert, mit ihren bestehenden Klassenverhältnissen und ihrer Organisationsstruktur der Produktion. "Die Produktion selbst .... hebt notwendig nach und nach diese Bedingungen auf; zerstört sie, statt sie zu reproduzieren etc., und damit geht das Gemeinwesen unter mit den Eigentumsverhältnissen, auf denen es gegründet war." #225
Im Griff der alten herrschenden Klasse kann die Gesellschaft immer weniger für ihre Lebensbedürfnisse auf der Grundlage der alten Organisationsweise der Produktion dauerhaft sorgen. Das Festhalten an einer bestimmten Organisationsstruktur der Gesellschaft und der zugrundeliegenden Produktion bringt die soziale und die ökologische Krise hervor, beides geht Hand in Hand.
Wenn solche Krisen zum Zusammenbruch früherer Gesellschaften geführt haben, dann waren die Auswirkungen zweifellos gewaltig für die Betroffenen in dieser Gesellschaft. Man kann sich die Ereignisse zum Beispiel beim Fall von Teotihuacan kaum vorstellen, als eine Stadt mit 100 000 Einwohnern und einer von ihr abhängigen größeren Umgebung mit 500 000 Einwohnern völlig auseinander fiel. Aber die Auswirkungen eines solchen Zusammenbruchs hielten sich notwendigerweise in Grenzen. Selbst die allereindrucksvollsten früheren Gesellschaften bedeckten eine vergleichsweise kleine Fläche der Welt. Ihre Größe beschränkte daher das Ausmaß des Zusammenbruchs und der Auswirkungen auf die Umwelt.

Kapitalismus und Umwelt

Mit dem Aufkommen des modernen Kapitalismus blieb das geschichtliche Muster der früheren Gesellschaften erhalten, aber es nimmt jetzt eine radikal neue Gestalt an. Wie in früheren Gesellschaften entwickelt die neue herrschende Klasse, die kapitalistische herrschende Klasse, die Gesellschaft ein Stück weit. Aber in dem Maße wie sie und die weiteren Einrichtungen der von ihr geformten Gesellschaft sich dem Machterhalt zuwenden, wirkt gerade die Organisationsstruktur der Gesellschaft als eine "Fessel" für Weiterentwicklungen. Die herrschende Klasse wirkt darauf hin, dass die Organisationsstruktur der Gesellschaft und der Produktion erhalten bleibt, um so ihre Stellung und ihre Machtbasis beizubehalten. Wieder ist das Ergebnis soziale Spannung, Unruhe und Krise zusammen mit Umweltzerstörung. Aber im Kapitalismus hat die Krise eine andere Form.
Im Unterschied zu früheren Gesellschaften gründet der Kapitalismus nicht einfach darauf, dass die alten Produktionsmethoden erhalten bleiben. Er basiert allerdings darauf, dass das wesentliche ausbeuterische Klassenverhältnis im Kern der Produktion erhalten bleibt. Aber im Mittelpunkt des Systems steht der Profit, zu dem die Konkurrenz antreibt; es gibt also einen immanenten Zwang ständig neue Produkte zu schaffen und die Produktion auszuweiten. Das erklärt, weshalb der Kapitalismus bis jetzt die dynamischste und revolutionärste Gesellschaftsform der Menschheitsgeschichte gewesen ist. Er hat bei Produktion, Wissen, Kommunikation und in vielen anderen Bereichen die größten Fortschritte hervorgebracht. Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit gibt es keinen Grund mehr, außer dass die Gesellschaft in Klassen organisiert ist, weshalb nicht alle Menschen auf der Welt die Früchte dieses Fortschritts genießen und gesund und erfüllt leben sollten.
Vor 150 Jahren schrieben Marx und Engels: "Die Bourgeoisie hat in ihrer kaum hundertjährigen Klassenherrschaft massenhaftere und kolossalere Produktionskräfte geschaffen als alle vergangenen Generationen zusammen. ... - welches frühere Jahrhundert ahnte, daß solche Produktionskräfte im Schoß der gesellschaftlichen Arbeit schlummerten." #226 Eineinhalb Jahrhunderte später hat dieser Fortschritt ein tausendfach höheres Niveau erreicht.
Und doch, gerade die Organisationsstruktur der Gesellschaft bringt neben solchem unermesslichem Fortschritt fast unvorstellbaren Schrecken hervor - wirtschaftliche und gesellschaftliche Krisen, Hunger, Krieg und die Gefahr einer Barbarei in einem Ausmaß, das ..... Die Menschheit machte im 20. Jahrhundert bei ihrem Wissen und ihrer Fähigkeit, eine anständige Welt zu schaffen, riesige Schritte nach vorne, aber sie erlebte auch zwei Weltkriege, den Holocaust und Hiroschima und, heutzutage, Hunger inmitten von Überfluss und die Gefahr einer weltweiten Klimakatastrophe.
Marx und Engels erfassten die Lage in einem berühmten Bild: "Die bürgerlichen Produktions- und Verkehrsverhältnisse, die bürgerlichen Eigentumsverhältnisse, die moderne bürgerliche Gesellschaft, die so gewaltige Produktions- und Verkehrsmittel hervorgezaubert hat, gleicht dem Hexenmeister, der die unterirdischen Gewalten nicht mehr zu beherrschen vermag, die er heraufbeschwor." #227
Sie vertraten die Ansicht, dass die sich wiederholenden Krisen, die der Kapitalismus als Folge davon hervorrief, eine besondere Eigentümlichkeit aufwiesen, eine, die vielen in der heutigen Welt bekannt vorkommen wird:
In den Handelskrisen wird ein großer Teil nicht nur der erzeugten Produkte, sondern der bereits geschaffenen Produktivkräfte regelmäßig vernichtet. In den Krisen bricht eine gesellschaftliche Epidemie aus, welche allen früheren Epochen als ein Widersinn erschienen wäre - die Epidemie der Überproduktion. Die Gesellschaft findet sich plötzlich in einen Zustand momentaner Barbarei zurückversetzt; .... und warum? Weil sie zuviel Zivilisation, zuviel Lebensmittel, zuviel Industrie, zuviel Handel besitzt. #228
Solche Krisen sind Bestandteil der Logik eines System, das auf dem rücksichtlosen wettbewerbsgetriebenen Profitstreben beruht. Sie sind die besondere Form, in der in der kapitalistischen Gesellschaft die Produktionsverhältnisse, die Ausbeutung der Arbeit der Mehrheit durch eine herrschende Klasse, deren Mitglieder miteinander konkurrieren, um zu akkumulieren und zu profitieren, zu einem Hindernis für gerade die Produktivkräfte werden, die sie entwickelt haben und deren Grundlage sie bilden. Statt den wissenschaftlichen Fortschritt dazu zu nutzen, um so zu produzieren, dass die Bedürfnisse der Gesellschaft befriedigt werden und dass ihre weitere Entwicklung sicher gestellt wird, bekommen wir sich wiederholende Krisen und als Begleitung den Schrecken des Krieges, des Hungers und der übrigen Dinge. Teil dieses Schreckens ist es, wie in früheren Gesellschaften, dass diese Organisationsstruktur der Produktion auch die materielle Grundlage jeder Produktion, die Umwelt, bedroht. Doch, wie Engels zeigt, geschieht auch diese Umweltbedrohung in einer für den Kapitalismus eigentümlichen Weise:
Wo einzelne Kapitalisten um des unmittelbaren Profits willen prduzieren und austauschen, können in erster Linie nur die nächsten, unmittelbaren Resultate in Betracht kommen. Wenn der einzelne Fabrikant oder Kaufmann die fabrizierte oder eingekaufte Ware nur mit dem üblichen Profitchen verkauft, so ist er zufrieden, und es kümmert ihn nicht, was nachher aus der Ware und deren Käufer wird. Ebenso mit den natürlichen Wirkungen derselben Handlungen. Die spanischen Pflanzer in Kuba, die die Wälder an den Abhängen niederbrannten und in der Asche Dünger genug für eine Generation höchst rentabler Kaffeebäume vorfanden - was lag ihnen dran, daß nachher die tropischen Regengüsse die nun schutzlose Dammerde herabschwemmten und nur nackten Fels hinterließen? Gegenüber der Natur wie der Gesellschaft kommt bei der heutigen Produktionsweise vorwiegend nur der erste, handgreiflichste Erfolg in Betracht; und dann wundert man sich noch, daß die entfernteren Nachwirkungen der hierauf gerichteten Handhungen ganz andre, meist ganz entgegengesetzte sind, ... #229
Im Kapitalismus werden Methoden zur Herstellung neuer Produkte entwickelt und aufrecht erhalten, indem die Abteilung der herrschenden Klasse, die den betroffenen Produktionsbereich kontrolliert, ausschließlich die dortigen Profite im Auge hat ohne Rücksicht auf die langfristigen Folgen für Gesellschaft oder Umwelt. Das ist genau der Geist, der hinter dem Drang zu den GVOs steht und hinter der davon ausgehenden schrecklichen Gefahr.
Selbst wenn einige Fraktionen der kapitalistischen Klasse mehr einen langfristigen Ausblick entwickeln und danach schauen, dass ihre Profite auch in Zukunft gesichert bleiben, so sind ihrem Wunsch, ein Unglück abzuwenden doch ernstzunehmende Schranken gesetzt. Sie blicken auch immer über die Schulter nach ihren Konkurrenten und sie werden kein Geld ausgeben oder investieren, wenn sie glauben, dass dies ihre "Wettbewerbsfähigkeit" untergraben könnte. Jeder Kapitalist hat Angst, in der ach so gelobten Wettbewerbsgesellschaft an die Wand gedrückt zu werden. Bedeutet dies, dass notwendige Maßnahmen, die die Dinge in Richtung einer Sicherstellung des Fortbestands der materiellen Grundlage (einschließlich der Umwelt) der Produktion und der Gesellschaft veränderten, halbherzig bleiben müssen, dass ist das halt so. Selbst wenn sich der Staat oder die Wirtschaft genötigt fühlt einige Maßnahmen zu ergreifen, weil die langfristige Fähigkeit Profite zu machen auf dem Spiele steht oder weil von unten Druck gemacht wird, werden doch die gleichen Schranken wirksam. Der Staat beugt sich den Forderungen der Wirtschaft, ja nichts zu unternehmen, was die "Wettbewerbsfähigkeit" untergraben könnte oder war die Jagd nach Profiten stören könnte. Sie weigern sich die innere Logik des Systems in Frage zu stellen, deren Gott der Profit ist, dem alles andere, Menschen oder Natur, geopfert werden muss. Und wehe irgend eine Regierung wagte es, dieses zentrale Dogma in Frage zu stellen, dann wird die ganze Wut der herrschenden Klasse, ihre finanzielle, wirtschaftliche und, wenn es sein muss, militärische Macht losgelassen um die Ketzerei zu zerschmettern.
Eine weitere Eigenschaft des alternden Kapitalismus im Zeitalter der "Globalisierung", einer Welt, die durch die Konzentration von Reichtum und Macht bei riesigen multinationalen Konzernen gekennzeichnet ist, ist erwähnenswert. Eine Eigenschaft, die Ähnlichkeiten zu dem geschichtlichen Muster früherer Gesellschaften aufweist, wenn Produktionsweisen erstarrten und verknöcherten. Und wir haben hier den entscheidenden Grund, weshalb wir heute vor der schrecklichen Gefahr der Klimaerwärmung stehen.
Die Schwierigkeit ist, dass die riesigen Machtzentren des Kapitalismus, die riesigen Konzerne und die staatliche Politik, die auf deren Unterstützung hin ausgerichtet ist, von eine r bestimmte Produktionsgrundlage nicht mehr wegkommt. Ihr ganzer Reichtum und ihre ganze Macht hängt ab von einem festgefügten Produktionsnetz das auf bestimmten Methoden und Erzeugnissen gründet - vor allem auf den heutigen fossilen Brennstoffen und den darauf basierenden Produkten. Diese Machtzentren der kapitalistischen herrschenden Klasse weigern sich hiervon zu weichen und sind bemüht, Versuche davon abzukommen zu vereiteln, weil es hier eben um die Grundlage ihres Reichtums und ihres Profits geht. Dies tun sie sogar angesichts immer mehr Hinweisen, dass solche Hartnäckigkeit ins Unglück führen könnte. Wie die Führungsschicht der Mayas läuft die herrschende Klasse der heutigen Zeit Gefahr "auf ihrem traditionellen Kurs zu bleiben bis zum Zusammenbruch".
Nur dass jetzt bei einem solchen Zusammenbruch nicht nur ein örtlich begrenzter Zusammenbruch droht und ein paar untergegangene Städte, die darauf warten von späteren Zivilisationen bestaunt zu werden. Denn der Kapitalismus ist in einer ganz entscheidenden Hinsicht anders als frühere Gesellschaften. Er hat die ganze Welt nach seinem Ebenbild geformt, er hat zum ersten Mal eine einzige Weltgesellschaft geschaffen. Das ist der wahre Kern der Redensarten vom "globalen Dorf" und der "Globalisierung". Und das bedeutet, dass auch in Wirklichkeit jetzt eine Weltumwelt- und -gesellschaftskatastrophe droht, so dass tatsächlich die Grundlage und der Fortbestand unserer Zivilisation im Weltmaßstab bedroht ist. Für den Kapitalismus sind die Welt, die Menschen und die Natur "eine Ware" - eine Ware, die die herrschende Klasse, lässt man sie gewähren, eher zerstören wird, als ihre Stellung, Macht und Vorrechte aufzugeben. Wie sagt richtig Susan George, eine führende Kritikerin von heute der Auswirkung des Weltkapitalismus? "Der transnationale Kapitalismus kann nicht aufhören ... Er ist in eine Art bösartiges Stadium übergegangen, er wird weiterhin menschliche und natürliche Ressourcen verschlingen und vernichten, selbst um den Preis, dass er seine eigene Grundlage unterhöhlt". #230 Alle, die heute eine bessere Welt gewinnen, die Erde und die zukünftigen Generationen, die auf ihr leben werden, schützen wollen, sind aufgefordert, das Unglück abzuwenden, so lange noch Zeit ist.

Schluss

Ziel dieses Aufsatzes war es, dafür zu argumentieren, dass Umweltzerstörung nur als Teil einer größeren gesellschaftlichen Krise voll begriffen werden kann. Das galt schon in früheren Klassengesellschaften und ergibt sich daraus, dass die herrschenden Klassen die Gesellschaft auf bestimmte Organisationsstrukturen der Produktion festlegen, die schließlich genau die Mittel und die Umwelt aufbrauchen, auf die sie angewiesen sind.
Das gleiche Grundmuster gilt auch mit einigen wichtigen besonderen Einschränkungen für den Kapitalismus. Nur dass heute mit einem weltumspannenden System die Gefahr von Krise und Umweltzerstörung ebenfalls weltweit gegeben ist.
Ich habe versucht zu zeigen, wie zwei der wichtigsten Gefahren für die Umwelt, Klimaerwärmung und genetisch veränderte Organismen, sich aus der Logik des Kapitalismus ergeben. Das Problem ist nicht Industrie oder Wissenschaft sondern die Art, wie die Produktion im Kapitalismus unter der Aufsicht einer Minderheit, die vor allem anderen an den Profit als ihren Gott glaubt, organisiert ist. Dieses Dogma beschwört eine Umwelt- und soziale Katastrophe herauf in einem Ausmaß, wie es frühere Generationen sich nicht hätten vorstellen können und gefährdet sogar den Fortbestand unserer ganzen Zivilisation. Die Antwort auf diese schreckliche Gefahr besteht darin, an den Geist der Revolten gegen den Kapitalismus und seine Institutionen anzuknüpfen, die so wunderbar während des Jahres 1999 ausgebrochen sind. Solche Aufstände haben ganz unterschiedliche soziale Gruppen und Bewegungen umfasst und mussten es auch. Aber um über Proteste und Revolten hinauszukommen zu einer sozialen Revolution, die der Gefahr einer Katastrophe für Mensch und Umwelt wirklich ein Ende setzt, ist es erforderlich, dass die Klasse, von deren Arbeit das ganze System abhängt, im Mittelpunkt der Kämpfe steht. Die Zukunft unserer Gesellschaft und der Umwelt hängt davon ab, ob ein solcher Kampf, in dem die ganze Arbeiterklasse der Welt, Seite an Seite mit den Bauern, Studenten und vielen anderen steht, denjenigen die Kontrolle über die Gesellschaft und die Produktion entreißen kann, die sie derzeit haben.
Gelingt uns dies nicht, dann ist die Zukunft in der Tat trübe. Gelingt es uns aber, dann haben wir die Chance, die Produktion neu zu organisieren, indem wir die Früchte eines wissenschaftlichen Verständnisses der Welt, deren Teil wir sind, nutzen, und so eine Welt schaffen, an deren Schönheit wir uns heute erfreuen können und die wir für die zukünftigen Generationen schützen können.

Fußnoten

Viele der Diskussionen und Debatten über die in diesem Aufsatz besprochenen Themen finden im Internet statt. Einige der erwähnten Organisationen zum Beispiel veröffentlichen ihre Dokumente nur dort. Als dieser Aufsatz im August 2000 geschrieben wurde, waren die erwähnten Fundstellen auf dem Web vorhanden. Ich kann jedoch nicht garantieren, dass diese Seiten inzwischen nicht verändert worden sind und dass vorhandene Dokumente nicht in Zukunft verändert werden. - Außerdem wurden einige deutschsprachige Quellen hinzugefügt.


#1 Royal Commission on Environmental Pollution, Energy: The Changing Climate (HMSO, June 2000), S. 1ff.
#2 zitiert in Action Against Climate Change (OECD, 1999), S. 12. Das IPCC wurde 1988 von dem "United Nations Environmental Programme" und dem "World Meteorological Office" gebildet, um das Weltklima zu überwachen und das wissenschaftliche Verständnis davon zu verbessern.
#3 National Climate Policies and the Kyoto Protocol (OECD, 1999), S. 15.
#4 A. Gore, Earth in the Balance: A Plea for US Leadership on Global Environmental Policy (Earthscan, 2000).
#5 The Guardian, 3. November 1999.
#6 Vgl. die sehr nützliche Webseite der "Union of Concerned Scientists" auf http://www.ucsusa.org/ globalresources/warming.html und der "US National Oceanic and Atmospheric Administration" auf http://www.ngdc.noaa.gov/paleo/globalwarming/greeneffect.html
#7 Vgl. den interessanten Bericht von Facsnet auf http://www.facsnet.org und den Bericht des "Hadley Centre for Climate Change", zitiert in The Guardian, 3. November 1999.
#8 Union of Concerned Scientists, Webseite, a. a. O..
#9 Zu einer Erörterung der Chaostheorie vgl. P. McGarr, "Order out of Chaos", International Socialism 48 (Herbst 1990).
#10 Union of Concerned Scientists, Webseite, a. a. O.. Die Klimaerwärmung wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zu mehr außergewöhnlichen Wetterereignissen führen, weil sie den Wasserumschlag beschleunigen wird, der die treibende Kraft für Wetteränderungen ist. Höhere Temperaturen bedeuten, dass das Wasser der Ozeane rascher verdampft und eine wärmere Atmosphäre kann mehr von diesem Wasserdampf halten, so dass größere und stärkere Niederschläge wahrscheinlich werden. Auf dem Land dagegen können höhere Temperaturen stark ausgetrocknete Gebiete schaffen. Diese Austrocknung ergibt stärkere Druckunterschiede in der Atmosphäre, die die Ursache von Winden sind, so dass Böen, Stürme, Tornados und ähnliches häufiger werden. Eine Nützliche Darstellung der physikalischen Zusammenhänge findet sich bei P. R. Epstein, "Is Global Warming Harmful to Health?', Scientific American, August 2000.
#11 P. R. Epstein, a. a. O., hier findet sich auch eine wichtige Erörterung dieser Gefahr, es wird ein dramatischer Anstieg bei Krankheiten wie Malaria oder das Sumpffieber vorausgesagt.
#12 The Guardian, 7. April 2000.
#13 Vgl. die Webseite der Union of Concerned Scientists Webseite, a. a. O.; National Oceanic and Atmospheric Administration, Webseite, a. a. O.; und die Ausführungen bei F. Pearce, "Greenhouse Wars", New Scientist, 19. Juli 1997. Einige der Skeptiker weisen auf natürliche Ursachen hin, wie Veränderungen in der Umlaufbahn der Erde oder ähnliches, die für den bereits beobachteten Wärmeanstieg in der Welt verantwortlich sein sollen. Aber mir scheint, dass es erdrückendes Beweismaterial dafür gibt, dass solche Ursachen nicht die gesamte beobachtete Veränderung erklären können, und dies ist auch die Meinung der großen Mehrheit der Klimaforscher. Einige argumentieren auch, dass natürliche Kohlendioxid-"Senken", z. B. die Ozeane, den Treibhauseffekt ausgleichen. Es kann gut sein, dass solche Faktoren den Treibhauseffekt verlangsamen, aber das weiß keine genau. Es erscheint vernünftig, in diesem Fall lieber zu vorsichtig zu sein. Schließlich bezweifeln nur wenige Wissenschaftler, dass es zu dramatischen und unvorhersehbaren Auswirkungen auf das Weltklima kommt, wenn weiterhin immer mehr Kohlendioxid und andere Treibhausgase in die Atmosphäre gepumpt werden.
#14 New Scientist, a. a. O..
#15 H. Mayell, Global Warming: The Problem and the Major Players, auf http://www. enn.com/specialreports/climate/players.asp
#16 J. Roach, "What is Climate Change?", auf http://www.enn.com/specialreports/climate/ what.asp; und "What is the Greenhouse Effect?", auf der Webseite der "US National Oceanic and Atmospheric Association", a. a. O..
#17 H. Herzog, B. Eliasson und O. Kaarstad, "Capturing Greenhouse Gases', Scientific American,. Februar 2000.
#18 J. Roach, "What is Climate Change?', a. a. O..
#19 H. Herzog, B. Eliasson and O. Kaarstad, a. a. O..
#20 Im einzelnen siehe Facsnet, Webseite, a. a. O..
#21 OECD, National Climate Policies and the Kyoto Protocol, a. a. O., S. 25.
#22 "World Energy Council" zitiert in The Guardian, 10. Oktober 1997; und "Union of Concerned Scientists", Webseite, a. a. O..
#23 Vgl. den nützlichen Überblick über Befunde und Berichte bei der BBC auf http://www.bbc.co.uk/ nature/earth/warnings/take_action.shtml
#24 W. Wolf, Car Mania (Pluto, 1996), S. 127-129. Deutsche Veröffentlichungen von Winfried Wolf zu diesem Thema sind: "Sackgasse Autogesellschaft - Höchste Eisenbahn für eine Alternative - dritte, neubearbeitete und auf die aktuelle Höhe des gesamtdeutschen Autowahns gebrachte Auflage", Köln 1993; "Eisenbahn und Autowahn - Personen- und Gütertransport auf Schiene, Straße, in der Luft und zu Wasser - Geschichte, Bilanz, Perspektiven", Hamburg, erweiterte Neuauflage 1992.
#25 Ebenda, S. 129.
#26 Ebenda, S. 85.
#27 L. Macdonald und A. Myers, "Malign Design', New Internationalist 307 (November 1998); und D. Steward, "Do You Know the Way to San Jose?', Le Monde diplomatique,. Juli 2000.
#28 L. Macdonald und A. Myers, ebenda.
#29 The Guardian, 5. Dezember 1997.
#30 D Cromwell, "Cold Comfort', Red Pepper, Dezember 1997.
#31 The Guardian, 29. Juli 1999.
#32 D Cromwell, a. a. O..
#33 A Cockburn und J St Clair, "Dems Frantic About Nader', auf http://www. counterpunch.org, 18. Juli 2000,
#34 The Guardian, 5. Dezember 1997.
#35 The Guardian, 28. April 2000.
#36 Financial Times, 7 January 2000.
#37 Ebenda, und "Climate Change: What Does Shell Think and Do About It?', Royal Dutch/Shell Group, zitiert in The Guardian, 25. Oktober 1999.
#38 D. Cromwell, a. a. O..
#39 Reith-Vorlesungen auf http://news.bbc.co.uk/hi/english/static/events/reith_2000
#40 The Guardian, 25. Juli 2000; The Sunday Telegraph, 6 August 2000; und zur Ausdehnugn in Alaska vgl. The Observer, 20. August 2000.
#41 Reuters, 25. Juli 2000.
#42 Financial Times, 5. März 1996.
#43 Zahlen und Zitate aus S. Retallack, "How US Politics is Letting the World Down', The Ecologist, März-April 1999.
#44 Royal Commission on Environmental Pollution, a. a. O..
#45 Angaben des "US Department of Energy", zitiert in The Guardian, 10. Oktober 1997.
#46 OECD, National Climate Policies and the Kyoto Protocol, a. a. O..
#47 S. Retallack, a. a. O..
#48 Ebenda.
#49 "Global Climate Coalition Voted Top of the Dirty Dozen Industry", Friends of the Earth, 4. Dezember 1997, http://www.jca.ax.apc.org/jca-net/news/cop3/ ngo/c0011/53.html
#50 S. Retallack, a. a. O..
#51 D. Cromwell, a. a. O..
#52 New Scientist, 13. Dezember 1997.
#53 Ebenda.
#54 Von der sehr nützlichen "Corporate Watch", auf http://corporatewatch.org/ cw11mag/pages/cw11cc1.html
#55 Ebenda.
#56 New Scientist, 13. Dezember 1997.
#57 Royal Commission on Environmental Pollution, a. a. O., S. 80.
#58 Reuters, 16. Juni 2000.
#59 The Guardian, 27. April 2000.
#60 The Guardian, 27. Juli 2000.
#61 OECD, National Climate Policies and the Kyoto Protocol, a. a. O..
#62 OECD, National Climate Policies and the Kyoto Protocol, a. a. O., S. 42.
#63 Royal Commission on Environmental Pollution, a. a. O., S. 60, S. 118.
#64 C. Hines, Localization: A Global Manifesto (Earthscan, 2000).
#65 Ebenda, S. 110.
#66 Ebenda, S. 111.
#67 Ebenda, S. 240.
#68 Ebenda, S. 129.
#69 K. Marx, "Karl Grün: Die soziale Bewegung in Frankreich und Belgien", MEW, S. 498; zitiert in W. I. Lenin, Die Entwicklung des Kapitalismus in Russland (Lenin-Werke Bd. 3), S. 18.
#70 Zitiert in S. Retallack, a. a. O..
#71 G. Monbiot, The Guardian, 6. Juli 2000.
#72 G. Monbiot, The Guardian, 29. Mai 1999 und 12. August 1999.
#73 H. Herzog, B. Eliasson und O. Kaarstad, a. a. O.
#74 Royal Commission on Environmental Pollution, a. a. O., S. 34.
#75 H. Herzog, B. Eliasson und O. Kaarstad, a. a. O.. Mit diesen Techniken gibt es einige Schwierigkeiten, wie man am Beispiel vom Nyossee in Kamerun sehen kann. 1986 starben 1700 Menschen, als sich natürlicher Kohlendioxid am Seeboden bildete und plötzlich an die Oberfläche blubberte. Das Gas ist schwerer als Luft und kroch am Boden entlang in die benachbarten Täler, wo es still und schnell die Menschen erstickte. Lagert man das Gas tief abgeschieden unter dem Meer ein, vermeidet man vielleicht diese Gefahr, aber Vorsicht ist geboten. Vgl. http://www.biology.lsa.umich.edu/~gwk/research/nyos.html
#76 Royal Commission on Environmental Pollution, a. a. O., S. 99.
#77 ETSU, "New and Renewable Energy: Prospects for the 21st Century" (DTI, 1999).
#78 The Guardian, 26. September 1999; DTI-Bericht, "The Potential Generating Capacity of PV-Clad Buildings in the UK" (DTI, 1992); und der Bericht der Europäischen Kommission, "Study of Offshore Wind Energy in the European Community" (EC, 1998).
#79 The Guardian, 26. September 1999.
#80 Ebenda.
#81 Royal Commission on Environmental Pollution, a. a. O., S. 124, S. 177.
#82 Shell International, "The Evolution of the World's Energy System 1860-2060', zitiert in The Guardian, 25. Oktober 1999.
#83 The Guardian, 10. November 1999.
#84 Daran hat sich nichts geändert. Kanada, der größte Hersteller von Asbest, benutzt die Welthandelsorganisation um gegen Beschränkungen gegen Asbest vorzugehen und sie zum Hemmnis für den to "freien Handel" zu erklären. Vgl. P. Herman und A. Thébaud-Mony, "La stratégie criminelle des industriels de l'amiante", Le Monde diplomatique, Juni 2000.
#85 Socialist Worker, 22. Juli 2000.
#86 Mae Wan Ho, Genetic Engineering: Dream or Nightmare? (Gateway, 1998), S. 19ff.
#87 S. Nottingham, Eat Your Genes (Zed Books, 1998), S. 6.
#88 The Guardian, 24. Juli 2000.
#89 The Guardian, 22. November 1999.
#90 Vgl. die äußerst nützliche Pressemitteilung der "Rural Advancement Foundation International", die in Kanada ihren Sitz hat, "Terminator Terminated?", 10. April 1999 auf der Webseite der RAFI http://www.rafi.org
#91 Ein Überblick gibt Financial Times, 14. März 2000.
#92 "Suicide Seeds on the Fast Track", 24. März 2000, auf www.rafi.org
#93 Ebenda.
#94 Zu der schmutzigen Geschichte von Monsanto vgl. Daily Mail, 18. Februar 1999.
#95 http://corporatewatch.org/GEBriefings/aventis2.html
#96 RAFI-Webseite, a. a. O..
#97 Corporatewatch-Webseite, a. a. O..
#98 Cargill, "Genetic Engineering', auf http://www.cargill.com
#99 http://www.corporatewatch.org/cw7mag/pages/cw7f5.html
#100 G. Monbiot, The Guardian, 2. März 2000.
#101 Zitiert in dem ausgezeichneten Bericht des britischen Gewerkschaftsbundes UNISON zu genetisch veränderten Nutzpflanzen, Nahrungsmittelproduktion und Welthunger vom Juni 2000.
#102 Vgl. die Webseite der französischen linken Bauernorganisation "Confédération Paysanne" auf http://www.confederationpaysanne.fr; V. Shiva, a. a. O., S. 9; und das Zitat ist auf http://www.corporatewatch.org/cw7mag/pages/cw7f6.html
#103 Cargill-Webseite, a. a. O..
#104 R. Lewontin und J.-P. Berlan, "La menace du complexe génético-industriel", Le Monde diplomatique, Dezember 1998, und die Webseite der "Confédération Paysanne", a. a. O..
#105 Zitiert in New Scientist, Sonderausgabe zu genetisch veränderter Nahrung auf http://www.newscientist.com/ nsplus/insight/gmworld/gmfood/develop.html
#106 V. Shiva, a. a. O., S. 11.
#107 Bericht von M. Altieri und P. Rossett von "Food First", Oktober 1999, auf http://www. foodfirst.org/resources/biotech/altieri-11-99.html
#108 F. Moore Lappé, J. Collins und P. Rossett, World Hunger: 12 Myths (Earthscan, 1998), S. 8.
#109 S. Nottingham, a. a. O., S. 157.
#110 V. Shiva, a. a. O., S. 96.
#111 UNISON, a. a. O., S. 23.
#112 F. Moore Lappé, J. Collins und P. Rossett, a. a. O., S. 11.
#113 Ebenda, S. 44-45.
#114 M. Altieri und P. Rossett, a. a. O..
#115 http://www.ucsusa.org/agriculture/biotech.whatis.html
#116 M. Altieri und P. Rossett, a. a. O.; vgl. auch http://www.gen-ethisches-netzwerk.de/glossar/glossarb.html; P. Rosset, "Gentechnik - Keine Waffe gegen den Hunger", New York Times 1.9.1999, deutsch auf: http://www.weltalswilleundvorstellung.de/gentech.html.
#117 S. Nottingham, a. a. O., S. 156.
#118 Zitiert in dem ausgezeichneten Werk von S. Dibb von der "Food Commission" und S. Mayer von der "GeneWatch UK", Biotech--The Next Generation (Food Commission Publications, 2000), S. 4.
#119 Gary Toeniessen von der Rockefeller Foundation, zitiert in Financial Times, 25. Februar 2000.
#120 Vgl. UNISON, a. a. O., S. 29; und S. Dibb und S. Meyer, a. a. O., S. 14ff.
#121 S. Dibb und S. Meyer, a. a. O., S. 44.
#122 Zitiert in Financial Times, 25. Februar 2000.
#123 S. Nottingham, a. a. O., S. 43.
#124 Ebenda, S. 44.
#125 Ebenda, S. viii.
#126 G. Monbiot, The Guardian, 2. März 2000.
#127 S. Nottingham, a. a. O.; zu Glifosat in Kolumbien vgl. http://www.kolumbien-aktuell.ch/vargas.html.
#128 Union of Concerned Scientists, Webseite, a. a. O..
#129 S. Nottingham, a. a. O., S. 6.
#130 Zitiert in Mae Wan Ho, a. a. O., S. 130.
#131 Ebenda, S. 9.
#132 Ebenda, S. 104.
#133 Ebenda, S. 19.
#134 Ebenda, S. 21.
#135 Union of Concerned Scientists, Webseite, a. a. O..
#136 Ebenda.
#137 Ebenda.
#138 Ebenda.
#139 Ebenda.
#140 Ebenda.
#141 The Guardian, 20. Mai 1999.
#142 Union of Concerned Scientists, The Gene Exchange, Sommer 1998.
#143 BBC News, 16. Mai 2000.
#144 Zitiert in Daily Express, 18. Februar 1999.
#145 The Guardian, 29. Mai 2000; deutschsprachige Seiten zu diesem Thema: http://www.transgen.de/Aktuell/raps_bienen.html; http://www.oedp-paf.de/gentech.html; http://www.weltalswilleundvorstellung.de/gentech.html;
#146 http://www.wtowatch.org
#147 The Guardian, 29. Februar 2000.
#148 New Scientist, 4. März 2000.
#149 Vgl. auch Daily Telegraph, 4. Oktober 1999.
#150 Zitiert in R. Lewontin und J.-P. Berlan, a. a. O..
#151 The Independent, 12. März 1999.
#152 The Guardian, 16. Februar 1999.
#153 Globe and Mail (Toronto), zitiert auf http://www.wtowatch.org
#154 Ebenda.
#155 S. Nottingham, a. a. O., S. 146ff.
#156 S. Nottingham, a. a. O., S. 129ff.
#157 Ebenda.
#158 Mae Wan Ho, a. a. O., S. 5.
#159 Vgl. G. Monbiot, The Guardian, 13 May 1999; G. Monbiot, The Guardian, 22. Juli 1999; 161 S. Nottingham, a. a. O., S. 27ff.
#160 The Guardian, 31. Juli 2000.
#161 S. Nottingham, a. a. O., S. 31.
#162 The Guardian, 13. April 2000.
#163 Einen nützlichen Überblick gibt "How to Subject WTO to Basic Human Rights", November 1999, "Confédération Paysanne", Webseite, a. a. O..
#164 Ebenda.
#165 The Guardian, 24. Juli 2000.
#166 Ebenda.
#167 V. Shiva, a. a. O., S. 2, S. 89.
#168 Ebenda, S. 86.
#169 R. Lewontin und J.-P. Berlan, a. a. O..
#170 Ebenda, und Pressemitteilung, "Terminator Terminated?', RAFI-Webseite, a. a. O..
#171 Ebenda.
#172 "Suicide Seeds on the Fast Track", a. a. O..
#173 R. Lewontin und J.-P. Berlan, a. a. O..
#174 V. Shiva, Reith-Vorlesung, a. a. O..
#175 Vgl. Socialist Worker, 3. Juni 2000.
#176 The Guardian, 24. Mai 2000.
#177 The Guardian, 25. Mai 2000.
#178 Mae Wan Ho, a. a. O., S. 55.
#179 V. Shiva, Stolen Harvest, a. a. O., S. 5, S. 74.
#180 Ebenda, S. 74.
#181 http://www.ucsusa.org/agriculture/ind.ag.html
#182 Ebenda.
#183 Ebenda.
#184 V. Shiva, a. a. O., S. 13.
#185 Mae Wan Ho, a. a. O., S. 37.
#186 S. George, Ill Fares the Land, (Writers and Readers, 1985), S. 48.
#187 S. Nottingham, a. a. O., S. 4ff.
#188 S. George, Ill Fares the Land, a. a. O., S. 67.
#189 José Bové, 3. Februar 1998, Agen court, "Confédération Paysanne", Pressemitteilung.
#190 S. George, Ill Fares the Land, a. a. O., S. 85.
#191 Union of Concerned Scientists, Webseite, a. a. O..
#192 Ebenda.
#193 W. H. Brock, The Fontana History of Chemistry (Fontana, 1992), S. 286.
#194 S. Nottingham, a. a. O., S. 186.
#195 T. Cliff, "Marxism and the Collectivisation of Agriculture", International Socialism 19, erste Serie (Winter 1964-1965).
#196 Ebenda.
#197 Ebenda.
#198 Prinz Charles ist vielleicht der prominenteste Vertreter dieser Ansicht, aber andere, die üblicherweise mehr dem Kampf gegen das bestehende System verbunden sind, stimmen diesem Ansatz zu, zum Beispiel Vandana Shiva. Zu Prinz Charles und Vandana Shiva vgl. ihre Reith-Vorlesungen, beide auf http://news.bbc.co.uk/hi/english/static/events/reith_2000
#199 Vgl. "Life in the Universe", Scientific American, Oktober 1994.
#200 Vgl. R. Levins und R. Lewontin, The Dialectical Biologist (Harvard University Press, 1985).
#201 C. de Duve, "The Birth of Complex Cells", Scientific American,. April 1996.
#202 Vgl. z. B. R. Leakey, The Orogins of Humankind (Weidenfeld und Nicolson, 1994)
#203 ebenda, und für eine moderne marxistische Darstellung vgl. C. Harman, "Engels und the Origins of Humanity", International Socialism 65 (Herbst 1994).
#204 E. Leacock und R. Lee (Hrsg.), Politics und History in Bund Societies (Cambridge University Press, 1982; E. R. Service, Profiles in Technology (Harper und Row, 1978).
#205 Vgl. zum Beispiel N. A. Chagnon, Yanomamo (Harcourt Brace Jovanovich, 1992); und E. R. Service, a. a. O.
#206 J. Diamond, Guns, Germs und Steel (Vintage, 1998), S. 46-47.
#207 E. Boserup, The Conditions of Agricultural Growth (Earthscan, 1965), S. 20ff.
#208 R. Millon, "Teotihuacan", Scientific American, Juni 1967; R. Blanton, S. Kovalewski, G. Feinman und J. Appel, Ancient Nesoamerica (Cambridge University Press, 1981). Der genaue Zeitpunkt des Untergangs von Teotihuacan ist umstritten. Einige vermuten ihn viel früher im 6. Jahrhundert. Eine Darstellung dieser Kontorverse findet sich bei F. Katz, Ancient American Civilisations (Weidenfeld and Nicolson, 1989), S. 49, S. 76. Der plötzliche Zusammenbruch ist aber unumstritten.
#209 F. Katz, a. a. O.
#210 R. Blanton u. a., a. a. O., S. 29ff., 207ff.
#211 "The Story of Easter Island", auf http://www.mysteriousplaces.com/easter_aanthropologists Die Osterinseln waren keine voll entwickelte Klassengesellschaft, sondern ein Stamm mit Häuptling und verschiedenen Schichten (in der Antropologie auf englisch "stratified chiefdom"), vgl. Colin Renfrew, Before Civilisation (Penguin, 1973), S. 181.
#212 N. Saunders, "Blown away", New Scientist, 18. März 2000.
#213 F. Engels, MEW 20, S. 452f.
#214 K. Marx, "Zur Kritik der politischen Ökonomie (Vorwort)", MEW 13, 8f.
#215 F. Engels, Das Begräbnis von Karl Marx, MEW 19, S. 335.
#216 K. Marx, Kritik des Gothaer Programms, MEW 19, S. 15.
#217 K. Marx, Grundrisse, MEW, S. 393.
#218 Zu einer ausführlicheren Darstellung vgl. C. Harman, "Base and Superstructure", International Socialism 32 (Sommer 1986), und C. Harman, A People's History of the World (Bookmarks, 1999),
#219 V. Gordon Childe, Man Makes Himself (Watts, 1936), S. 227,228.
#220 F. Katz, a. a. O., S. 48, 49, 67, 98.
#221 C. Harman, A People's History of the World, a. a. O., S. 35.
#222 R. Hilton, Class Conflict and the Crisis of Feudalism (Verso,1990), S.171.
#223 G. R. Willney und D. B. Shimkin, "The Maya Collapse", in: T. P. Culbert (Hrsg.), The Classic Maya Collapse, zitiert in C. Harman, A People's History of the World, a. a. O., S. 35.
#224 K. Marx und F. Engels, Manifest der Kommunistischen Partei, MEW 4, S. 462.
#225 K. Marx, Grundrisse, MEW, S. 394.
#226 K. Marx und F. Engels, Manifest der Kommunistischen Partei, MEW 4, S. 467.
#227 ebenda, S. 467.
#228, ebenda, S. 468.
#229 F. Engels, MEW 20, S. 455.
#230 S. George, The Lugano Report (Pluto, 1999), S. 183.





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